Heidelbergs Unterstützung für (Hochschul-)Gründer



Baden-Württemberg ist das Land mit den meisten Patentanmeldungen pro Einwohner und doch ist die Anzahl der Gründungen andernorts höher. Das soll sich nun mithilfe von neuen Initiativen und dem verstärkten Aufbau von Gründernetzwerken ändern. Der Verein Heidelberg Startup Partners bietet hierfür Vortragsabende, Workshops und Netzwerkveranstaltungen an.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Dr. Haschke, Sie sind Geschäftsführer des Heidelberg Startup Partners e.V. Was macht Ihr Verein und welche Zielsetzung verfolgt er?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners: Dieser Verein ist ein Zusammenschluss der Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie des Technologieparks in Heidelberg. Er verfolgt das Ziel, das Thema Gründung in Heidelberg bekannter zu machen und mit verschiedenen Angeboten den gesamten Gründungsprozess zu unterstützen. Dafür haben wir eine Geschäftsstelle mit vier Personen eingerichtet, welche aktiv Veranstaltungen organisiert, Netzwerke aufbaut und vor allem Gründer unterstützt, erfolgreich zu werden.

Mit den Heildelberg Startup Partners mit Ideen zum Erfolg.
Das Vorhaben: mit den Heildelberg Startup Partners die Idee zum Erfolg führen (Foto: Heidelberg Startup Partners)

Für-Gründer.de: Wie sieht das konkrete Leistungsangebot der Heidelberg Startup Partners aus?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners: Wir bieten für Interessierte Lehrveranstaltungen und Workshops oder niederschwellige Netzwerkveranstaltungen wie den Zünder für Gründer. Für angehende Gründer haben wir intensive Beratungs- und Betreuungsangebote. Dabei liegt einer unserer Schwerpunkte auf der Fördermittelberatung. Gern geben wir aber auch Feedback zu Businessplänen.

Wenn die Gründung dann anläuft, halten wir Räumlichkeiten in unserem Gründerzentrum und im Technologiepark Heidelberg bereit und vermitteln Kontakte zu Investoren. Unser aktuellstes Projekt ist das erste Startup Weekend Rhein-Neckar, welches vom 8. bis 10. Mai im Technologiepark Heidelberg stattfinden wird.

Für-Gründer.de: Wenn ein Gründungsinteressierter mit einer Problemstellung zu Ihnen kommt, unterstützen Sie direkt oder fungieren Sie nur als Vermittler zu Ihren Partnern? Welche Kosten kommen auf ihn zu?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners:

Alle Angebote des Vereins sind für die Gründungsteams kostenfrei. Das gilt für Beratungen und die meisten Veranstaltungen.

In der Regel laden wir die Gründer zu einem Erstgespräch ein, das ein bis zwei Stunden dauert. Hier werden der Gründer und seine Geschäftsidee erst einmal auf den Prüfstand gestellt und „gegrillt“.

Wir versuchen ehrliches und kritisches Feedback zu geben und mit dem Gründer zusammen herauszuarbeiten, welche Unterstützung gebraucht wird. Wenn unser interdisziplinäres Team aus BWLern, Physikern und Biologen diese leisten können, nehmen wir den Gründer in unsere Betreuung auf. Bei Bedarf beziehen wir weitere Partner ein.

Für-Gründer.de: Sie richten auch verschiedene Veranstaltungen aus. Wie helfen diese Veranstaltungen Gründungsinteressierten weiter?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners: Das größte Event ist der Zünder für Gründer. Bis zu 100 Personen kommen zusammen und hören zuerst einen Vortrag. Anschließend gibt es BBQ und Getränke in lockerer Atmosphäre. Dabei lernt man spannende neue Kontakte kennen. Ein weiteres Format ist der Kaminabend. Zu einem bestimmten Thema treffen bis zu 20 Personen auf einen Experten und können diesen intensiv befragen. Dies ist deutlich spezifischer, hilft aber vor allem Start-ups.

Für-Gründer.de: Sie sind auch gleichzeitig für das Gründungsmanagement der Universität Heidelberg tätig. Was bieten Sie speziell Studenten für Leistungen an?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners: Für die Studenten bauen wir momentan ein strukturiertes Entrepreneurship-Education-Programm auf. Es umfasst Vorlesungen sowie Seminare und soll in Zukunft zu einem Zusatz-Zertifikat führen.

