3 lives: Crowdinvesting funktioniert nicht nur bei Start-ups



Nach Start-ups, Immobilien, ökologischen Projekten rücken nun auch Filme in den Fokus der Anleger in der Crowd. Juliane Block ist Filmemacherin und finanzierte bereits ein Projekt über die Crowd. Im Interview erklärt sie unter anderem, was eine erfolgreiche Crowd-Kampagne ausmacht und stellt ihr neues Filmprojekt vor, das sie auf Cinedime per Crowdinvesting finanzieren will.



  • Aktuelle Zahlen von Für-Gründer.de zum Markt für Crowdfinanzierung in Deutschland finden Sie hier.

Für-Gründer.de: Hallo Frau Block, Sie sind Filmemacherin – bitte stellen Sie sich und Ihren Werdegang kurz vor.

Juliane Block, 3 Lives: Die Filmproduktion ist etwas, auf das ich erst während des Studiums gestoßen bin. Ich habe Industrial Design an der Kunsthochschule Braunschweig studiert und ein Kommilitone hat einen Zombiefilm gedreht. Mein Hobby war Special Effects Make-up und ich war begeistert davon, als Maskenbildnerin an dem Film mitzuwirken zu dürfen. Diese Erfahrung war für mich so prägend, dass ich langfristig beim Film blieb.

2005 bot sich mir die Möglichkeit, Auslandserfahrung zu sammeln. Dies war etwas, das ich im Studium schon immer vorhatte, es sich aber während meiner Zeit in Braunschweig nie ergeben hat. Ich habe Hongkong als meine erste Station gewählt. Die meisten potenziellen Filmemacher wandern nach Nordamerika aus. Deshalb wollte ich in die andere Richtung reisen. Meine Wanderjahre haben bis 2011 gedauert, und auf meinen Aufenthalt in Hongkong folgten Jahre in Malaysia und schließlich Indonesien. In Malaysia habe ich meine ersten zwei Langspielfilme gedreht.

2011 war es dann für mich an der Zeit wieder zu meinen kulturellen Wurzeln zu finden, deshalb kehrte ich nach Deutschland zurück. Es ist meiner Meinung nach wichtig, dass man als Filmemacher auf bekanntes Kulturgut zurückgreifen kann, das man in seinen Filmen verarbeitet. Das wäre in Asien auf lange Sicht schwierig gewesen. Momentan bin ich dabei meine Auslandserfahrungen in meinen neuen Filmprojekten zu verarbeiten, wofür ich im April dieses Jahres meine deutsche Produktionsfirma gegründet habe. Deshalb sind auch alle meine Zukunftsprojekte als internationale Co-Produktionen geplant.

Juliane Block
Juliane Block, Produzentin des Filmprojekts  3 Lives

Für-Gründer.de: Sie haben bereits mehrere Erfahrungen mit Crowdfunding sammeln können. Wie sind Sie darauf gekommen, Ihre Filme auf diese Weise zu finanzieren?

Juliane Block, 3 Lives: Tatsächlich war meine erste Begegnung mit der „Crowd” recht früh: 2008 mit meinem ersten Langspielfilm Emperor. Wir haben den Film damals beim Portable Film Festival eingereicht und in der Kategorie Featurefilm gewonnen. Der Gewinner wurde aus der Anzahl der Likes und Views ermittelt.

Bis ich dann meine erste wirklich Kampagne startete, vergingen dann aber ein paar Jahre: 2012 bot die Gründergarage Berlin in Kooperation mit Google einen Wettbewerb an, der den Launch der deutschen Seite von Indiegogo begleitete. Ich bin durch Zufall über diese Möglichkeit gestolpert und fand, die Teilnahme war einen Versuch wert. Wir waren damals unter den Gewinnern und das eingeworbene Geld wurde von Google verdoppelt.

Für-Gründer.de: Eine Ihrer Kampagnen auf Indiegogo war erfolgreich, die andere leider nicht – woran lag es aus Ihrer Sicht?

Juliane Block, 3 Lives: Die erste, erfolgreiche Kampagne war die erwähnte Kampagne im Rahmen des Gründergarage-Wettbewerbs. Wir haben uns damals eine realistische Zielsumme gesetzt, die dafür bestimmt war einen Teaser für ein Science-Fiction-Projekt, The Inner District,  zu drehen, der dann im folgenden Jahr produziert und veröffentlicht wurde. Das Ziel haben wir erreicht:

Die zweite Kampagne lief im Herbst letzten Jahres kurz vor dem AFM, dem American Film Market in Los Angeles. Zur Aktivierung einer Fancommunity für eine Crowdfundingkampagne sollte man normalerweise im Idealfall sechs Monate einplanen. Wir haben die Kampagne nach rund einem Monat Vorbereitungszeit gelauncht, weil wir wissen wollten, wo wir mit dem Filmprojekt stehen. Wir haben die Summe so hoch gesetzt, dass wir bei Erfolg sicher sein konnten, den Film auf einem Low-Budget Niveau realisieren zu können.

Wir wollten unsere Unterstützer auf keinen Fall enttäuschen, auch wenn wir wussten, dass die Zielsumme sehr ambitioniert war. Mit All-or-Nothing ging keiner unserer Unterstützer ein Risiko ein und wir liefen nicht Gefahr, Geld einzuwerben, ohne den Film liefern zu können. Wir haben unser Ziel nicht erreicht, weil die Zielsumme zu ambitioniert für eine zu kurze Vorbereitungszeit war. Das Geld haben wir zurückerstattet. Wir haben zu diesem Zeitpunkt einen guten Einblick über unsere Crowd gewonnen. Die Erkenntnisse haben mir sehr bei den Gesprächen während des American Film Markets in Los Angeles geholfen.

Für-Gründer.de: Jetzt läuft eine Kampagne auf Cinedime, einer Plattform speziell für die Finanzierung von Filmen. Warum der Wechsel?

Juliane Block, 3 Lives: Gerade bei meiner letzten Kampagne im Herbst 2014 auf Indiegogo fand ich es schwierig, Prämien oder Rewards zur Verfügung zu stellen, die größere Summen seitens der Unterstützer rechtfertigen. Bei einem Film ist das Zielprodukt der Film selbst, und dieser ist, außer vielleicht in speziellen Sammlereditionen, selten mehr wert für den Konsumenten als 15 Euro zum Beispiel für eine DVD, einen Stream oder ein Kinoticket.

Deshalb glaube ich, dass Crowdinvesting in Zukunft für Film eine größere Rolle spielen kann. Allerdings ist es gerade in Deutschland noch sehr schwierig Risikokapital für die Filmfinanzierung zu aktivieren, da der deutsche Film eine recht geringe kommerzielle Erfolgsquote hat. Deshalb produzieren wir auf Englisch, um einen größeren Markt bedienen zu können. Bisher gab es keine Crowdinvesting Plattform für Filme in Deutschland. Mit Cinedime schließen wir diese Lücke.

Für-Gründer.de: Worum geht es in dem Thriller 3 Lives und mit welchen Gegenleistungen werben Sie für Ihren Film?

Juliane Block, 3 Lives: Der Film 3 Lives erzählt die Geschichte einer Frau, Emma, die in einem Bunker an der See aufwacht ohne die geringste Erinnerung, wie sie dorthin gekommen ist. Gerettet wird sie von zwei Männern, von denen einer Jahre zuvor für ein Gewaltverbrechen verurteilt wurde, das er an Emma begangen hat. Emma muss sich entscheiden, ob sie mit den beiden flieht, oder aber in ihrem Gefängnis verharrt.

  • Details zum Film zeigt das nachfolgende Video

Visuell betrachtet gleicht der Film einem kommerziellen Thriller, in denen eine Gruppe junger Menschen durch eine verlassene Gegend vor einer unbekannten Bedrohung flieht und diese Analogie ist gewollt, um sicherzustellen, dass unser Projekt am Markt gute Chancen hat. Unser Film wird dadurch besonders, dass es im Wesentlichen aber nicht um die Bedrohung von außen geht, sondern was unsere Charaktere dabei empfinden und wie sie mit der Vergangenheit umgehen. Der Subtext spiegelt damit etwas wieder, was für uns alle alltäglich ist – wir alle müssen mit unserer Vergangenheit leben und umgehen – und verwandelt den Film in einen psychologischen Thriller.

Mood Bunker 3 Lives
In diesen Bunker hat es die Hauptfigur Emma in 3 Lives verschlagen.

Für potenzielle Investoren besteht der Gegenwert in erster Linie in der Rendite, die sie erwarten können. Auf Cinedime steht der Businessplan bereit und Interessierte können sich ein umfassendes Bild über Marktchancen, Risiken und die konkreten Zahlen machen. Es gibt allerdings zusätzlich zur Beteiligung an den Gewinnerlösen noch Produzentenprivilegien, wie zum Beispiel den Film, die Nennung im Abspann, Teilnahme am Test-Screening oder auch einen Besuch am Set.

Für-Gründer.de: Wo sehen Sie die konkreten Unterschiede für die Filmfinanzierung zwischen Crowdinvesting und Crowdfunding?

Juliane Block, 3 Lives: Crowdinvesting richtet sich an Investoren, die nach alternativen Anlagemöglichkeiten für ihr Kapital suchen, und durch unterschiedliche Projekte gegebenenfalls auch eine Risikominimierung Ihrer Investitionen betreiben. Crowdfunding richtet sich an Fans, die Projekte im Vorfeld unterstützen und somit auch an der Realisierung beteiligt sind. Die Beträge beim Crowdfunding sind im Regelfall geringer, da der Gegenwert sich auf ein Dankeschön oder eine Belohnung in unterschiedlicher Form beschränkt, wohingegen bei einer Investition ein wirklicher Anteil am Film erworben wird.

Für-Gründer.de: Welche Werbe- und Marketingstrategien verfolgen Sie, um Ihre Crowdinvesting-Kampagne bekannt zu machen und das Investment zu erreichen?

Juliane Block, 3 Lives: Mit unserer Marketingstrategie zielen wir auf zwei Bereiche: einmal Foren, Magazine und Blogs, die sich an Kleinanleger und (Crowd-)Investoren richten, um aktive Investoren zu akquirieren. Zweitens auf die Generierung von Fans in den bekannten Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter, etc., um während der Kampagne auch den direkten Fan-Mehrwert zu steigern und durch Followerzahlen messen zu können.

Hierbei setzen wir auf organisch generierte Zahlen – ohne gekaufte Follower – da unsere Erfahrung zeigt, dass diese letztlich am aktivsten sind. Auch wenn die Generierung der Zahlen vielleicht länger dauert, ist der Mehrwert am Ende im Vertrieb spürbar, wenn wir auf Mundpropaganda von unseren Fans als Teilaspekt unseres Marketings setzen.

Für-Gründer.de: Welche sind die drei wichtigsten Lektionen, die Sie im Hinblick auf die Schwarmfinanzierung für Filme gelernt haben?

Juliane Block, 3 Lives: Erstens: ohne die Crowd geht es nicht. Egal ob es sich um Crowdinvesting oder Crowdfunding handelt, sollte man mit der Crowdgenerierung so früh wie möglich starten.

Zweitens: eine Kampagne bietet immer einen Mehrwert für das Team, weil man sich sonst selten so gnadenlos der öffentlichen Meinung stellt. Der Endkonsument ist der Kunde und man hat so die Möglichkeit schon im Vorfeld Fehler im eigenen Konzept zu erkennen und zu beheben.

Drittens: Kampagnen finde ich persönlich anstrengender als den eigentlichen Film zu produzieren, weil man sich oft machtlos dem prozentual steigenden Finanzierungsbalken gegenübersieht. Trotzdem habe ich bislang keine meiner Kampagnen bereut, weil gerade die Kommentare und Meinungen, die man sammeln kann, großen Wert haben. Am größten ist natürlich aber die Freude, wenn der Finanzierungsbalken auf einmal einen Sprung nach vorn macht und man merkt, dass die eigene Vision Unterstützung erfährt.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview!

  • Auf Cinedime erfahren Sie mehr über 3 Lives und können bei Interesse investieren: zum Film-Profil.

Kontakt

  • Block und Block, J-Blockbuster GbR
    Juliane Block
    Stettiner Strasse 56, 13357 Berlin
    Website: http://j-blockbuster.com/
    Email: juliane@j-blockbuster.com