Gründen in Hessen: Netzwerke und Beratung für Gründer



Hessen zählt zwar noch nicht zu den Top-Gründungsbundesländern, aber in den letzten Jahren hat sich im fünftgrößten Bundesland Deutschlands einiges getan. Dabei haben viele Gründer erkannt: Der erste Schritt zum Erfolg ist eine gute Planung. Wir geben einen Überblick über Anlaufstellen in Sachen Beratung sowie Netzwerke, Vereine und Initiativen für Gründer. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie wollen die hessische Gründerkultur aktiv unterstützen.

Wer sich bereits selbstständig gemacht hat, wird es wissen. Alle, die sich selbstständig machen wollen (Tipps für die nebenberufliche Selbstständigkeit), werden es bald wissen: Eine Existenzgründung ist eine Sache, die von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich sein kann. Sowohl in Sachen Beratung als auch bezüglich der Netzwerke, der Finanzierung oder dem Veranstaltungsangebot, kann es große Unterschiede geben. Nach unserer Serie Gründen in Baden-Württemberg starten wir nun mit Hessen. In insgesamt drei Teilen erhalten Sie Informationen zu:

Gründen in Hessen im Überblick

Gruenden in Hessen
Infografik: Gründen in Hessen (Einwohnerzahl, Anteil der Start-ups, Gründerquote, Venture Capital, Patente und Förderungen in Hessen).

Hessen ist mit über sechs Millionen Einwohnern das fünftgrößte Bundesland in der Republik. Die Gründerwelt ist dafür jedoch eher klein. Drei Prozent aller Start-ups kamen laut Deutschem Startup Monitor 2014 aus Hessen, in Baden-Württemberg waren es 12 Prozent. Über 2.000 Patentanmeldungen gab es in Hessen im vergangenen Jahr (Baden-Württemberg: über 14.500). Dennoch liegt die Gründerquote mit 1,94% in Hessen über dem baden-württembergischen Schnitt, dort waren es nur 1,53%.

In Hessen wird immer noch hauptsächlich in Frankfurt am Main gegründet, 2013 gab es laut Gründerreport 2014, der von der IHK herausgegeben wurde, etwas über 3.200 Gründungen. Dabei waren 80 Prozent der Neuanmeldungen Einzelunternehmen – diese Rechtsform dominiert somit auch in Hessen sehr stark. Der Ausländeranteil bei den Gründern mehr als doppelt so hoch wie der Gesamtschnitt von Deutschland. Weibliche Gründungen sind in Hessen seltener im Vergleich zu anderen Bundesländern: der Anteil liegt hier bei rund 34 Prozent.

Beratungsangebot: Gute Planung ist der erste Schritt zum Erfolg

Der erste Schritt für eine erfolgreiche Gründung liegt in der guten Planung. Hierfür gibt es verschiedene deutschlandweite Fördermöglichkeiten, beispielsweise das Gründercoaching der KfW. Wir haben ein Netzwerk aus über 400 Dienstleistern aufgebaut, die sich auf Gründeranliegen spezialisiert haben. Sie sagen uns, was Sie für Ihre Gründung suchen und wir vermitteln Ihnen kostenfrei den passenden Ansprechpartner in unserem Gründerpiloten. Dienstleister und Berater sortiert nach verschiedenen Rubriken finden Sie außerdem auch in unserer Dienstleister- und Beraterbörse. In der Community Gründen & Wachsen unseres Partners der F.A.Z.-Verlagsgruppe soll die Innovationskraft von Gründern und Wachstumsunternehmen über verschiedene Events, Wettbewerbe, Coachings und Netzwerke gestärkt werden.

Doch für verschiedene Gründungsphasen, Branchen und Personen, gibt es auch verschiedene regionale Angebote. Diese sind oftmals so ausgerichtet, dass es selbst innerhalb von Hessen darauf ankommt, wo genau man lebt. Entsprechend dafür ist dann eine der zehn Industrie- und Handelskammern für den Gründer zuständig.

