Start-ups: die heimlichen Stars der CeBIT 2015



CeBIT goes Start-up, dieser Trend zeichnet sich bereits seit Jahren ab und hat sich insbesondere durch die Präsenz von CODE_n in diesem Jahr in Kombination mit der Start-up-Halle Scale 11 nochmals verstärkt. Aber die vielen Start-ups sind nicht nur glücklich über die interessanten Gespräche, die sie auf der CeBIT geführt haben, einige von ihnen verlassen Hannover sogar mit einer Auszeichnung und einem Geldpreis für ihre Geschäftsidee.



Es passt gut zum neuen Interessengebiet, dass die CeBIT 2015 durch einen Gründer eröffnet wurde – obgleich das Unternehmen bereits nach kurzer Zeit aus den Kinderschuhen entwachsen ist. Die Rede ist von Jack Ma, Gründer der chinesischen Handelsplattform Alibaba. Und dies gab sodann auch die Marschrichtung der CeBIT vor.

CeBIT Impressionen 1

Diesjährige CeBIT unter Thema Digitalisierung und Start-ups

Im Mittelpunkt der Messe standen die fortschreitende Digitalisierung und deren gravierende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Innovationen aus Bereichen wie Big Data, Cloud Computing oder dem Internet der Dinge wurden vorgestellt und im Rahmen von Industrie 4.0 als Zukunftstrend der industriellen Entwicklung präsentiert.

Da viele dieser Themengebiete digitaler, hochinnovativer Natur sind, lag der Fokus auf den Innovationstreibern der IT-Szene: den Start-ups. Hierfür stellte die CeBIT in diesem Jahr mit der SCALE 11 der globalen Gründerszene eine eigene Halle zur Verfügung, in der sich Start-ups zu besonders günstigen Preisen mit einem Messestand präsentieren konnten. Ziel sollte die stärkere Vernetzung zwischen jungen, innovativen Unternehmen, der Wirtschaft und Investoren sein. Veranstaltungen wie Hackathons, Matchmaking-Events und ein großer Start-up-Pitch rundeten die Messe für die anwesenden Start-ups und Gründungsinteressierte ab.

Dieses Augenmerk auf Gründer zeigte sich auch in der Ausrichtung verschiedener Start-up-Wettbewerbe und deren Prämierung live auf der CeBIT. Mit der Preisverleihung des CeBIT Innovation Awards, der Prämierung des Wettbewerbs IKT Innovativ, der gleichzeitig einer der größten Gründerwettbewerbe in Deutschland ist, sowie des CODE_n Contests sollte spätestens nach einem Rundgang über die CeBIT jedem Industrieunternehmer klar sein, dass die intensive Kooperation mit Start-ups bald wettbewerbsentscheidend für Großkonzerne sein kann.

Big Data, Mobile und Internet der Dinge

Passend zur Anwesenheit der Start-ups standen bei der CeBIT 2015 innovative Trends rund um die Digitalisierung im Vordergrund. Aus folgenden Bereichen strömten neue Impulse auf das Publikum ein:

  • Die Themen Big Data und Cloud Computing beschäftigen sich mit Konzepten der Verarbeitung einer großen Menge an Daten und die Speicherung solcher in beispielsweise einer Cloud.
  • Kaum ein Wirtschaftszweig kann sich der Digitalisierung entziehen. Die digitale Transformation beschäftigt sich genau mit diesem Thema.
  • Durch die starke Vernetzung wird sich unser Arbeitsalltag gravierend verändern. Social Business beschäftigt sich mit den Arbeitsformen der Zukunft.
  • Mobile ist heute schon nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken: Smartphone, Tablets oder Smartwatches machen das Internet mobiler denn je. Wie wird die mobile Zukunft aussehen?
  • Das Internet der Dinge befasst sich mit der Vernetzung aller technischen und auch nicht-technischen Gegenstände, sodass womöglich bald Alles mit dem Internet verbunden sein wird.
  • Mit der steigenden Vernetzung wird das Thema Security und Datenschutz immer wichtiger. Welche Lösungen können uns künftig eine sichere Informationstechnologie gewährleisten?

App zur fotooptischen Holzberechnung gewinnt CeBIT Innovation Award

Bereits zum dritten Mal wurden in Hannover drei Start-ups mit dem CeBIT Innovation Award ausgezeichnet. Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie der CeBIT initiierte Ideenwettbewerb richtete sich an IT-Nachwuchstalente, die ein Konzept für ein IT-System mit größtmöglicher Benutzerfreundlichkeit und einfacher Interaktion entwickelt haben, das sich in der Praxis einsetzen lässt. Die mit einem Preisgeld von insgesamt 100.000 Euro dotierten Auszeichnungen wurden von Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka übergeben:

1. Platz für die App FOVEA
Mit der App FOVEA, einer Anwendung zur fotooptischen Holzberechnung, konnte das dreiköpfige Gründerteam die Jury überzeugen und das Preisgeld von 50.000 Euro mit nach Hause nehmen. Die App soll vor allem Forstbetriebe und -verwaltungen dabei unterstützen, das Holzvolumen von gefällten Bäumen zu berechnen. Durch zusammengesetzte Einzelfotos von auf einem Sammelplatz gelagerten Baumstämmen können diese vermessen und das Volumen berechnet werden. FOVEA hat im Vorjahr auch bei IKT Innovativ auf der CeBIT abgeräumt: zum FOVEA-Interview.

CeBIT Impressionen 2
CeBIT Innovation Award 2015: Platz 1 an FOVEA (o.l.), Platz 2 an die App M (o.r.) und Platz 3 an digisign (u.l.) – noch mehr Start-ups bei CODE_n (u.r.)

