Kampf der Start-ups: Ruby Cup holt den Sieg



Wer in der Nacht die vorerst letzte Folge von „Kampf der Start-ups“ im ZDF verfolgt hat, wird das Gewinner-Start-up schon kennen: Ruby Cup. Wir haben mit einer der drei Gründerinnen gesprochen und zwar einerseits darüber, wie man auf die Idee kommt, hauptberuflich Menstruationstassen zu vermarkten. Andererseits auch darüber, auf was es bei einem Fernsehauftritt ankommt und was dieser einem Unternehmen bringen kann.

Für-Gründer.de: Hallo Maxie, herzlichen Glückwunsch erst einmal zum Sieg! Für Leser, die „Kampf der Start-ups“ nicht verfolgt haben: Was genau ist eure Geschäftsidee und wie seid ihr darauf gekommen?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: Ich studierte damals in Dänemark, wo all meine Kommilitoninnen immer von diesen „Menstrual Cups“ sprachen, der neueste Schrei der Damenhygiene. Irgendwann hat mir meine Schwester ein Produkt zum Ausprobieren geschenkt. Denn obwohl in Deutschland noch unbekannt, liegt das Produkt aufgrund der vielen Vorteile in anderen Ländern im Trend. Es spart Müll, Kosten und ist gesund für den Körper, da es keine Zusatzstoffe, Bleichmittel und Parfüme beinhaltet, nicht austrocknet und sehr sicher ist.

Gleichzeitig erfuhr ich damals, dass Mädchen in Entwicklungsländern aufgrund ihrer Regel der Schule fernbleiben, weil sie sich keine Binden leisten können und somit nicht schützen können. 20% ihrer Schulzeit verpassen Mädchen aufgrund ihrer Regel und die UN hat konstatiert, dass die Monatshygiene einer der Hauptgründe für das Fernbleiben von Mädchen aus der Schule ist.

Ich zählte dann nur 1 und 1 zusammen, so wie Steve Jobs es empfohlen hat: „You have to connect the dots, that is innovation.“

Wir wollten das Produkt zugänglich machen für Mädchen, die sich keine Binden leisten können, denn warum sollte es Menstrual Cups nur in Europa und den USA geben? Somit entstand die Idee zu Ruby Cup. Das Unternehmen gründeten wir dann 2011.

Team_Ruby_Cup
Das Team von Ruby Cup, in der Mitte Gründerin Maxie Matthiessen. (Foto: Ruby Cup)

Für-Gründer.de: Wie groß schätzt ihr den Markt?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: Der Markt in Deutschland ist riesig. In den USA und Kanada ist das Produkt schon länger Mainstream und in konventionellen Supermärkten und Drogerieläden zu finden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich das Produkt in Deutschland durchsetzt. Dadurch, dass sich dieses Produkt im „prüden“ Amerika schon durchgesetzt hat, wird es hierzulande auch nicht mehr lange dauern. Das ist auch logisch, da es enorm viele gesundheitliche Vorteile mit sich bringt.

Für-Gründer.de: Wo wird Ruby Cup besonders benötigt?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: Wir nennen Ruby Cup die angemessene Lösung des 21. Jahrhunderts für die weltweite Frauenhygiene, gerade auch weil Ruby Cup so viel Müll spart. Der Zeitpunkt ist auch richtig, da Märkte durch die Internet-Revolution nicht mehr so stark von Großkonzernen geprägt und dominiert werden, sondern Raum entstanden ist für neue und innovative Lösungen, die über das Internet vertrieben werden. Aber gerade in den Entwicklungsländern bedeutet Ruby Cup natürlich eine enorme Verbesserung der Lebensqualität von Frauen und Mädchen, Ruby Cup ist dort ein „life changer“.

Für-Gründer.de: Wie kam es dazu, dass ihr in Kenia mit eurem Vorhaben gestartet seid?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: In Kenia wurde die kulturelle Akzeptanz eines Menstrual Cups getestet, mit sehr positiven Resultaten. So haben wir bei den „low hanging fruits“ angefangen und sind nach Kenia gezogen, um eine Pilotstudie zu machen. Darüber hinaus ist Kenia englischsprachig und hat ein marktfreundliches und hoch innovatives Businessklima. Die neuesten Innovationen, so wie Mobile-Pay, gab es in Kenia schon vor zehn Jahren. Dort investieren, sparen und überweisen Bauern Geld über ihr altes Nokia Handy. Das war für uns damals extrem faszinierend.

Afrikanische Schulkinder mit Ruby Cup
Afrikanische Schulkinder freuen sich über das Produkt Ruby Cup. (Foto: Ruby Cup)

Für-Gründer.de: Wo lagen die größten Hürden in der Implementierung des Produkts im Ausland?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: Leider war in Kenia die Kaufkraft zu gering für das Produkt, woraufhin wir das Geschäftsmodell „Buy one Give One“ gestartet haben.