Im Januar haben wir die erste Start-up-Messe der Uni Heidelberg durchgeführt, bei der sich etwa 600 Studenten bei Start-ups über Einstiegsmöglichkeiten informiert haben und zusätzlich Vorträge und Workshops zum Thema Gründung besuchen konnten. Wir planen bereits die zweite Ausgabe im kommenden Winter.

Für-Gründer.de: Für welche konkreten Förderprogramme können sich Studenten, Absolventen oder wissenschaftliche Mitarbeiter bei einer Unternehmensgründung bewerben?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners: Die Heidelberg Startup Partners bieten Unterstützung vor allem bei den großen Programmen, wie EXIST Gründerstipendium und Forschungstransfer, GO-Bio, VIP+ oder Junge Innovatoren. Aber auch Innovationsgutscheine spielen eine Rolle. Grundsätzlich arbeiten wir uns gerne in neue Programme ein, da die Angebote vielfältig sind und einige Programme für bestimmte Gründungen in Betracht kommen, die wir nicht auf dem Schirm haben.

Für-Gründer.de: Die Finanzierung von Start-ups spielt auch bei der Gründung aus Forschung und Wissenschaft eine wichtige Rolle. Wie können Sie Gründer hier fernab von Fördermitteln weiterhelfen?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners: Wir haben mittlerweile ein breites Netzwerk aufgebaut. So können wir direkt potentielle Investoren ansprechen, aber haben vor allem auch gute Kontakte zu den diversen Organisatoren von Investorenveranstaltungen.

Zusätzlich haben wir im letzten Jahr die erste Runde des Life Science Business Development-Programms durchlaufen, einem Accelerator für Life Science-Gründer. Dies hat sehr geholfen, unser Netzwerk zu erweitern. Wir planen zurzeit die Neuauflage des Programms.

Bei einem Pitch trifft man nicht nur andere Teilnehmer und Investoren, sondern auch potenzielle Partner. Die Erweiterung des eigenen Netzwerks ist besonders wichtig.
Bei einem Pitch trifft man nicht nur andere Teilnehmer und Investoren, sondern auch potenzielle Partner (Heidelberg Startup Partners)

Für-Gründer.de: Die Gründung aus Forschung und Wissenschaft kann sich von gewöhnlichen Unternehmensgründungen unterscheiden. Wo sehen Sie die größten Unterschiede, wo die größten Probleme?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners: Der größte Unterschied liegt in der Geschwindigkeit und dem daraus resultierenden Kapitalbedarf. In der Regel haben Gründungen aus der Wissenschaft einen sehr hohen Anteil an Forschungsaufgaben. Diese sind kostenintensiv und zeitaufwendig. Dafür entstehen daraus aber Produkte, welche wichtige gesellschaftliche Fragen oder Probleme lösen.

Für-Gründer.de: Wie beurteilen Sie in Baden-Württemberg Qualität und Quantität der Unternehmensgründungen aus der Hochschule heraus? Gibt es Unterschiede im Vergleich zu Gesamtdeutschland?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners:

Baden-Württemberg ist das Land mit den meisten Patentanmeldungen pro Einwohner. Das Land der Tüftler ist aber noch nicht das Land der Gründer. Daran arbeiten wir.

Im Vergleich mit anderen Bundesländern ist Baden-Württemberg von der Zahl der Ideen auf jeden Fall in der Spitzengruppe. Wir möchten potenziellen Gründern mit unserer Unterstützung dabei helfen, ihre Träume in die Tat umzusetzen und somit Werte und Arbeitsplätze zu schaffen.

Für-Gründer.de: Konnten Sie bereits erfolgreiche Unternehmensgründungen mit den Heidelberg Startup Partners begleiten?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners: Obwohl es uns erst seit zwei Jahren gibt, konnten wir bereits einige Projekte von der Idee zum Geschäftsbetrieb begleiten und beim Aufbau eines nachhaltigen Businessmodells unterstützen. Dazu gehören unter anderem die Unternehmen Pallas Ludens und Conias Risk Intelligence.

Für-Gründer.de: Welche drei wichtigsten Tipps haben Sie für Gründer aus der Hochschule auf dem Weg zum Erfolg?

Dr. Raoul Haschke von Heidelberg Startup Partners:

  • Gehe raus und rede mit Menschen – dabei vorher die Patentsituation klären.
  • Sprich möglichst früh mit potenziellen Kunden und beziehe sie in den Entwicklungsprozess ein.
  • Sei bereit, zu scheitern, daran zu lernen und versuche es dann nochmal.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview.