CrowdDay 2015 in Köln: Ein Tag für die Crowd



Im März fanden bereits zum dritten Mal Crowdfunding-Fans aus ganz Deutschland zum CrowdDay in Köln zusammen. Unter dem Motto „One day for the crowd“ präsentierten mehrere Experten spannende Themen rund um die Schwarmfinanzierung. Dabei lagen die verschiedenen Crowdfunding-Plattformen, aber auch allgemeine Aspekte, die den Crowdfunding-Markt betreffen, wie staatliche Regulierungen oder auch die Unternehmensbewertung, im Fokus.



Crowdfunding ist der Finanzierungstrend schlechthin: Im Jahr 2014 wuchs in Deutschland das Finanzierungsvolumen über Crowdfunding-Plattformen um 61 % zum Vorjahr auf 8,7 Millionen Euro, wie wir in unserem Crowdfunding-Monitor feststellen konnten. Dieses große Interesse spiegelte sich auch am 26. März in Köln beim CrowdDay wider, welcher mit über 700 Gästen eine der größten Veranstaltung für Crowdfunding in Deutschland ist.

Über 30 Redner kamen zum dritten CrowdDay in der Kölner IHK zusammen, um den interessierten Zuhörern mit ihrer Expertise einen umfassenden Einblick in die aktuellen Trends im Crowdfunding-Bereich zu geben. Auf vier Bühnen wurden Themen rund um Crowdfunding und Crowdinvesting von unterschiedlichsten Experten aus der Szene präsentiert, darunter auch:

Neben den Vertretern einzelner Crowdfunding-Plattformen sprachen auch Gründer crowdfinanzierter Start-ups, Wissenschaftler, Berater und andere Crowdfunding-Experten über ihre Schwerpunktthemen. Die spannendsten Inhalte haben wir für Sie nachfolgend zusammengefasst.

CrowdDay in Köln
Tino Kressner, Gründer von Startnext, gab in Köln Tipps für ein erfolgreiches Crowdfunding-Projekt

Lukratives Crowdfunding in der Energiewende

Ein neuer Trend, der sich schon seit Längerem abzeichnet und mittlerweile stark an Bedeutung gewonnen hat, zeigt sich in der Finanzierung ökologischer Projekte über die Crowd. Durch die Energiewende und den damit verbundenen Subventionen sowie rechtlichen Anforderungen bezüglich energieeffizienterer Produkte bieten sich finanziell interessante Chancen für die Projektstarter und die Crowd. Patrick Mijnals als Gründer und Geschäftsführer von bettervest sowie Murat Sahin als Geschäftsführer von greenXmoney präsentierten ihre beiden Crowdfunding-Plattformen für ein grüneres Deutschland.

In Zeiten niedriger Anlagezinsen scheint die Beteiligung an ökologischen Projekten für viele Menschen eine gute Anlagealternative zu sein. So positioniert sich bettervest unter dem Motto „Clever investieren und dabei die Welt retten“ und spricht dabei auch Menschen an, deren finanzielle Motive bei solch einer Investition nicht mal im Vordergrund stehen.

Es ist davon auszugehen, dass der noch sehr junge Bereich des Crowdfundings für ökologische Projekte in den kommenden Jahren im Rahmen der Energiewende noch mehr Schwung aufnehmen und sich weiter als innovative Investitionsanlage etablieren wird.

Nicht nur die Finanzierung sollte beim Crowdfunding im Fokus stehen

Egal ob Crowdfunding oder Crowdinvesting – eine Aussage war von unterschiedlichen Rednern immer wieder zu hören: Auch wenn die Finanzierung eines Start-ups oder eines Projektes das eigentliche Ziel einer solche Kampagne ist, sollte die Öffentlichkeitswirkung des Fundings nicht nur als netter Nebeneffekt betrachtet werden.

Mancher Redner ging sogar so weit, die öffentliche Aufmerksamkeit wichtiger als die Finanzierung selbst einzuordnen. So soll eine Kampagne durch die entsprechende mediale Berichterstattung für den Projektstarter einen größeren Mehrwert erzielen, als durch das Erreichen des Fundingziels.

Zieht man das Feedback von erfolgreichen Projektstartern hinzu, zeigt sich oft ein einheitliches Bild. Während des Crowdfundings stiegen die Nutzerzahlen der jeweiligen Internetseiten nicht selten um ein Vielfaches, auch die Umsätze wuchsen entsprechend. Hinzukommend wird mit jedem neuen Investor auch ein neuer Feedbackgeber gewonnen, der tatsächlich daran interessiert ist, das Produkt zu verbessern.

Vermeintlich hohe Unternehmensbewertungen im Crowdinvesting

Bei der Podiumsdiskussion zwischen Veranstalter Dennis Schenkel, Serien-Crowdinvestor Jörg Diehl sowie Professor und Buchautor Dr. Ralf Beck wurde dem Thema Unternehmensbewertung beim Crowdinvesting etwas auf den Zahn gefühlt. So sollen manche Start-ups ohne jegliche Umsätze bereits Millionenbewertungen haben, die laut Meinung mancher Podiumsteilnehmer nicht mehr im Verhältnis zur Realität stehen.

Die Folgen für Investoren sind kritisch: Sie erhalten für viel Geld nur wenige Anteile bei dennoch sehr hohem Ausfallrisiko. Das finanzierte Start-up muss ein entsprechend starkes Wachstum aufweisen, bevor sich solch eine Investition dann überhaupt auszahlt. Hier stehen sich natürlich unterschiedliche Interessen gegenüber.

Das Start-up möchte eine möglichst hohe Bewertung erreichen, der Investor hingegen ist an einer niedrigen Bewertung interessiert.

Die einzige Lösung, die langfristig am erfolgversprechendsten ist, wird bisher nur von wenigen Plattformen umgesetzt: Die Unternehmensbewertung sollte grundsätzlich durch einen neutralen Dritten durchgeführt werden. Nur auf diese Weise können faire Bewertungen entstehen.

Folgefinanzierung beim Crowdinvesting durch Venture Capital

Als die Schwarmfinanzierung noch am Anfang stand, warnten viele Investoren die Start-ups vor dem Gebrauch von Crowdinvesting. Zu klein seien die Chancen für eine Folgefinanzierung durch richtige Venture Capital-Fonds. Mittlerweile haben einige von der Crowd finanzierte Start-ups bereits Folgefinanzierungen erhalten, Klärungsbedarf existiert jedoch weiterhin.

Die Geschäftsführerin des Crowdinvesting-Portals FunderNation, Uli W. Fricke, setzte sich mit diesem Thema beim CrowdDay auseinander. Die größten Hürden gäbe es vor allem bei der hohen Anzahl der Investoren, die womöglich alle Mitspracherechte bei Unternehmensentscheidungen hätten.

Die unterschiedlichen Investitionsbedingungen von Crowdinvestor und VC-Geber sowie verschiedene Exit-Vorstellungen würden zwangsweise zu Problem führen, so Fricke.

Die perfekte Lösung dieses Problems gibt es noch nicht. Ein erster Schritt bestehe im Investoren-Pooling. Einen weiteren Ansatz sieht Fricke in der Herstellung vergleichbarer Investitionsbedingungen, sodass die Ansichten von beiden Parteien zu weiteren Unternehmensentscheidungen in eine ähnliche Richtung gehen.

Staatliche Regulierung des Crowdfundings im Fokus

Dass sich das Crowdfunding aktuell im Umbruch befindet, hat sich auch wieder in Köln gezeigt. Geplante staatliche Regulierungen sollen in Deutschland den Anleger schützen, was aber auch gleichzeitig das Crowdfunding, insbesondere das Crowdinvesting, unattraktiver macht.

Tanja Aschenbeck-Florange von Osborne Clarke stellte die unterschiedlichsten Regulierungsmaßnahmen vor, beginnend bei der Prospektpflicht, über die Regulierung der Plattformen selbst bis hin zum Kleinanlegerschutzgesetz. Mit der geplanten neuen Gesetzgebung würden nun viele dieser Regulierungsmaßnahmen zukünftig auch für das partiarische Nachrangdarlehen gelten. Dieses hat sich mittlerweile auf vielen Plattformen als Standard etabliert. Durch vielfachen Druck von außen sind jedoch inzwischen Lockerungen von der deutschen Regierung angedacht.

Wer sich für die Vorträge der Experten des CrowdDay interessiert, findet hier eine Vielzahl der Präsentationen zum Anschauen. Im nachfolgenden Video können Sie sich ein eigenes Bild vom CrowdDay in Köln machen:

Auf dem neuesten Stand bleiben Sie mit unserem Crowdfunding-Monitor, der vierteljährlich über die aktuellen Zahlen im Crowdfunding-Markt informiert.

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