2. Platz für die App M
Drei Berliner Forscher haben eine E-Mail-App für das iPhone und iPad entwickelt, die einen verschlüsselten E-Mail-Versand erlaubt, ohne dabei als Nutzer technische Kenntnisse mitbringen zu müssen. Die nutzerfreundliche App soll vor dem Mitlesen  durch Dritte und Angriffen von außen schützen. Für dieses Konzept darf sich das Gründerteam über 30.000 Euro freuen. Mehr über das Unternehmen erfahren.

3. Platz für digisign
Gewinner des dritten Platzes und dem damit verbundenen Preisgeld von 10.000 Euro wurde mit digisign eine Produktlösung, die eine biometrische Unterschrift digitalisiert und wiedererkennt. Über einen hierfür extra angefertigten Spezial-Stift und einem gerasterten Papier werden biometrische Merkmale des Schriftzuges automatisch erkannt und gespeichert. Auf diese Weise lassen sich Unterschriften schnell, sicher und ohne einen Graphologen auf ihre Echtheit überprüfen.

Gewinner des Gründerwettbewerbs IKT Innovativ auf der CeBIT ausgezeichnet

Unternehmensgründungen mit innovativen Informations- und Kommunikationstechnologien sind beim vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ausgerichteten Gründerwettbewerb IKT Innovativ die Hauptzielgruppe. Auch in diesem Jahr haben sich für den in Deutschland am höchsten dotierten Gründerwettbewerb weit über 500 Gründer beworben. In der zweiten Runde 2014 wurden 17 verschiedene Start-ups in Hannover auf der CeBIT ausgezeichnet, darunter sechs Hauptpreise von je 30.000 Euro, elf Preise zu je 6.000 Euro und ein Sonderpreis zum Thema „Mobiles Internet der Dinge“ von ebenfalls 6.000 Euro. Im Schnelldurchgang zeigen wir im Video die Preisträger.

Wir stellen drei der siegreichen Geschäftsideen näher vor:

  • Hauptpreisträger und Gewinner des Sonderpreises Teraki schafft mit seinem gleichnamigen Softwaresystem Abhilfe bei Messungen in Industrieanlagen. Durch spezielle mathematische Methoden werden über Sensoren gelieferte Daten komprimiert und an die Cloud geschickt, Dort werden sie dann ausgewertet. Durch diese Komprimierung werden die Daten schneller übertragen, die Datenlast für die Sensoren reduziert und deren Energieverbrauch verringert.
  • Als ein weiterer Hauptpreisträger konnte ioxp mit seinem interaktiven Handbuch für Monteure überzeugen. Über deren Augmented Reality Applikation erhalten Monteure visuelle Handlungsanweisungen in Echtzeit und erfahren über einen mobilen Display, ob sie den Montage- oder Reparaturschritt korrekt ausgeführt haben. So sind die nächsten Arbeitsschritte schneller zu erkennen und etwaige Fehlhandlungen werden durch die Software sofort angezeigt.
  • Home Office ist ein Trend, der sich in dieser Geschäftsidee widerspiegelt: Der Hauptpreisträger LowoTec hat eine kombinierte Hardware-Software-Lösung entwickelt, die eine unkomplizierte Verbindung zwischen Arbeitsplatz und Unternehmensnetzwerk herstellt. Durch eine einmalige Installation am Arbeitsplatz und im Unternehmensnetzwerk wird eine sichere und verschlüsselte Verbindung hergestellt, ohne dass der Nutzer komplexe Konfigurationen durchführen muss.
Preistraeger IKT Innovativ
Herzlichen Glückwunsch an die Preisträger bei IKT Innovativ

Wunderbar von relayr gewinnt 30.000 Euro beim CODE_n15 Contest

Zwei Tage später wurde in Halle 16 ebenfalls eine Preisverleihung gefeiert. Die aufwendig gestaltete Messefläche von CODE_n war gleichzeitig Austragungsort der Finalrunde des GFT-Gründerwettbewerbs mit dem Namen CODE_n Contest sowie Plattform für die 50 Finalisten. Hier konnten sie sich dem Fachpublikum, der Netzgemeinde und der breiten Medienlandschaft vorstellen. Alle 50 Start-ups präsentierten ihre Produkte und Software-Lösungen rund um das sagenumwobene Internet der Dinge und hofften damit, den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis zu ergattern.

CODE_n15 auf der CeBIT 2015
Eindrücke aus der Halle von CODE_n auf der CeBIT 2015

Gewonnen hat letztendlich das Berliner Start-up relayr. Sein sogenannter Wunderbar sieht aus wie ein Schokoriegel, ist aber tatsächlich einen echter Powerriegel. Der Baukasten besteht aus sechs Sensoren und einem Hauptmodul, der verschiedene Dinge und Geräte miteinander vernetzt und zum Leben erwecken lässt. Denn die Sensoren messen die Temperatur, Distanz, Feuchtigkeit, Bewegung und das Licht und lassen sich in einem Raum verteilen – so wird das Zuhause zum Smart Home. Erfahren Sie mehr über relayr und die anderen 49 Start-ups in unserem Beitrag zu CODE_n15.

Viele weitere Gründerwettbewerbe locken!

Wer mit seiner Geschäftsidee bei Wettbewerben ebenfalls punkten will, braucht nicht bis zur nächsten CeBIT zu warten. Über das gesamte Jahr hinweg finden Gründer- und Businessplanwettbewerbe statt. Einen umfangreichen Leitfaden zur erfolgreichen Teilnahmen haben wir hier zusammengestellt.