Für-Gründer.de: Was genau steckt hinter diesem Modell und wie ist das Feedback eurer Kunden darauf?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: Für jeden Ruby Cup, den wir über das Internet verkaufen, spenden wir ein Produkt an ein bedürftiges Mädchen in einem Entwicklungsland. Beispielsweise Kenia, Uganda oder Nepal, wo wir mit Partnern vor Ort eng zusammenarbeiten.

Dieses Modell hat großen Erfolg hierzulande, da sich viele Kundinnen für Ruby Cup aus dem Grund entscheiden, dass sie zusätzlich ein soziales Projekt unterstützen.

Und auch an unseren Projektorten kommt Ruby Cup gut an, wir bekommen Briefe von Mädchen, die uns schreiben, wie sehr Ruby Cup ihnen geholfen hat. Das schöne an diesem Modell ist, dass je mehr wir verkaufen, desto mehr können wir spenden und Gutes tun. Das Modell ist 100% Win-win.

Für-Gründer.de: Wie habt ihr die Gründung von Ruby Cup finanziert?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: Wir haben damals Starthilfe von der schwedischen Entwicklungshilfeorganisation bekommen, die uns durch das Programm „Innovationen gegen Armut“ geholfen haben. Darüber hinaus haben wir verschiedenste internationale Preise gewonnen, die mit Preisgeldern dotiert waren und haben schon länger Investoren mit an Bord.

Für-Gründer.de: Wie kam es dazu, dass ihr bei „Kampf der Start-ups“ teilgenommen habt?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: Wir hatten durch eine Bekannte von „Berlin Startup Consulting“, die uns vorgeschlagen hat, von der Sendung erfahren. Wir dachten damals, dass dies doch eine super Marketingaktion und viel Spaß bedeuten könnte. Und prompt hatten wir ein kurzes Bewerbervideo gedreht und waren mit dabei.

  • Das Konzept der Sendung: Pro Folge haben sich zehn Gründer(-teams) vorgestellt. Die Jury wählte die zwei überzeugendsten aus, die dann ein Coaching von Juror Titus Dittmann erhielten. Im Finale der jeweiligen Folge mussten sie ihre Entwicklung und ihr Potenzial unter Beweis stellen und erhielten dann die Chance auf ein Investment. Das Investment war dabei aber nicht wie in anderen Sendungen sicher. Das ZDF dazu: „In Kampf der Start-ups! wird es keine Deals „fürs Fernsehen“ geben.“ Vielmehr als um Geld, sollte es in der Serie also um Anregungen, Erfahrungen und die Weiterentwicklung der Start-ups gehen. In der ersten Folge gewann einhorn, ein faires, nachhaltiges und veganes Kondom. In der zweiten Folge MyCouchbox, eine Abobox mit Süßwaren und Snacks. Und in der dritten und letzten Folge Ruby Cup.

Für-Gründer.de: Wie konntet ihr von der Teilnahme profitieren?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: Der Coach, Titus Dittmann, hat uns wunderbar beraten, mit Tipps versorgt und für Ruby Cup ist so eine Show natürlich absolut gutes Marketing.

Für-Gründer.de: Und wie steht es mit dem Investment?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup: Die Investoren waren so begeistert, dass wir uns aus eigener Hand finanzieren und dass wir profitabel sind, dass sie uns davon abrieten, neue Investoren mit ins Boot zu holen, um unsere Autonomie zu behalten. Somit haben wir zwar gewonnen, werden jedoch weiterhin so organisch wachsen wie bisher. Für die Skalierung in die USA, die für das nächste Jahr geplant ist, werden wir allerdings neue Investoren suchen, jedoch suchen wir nicht nur Geld, sondern auch Know-how für diesen Markt.

Für-Gründer.de: Fernsehsendungen, die Gründer in den Fokus stellen, werden zunehmend mehr. Welche drei Dinge könnt ihr Gründern mit auf den Weg geben, die sich einem Fernsehauftritt stellen?

Maxie Matthiessen von Ruby Cup:

  1. Bleibt authentisch, denn das kommt an und gibt einem selbst das Gefühl, dass man sich nicht verstellt und entblößt. Dadurch, dass man von Kameras verfolgt gefilmt wird, ist man sehr verletzlich. Wenn man da bei sich bleibt, kann eigentlich nichts schief gehen.
  2. Mit Humor und einem Lächeln kommt man weiter als mit einem auswendig gelernten Pitch, den man der Jury monoton vorträgt. Macht Witze und sprecht die Jury beim Namen an. Nett necken kann nie schaden.
  3. Versucht den TV-Pitch als Lernerfahrung zu sehen, denn dann kann man nichts verlieren, sondern gewinnt jede Menge Lernerfahrungen.
Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview!
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