Im Folgenden haben wir weitere Angebote aus Hessen für Sie zusammengestellt:

  • Wer sich im handwerklichen Bereich oder im Handels-, Dienstleistungs- oder Industriesektor selbstständig machen will, der findet beim StarterCenter Hessen Antworten auf seine Fragen. Hierbei handelt es sich um eine gemeinsame Einrichtung der hessischen Handwerkskammern sowie der Industrie- und Handelskammern. In jeder größeren hessischen Stadt finden Sie einen Ansprechpartner. Rund 40.000 Einstiegsgespräche werden hier jährlich geführt.
  • Als Gastronom oder Hotelier bekommen Sie eine umfassende Beratung von der DEHOGA Hessen.
  • Für Freiberufler bietet das Institut für freie Berufe (IFB) Beratungsleistungen an, die aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.
  • Für Architekten ist die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen die richtige Anlaufstelle.
  • Unabhängig vom Wirtschaftsbereich finden Sie bei der RKW Hessen als Regionalpartner der KfW ein umfangreiches Gründercoaching. Insbesondere, wenn Sie sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen, finden Sie hier Unterstützung.

Netzwerke, Vereine und Initiativen

Folgende Netzwerke, Vereine und Initiativen geben Gründern Input für Ihre Existenzgründung. Dabei werden Vorträge, Events, Coachings und vieles mehr geboten.

BEST EXCELLENCE Rhein-Main ist eine Gründungsinitiative, die in sämtlichen Gründungsphasen – auch nach der erfolgreichen Marktetablierung – Veranstaltungen, Coaching, Workshops und Informationen anbietet.

Die regionalen Ansprechpartner des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes beraten Kulturunternehmer und Kreative kostenlos. In Hessen ist das in Frankfurt am Main, Darmstadt, Gießen, Kassel, Marburg, Offenbach sowie Wiesbaden der Fall.

Das „Kommunikations- und Innovationszentrum“ (KIZ) hat es zum Ziel, Menschen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu begleiten. Das Motto von KIZ ist „erst der Mensch, dann die Zahlen“ und soll vermitteln, dass ein gutes betriebswirtschaftliches Konzept zwar unabdingbar ist, aber allein noch nicht für den Erfolg ausreicht. Mehr als 20.000 Menschen hat KIZ seit 1997 schon in die Selbstständigkeit begleitet und ist damit eines der führenden Beratungsunternehmen in Deutschland.

Kompass bietet vielfältige Beratung rund um die Existenzgründung an, beispielsweise Markterprobungsphasen oder Businessplan-Workshops. Gründer mit Migrationshintergrund erhalten dort eine kostenlose Erstberatung.

Das „Kompetenznetz“ ist ein Zusammenschluss verschiedener nicht-kommerzieller Institutionen, die im Rhein-Main Gründungsberatung und -förderung aktiv unterstützen. Ziel ist es Information und Beratung für sämtliche Zielgruppen anzubieten und Spezialisten zu vermitteln.

Die Gründerinitiative Science4Life will Jungunternehmer mit erfahrenen Branchen-Experten für einen Erfahrungs- und Informationsaustausch zusammenzubringen. Über 150 Institutionen und Unternehmen befinden sich in diesem Netzwerk und auch ehrenamtliche Berater sind Teil der Initiative.

Das Social Impact Lab Frankfurt vereint gleich zwei Programme: Das Projekt AndersGründer unterstützt Start-ups aus dem sozialen Bereich mit u.a. Coachings, der kostenfreien Bereitstellung von Coworking-Spaces und dem Zugang zu relevanten Netzwerken. Das Projekt ChancenNutzer unterstützt Gründer mit Migrationshintergrund.

Der Verein zur Förderung von Existenzgründungen e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, bei dem berufserfahrene Mitglieder Gründer kostenlos unterstützen, beispielsweise bei der Erstellung und Überprüfung des Businessplans.

Die Wirtschaftsförderung Frankfurt bietet Existenzgründern umfassende Informationen rund um die Gründung, Finanzierung und Bürosuche.

Hinter den Wirtschaftspaten stecken rund vierzig ehemalige Führungskräfte, die in ihrem aktiven Ruhestand nun ehrenamtlich bei der Existenzgründung, aber auch der Weiterentwicklung und Unternehmensnachfolge helfen.

Angebote speziell für Frauen

Mit 34 Prozent sind die Frauen in Hessen immer noch eher eine Gründungsminderheit. Diese Netzwerke wollen daher insbesondere Frauen beim Gründungsprozess unterstützen.

jumpp unterstützt Existenzgründer und junge Unternehmen in allen Phasen der Gründung und Existenzsicherung. Der Verein berät insbesondere Frauen, aber auch Männer, beispielsweise bei der Überprüfung der Tragfähigkeit der Geschäftsidee oder bei Betriebsanalysen.

Der Verein FachFrauenNetzwerk e.V. fördert und unterstützt Frauen, die in die Selbstständigkeit wollen, sowohl mit Events als auch mit Vorträgen, Workshops und individuellen Coachings.

Das sollten Studenten und junge Gründer aus Hessen kennen

Studierende finden in Hessen an den Universitäten des Landes unterschiedliche Fördermöglichkeiten. Fast alle größeren Universitäten und Hochschulen bieten Unterstützung an, aber auch studentische Initiativen sind in Hessen gefragt.

Egal ob Studierende, Alumni oder wissenschaftliche Mitarbeiter der Goethe-Universität Frankfurt – beim Goethe-Unibator finden Gründungsinteressierte Veranstaltungen, Seminare und Beratungsmöglichkeiten. Universitäre Gründer haben sogar die Chance auf kostenlose Büros in den Räumlichkeiten der Universität.

Studierende aller Studiengänge sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschule RheinMain können sich individuell zu ihren Ideen beraten lassen. Der Gründungsservice unterstützt bei einer Strategieanalyse, der Erstellung eines Businessplans oder dem Antrag auf ein Gründerstipendium (z.B. EXIST).

HIGHEST ist die zentrale Anlaufstelle für junge Gründer der TU Darmstadt, die bspw. individuelle Beratungsangebote bietet, bei der Beantragung von Fördermitteln under der Vernetzung hilft.

Auch die Hochschule in Darmstadt bietet umfangreiche Beratungsmöglichkeiten. Der Gründungs-Inkubator der Hochschule stellt zudem Arbeitsplätze für junge Gründer bereit.

UNIKAT bietet Beratungsmöglichkeiten, einen Ideenwettbewerb und ein Workshop-Programm in der „Startup School“. Der an die Uni angeschlossene „Science Park Kassel“ bietet jungen Gründern günstige Möglichkeiten, einer Ausgründung ein Zuhause zu geben und sich mit anderen Gründern zu vernetzen.

Auch in Fulda bietet die Hochschule ihren Studierenden und Mitarbeitern unterschiedliche Seminare und Workshops an. Sie können sich über die Hochschule auch auf ein EXIST-Gründerstipendium bewerben und über ein Gründernetzwerk austauschen.

Vom Businessplan bis zur Patentstrategie: Das Gründerzentrum der mittelhessischen Hochschulen bietet Beratung, Coaching und klärt über Fördermöglichkeiten auf. Im Mittelpunkt stehen Ausgründungen aus technologie- und wissensbasierten Fachbereichen. Dafür arbeitet das Cluster mit verschiedenen Netzwerkpartnern aus der Region zusammen.

In Marburg steht das Institut für Innovationsforschung und Existenzgründungsförderung Studierenden mit Gründungswunsch beratend zur Seite.

Weitere studentische Angebote

FRAppe ist ein studentischer Entrepreneurship Club, der ehrenamtlich von Studenten organisiert wird. Austausch, Events, Vorträge, Workshops und vieles mehr soll den Zugang zum Thema Unternehmertum erleichtern.

Route A 66 ist das Gründernetz der Fachhochschule Frankfurt am Main, der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main und der Fachhochschule Wiesbaden. Studierende, Assistenten, Professoren und Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen, die sich selbstständig machen wollen, finden dort verschiedene Beratungsmöglichkeiten.

TransMIT ist ein Gemeinschaftsprojekt der mittelhessischen Hochschulen, Volksbanken und Sparkassen sowie der IHK Gießen-Friedberg. Der Geschäftsbereich Patente, Innovations- und Gründerberatung versteht sich als externer Dienstleister für Unternehmen und Hochschulen.

Weitere Anlaufstellen

Die Technologie- und Gründer­zentren in Hes­sen bie­ten Ihnen Ge­schäfts­räume, Infra­struktur, Beratung und andere Services. Diese Karte zeigt Ihnen, wo sich ein Zentrum in Ihrer Nähe befindet.

Ihnen fehlt eine Beratungsstelle oder ein Netzwerk? Wir freuen uns über Ihre Ergänzung! Im zweiten Artikel zur Unternehmensgründung in Hessen werden wir uns dann mit den regionalen Ansprechpartnern zur Unternehmensfinanzierung beschäftigen und uns mit dem Thema Fördermittel auseinandersetzen.