Das ökologische Corporate Design für (grüne) Gründer



Die Gestaltung aller Kommunikationsmittel in einem Corporate Design dient dem einheitlichen Außenauftritt des Unternehmens. Dies wirkt beständig und schafft Vertrauen beim Kunden. Wenn man aber einen Schritt weiter gehen will, setzt man sogar auf ein ökologisches Corporate Design. Was sich dahinter verbirgt und wie man einen nachhaltigen Außenauftritt umsetzt, wird hier erläutert.



Für-Gründer.de: Hallo Frau Lauterbach, Sie sind Gründerin der Berliner Agentur racoon. Ihr Schwerpunkt liegt in der visuellen Konzeption von nachhaltigen Corporate Designs. Worum geht es?

Karina Lauterbach von racoon: Die Visualisierung steht für das Veranschaulichen des zukünftigen Corporate Designs, dem unternehmerischen Erscheinungsbild. Ihm geht jedoch das Konzept voran und es kann Recherchen, Analysen und Schlussfolgerungen zu den Mitbewerbern meines Kunden beinhalten. Ebenfalls werden die Vorstellungen meines Kunden und seiner Unternehmung schriftlich festgehalten. Auch Handlungsempfehlungen können hier Platz finden. Der Umfang solch einer visuellen Konzeption variiert und wird individuell abgestimmt.

Die gewonnenen Erkenntnisse haben Einfluss auf die Entwicklung des Erscheinungsbildes, also bei der Wahl von Logoentwurf, Schrift, Farbe, Grafiken, Medienwahl und Bildsprache. Bei jungen Gründungen handelt es sich meist um die gemeinsame Entwicklung für Logo, Geschäftsbrief, Visitenkarte, Webpräsenz, Flyer oder Imagebroschüre.

Der ökologische und somit nachhaltige Gedanke besteht darin, mit meinen Kunden zu schauen wo und wie sich ein verantwortungsvoller, ressourcenschonender Umgang von Anbeginn der Gründung mit einbinden lässt.

Meine Beratung und Konzeption richtet sich vorrangig an Einzelpersonen, kleine- bis mittelständische Unternehmen, Entrepreneure, Start-ups und nichtstaatliche Organisationen (NGO) sowie an Social Entrepreneurs, Vereine und Stiftungen aus den Bereichen Sozialwesen, Umweltschutz, Kunst und Kultur.

Für-Gründer.de: Wie wurden Sie zur Unternehmerin?

Karina Lauterbach von racoon: Meine Überlegung, mich selbstständig zu machen, liegt noch nicht lange zurück und genauso wenig ihre Umsetzung. Bevor ich mit Mitte zwanzig meine zweite Ausbildung als Mediengestalterin mit der Fachrichtung Konzeption und Visualisierung abgeschlossen habe, war ich als gelernte Landschaftsgärtnerin mehrere Jahre in und um Berlin tätig.

Es folgte die Tätigkeit in einer Full-Service-Agentur mit Schwerpunkt Druckerzeugnisse und eine Stelle als Marketingassistentin für ein Berliner Naturkosmetikunternehmen. Meine Berufe haben dazu beigetragen, meinen Blick dafür zu schärfen, für wen ich gerne selbst tätig sein möchte. Es folgte ein Studium für Kommunikationsdesign und parallel schmiedete ich an meinem eigenen zukünftigen Erscheinungsbild  und meiner neuen beruflichen Selbstverwirklichung. Es ist und war ein Werdeprozess, zumal meine beruflichen Wurzeln vielseitig sind und es auch sicher bleiben werden.

Karina Lauterbach von racoon
Karina Lauterbach von racoon (Foto: KOPF & KRAGEN)

Für-Gründer.de: Jetzt liefern Sie Unternehmen ökologische Corporate Designs und gestalten nachhaltige Identitäten. Welche Aufgaben soll ein ökologisches Corporate Design erfüllen?

Karina Lauterbach von racoon: Neben den klassischen Aspekten, einen bestmöglichen und medienübergreifenden Wiedererkennungswert zu schaffen sowie Anwendungserleichterung für meine Kunden zu schaffen, achte ich besonders darauf, wo noch etwas optimiert werden kann. Umweltschonende Gedanken und Empfehlungen zu Material-, Lieferanten- und Webhost-Wahl fließen mit ein.

Für-Gründer.de: Und worin liegt der konkrete Unterschied zu einem „normalen“ Corporate Design?

Karina Lauterbach von racoon: Der größte Unterschied liegt in der Überlegung, bei wem und unter welchen Voraussetzungen man seine Druck- und Webumsetzungen realisieren lässt. Ich sehe meine Beratung auch als Bildungsauftrag und bin überzeugt, dass jedes Gründungsvorhaben umweltschonende und faire Ansätze integrieren kann.

Es hat auch etwas mit Verzicht zu tun, da mir zum Beispiel derzeit bei Papierveredelung mit Lacken keine Alternativen bekannt sind, die sich mit einer besseren Umweltverträglichkeit vereinbaren lassen. Wertschätzung gegenüber der Natur und anderen Dienstleistern machen auch einen großen Unterschied aus.

Für-Gründer.de: Was gehört im Detail zu einem ökologisch nachhaltigen Design und was ist vonnöten für eine grüne Corporate Identity?

Karina Lauterbach von racoon:

Nötig ist die Bereitschaft, selber Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und zu schauen, welche nachhaltigen Möglichkeiten es gibt, um das unternehmerische Erscheinungsbild umweltschonender umzusetzen.

Es ist zu prüfen, was wirklich benötigt wird und mit welchen Dienstleistern man zusammen arbeiten kann, die ressourcenschonende Aspekte in ihrer Unternehmensphilosophie eingebunden haben. Aber auch in puncto Mitarbeiterpolitik ist zukunftsorientiertes Handeln gefragt. Dies sind nur ein paar Ansätze.

Für-Gründer.de: Können Sie unseren Lesern zwei Beispiele für gute Corporate Designs und Identities geben, die dem ökologischen Aspekt gerecht werden?

Karina Lauterbach von racoon: Ja, bei der Konzeption für den Verein elhana Lernpaten wurde überwiegend auf die Nutzung von digitalen Medien gesetzt. Es entstand ein neues Logo, der Geschäftsbrief als Wordvorlage, eine HTML-Mailvorlage, eine Website und ein Newsletter. Auch Social-Accounts wurden überdacht und insgesamt ein neues, wärmeres und moderner anmutendes Farbklima geschaffen. Lediglich für eine kleine Kampagnen-Serie, zur Gewinnung neuer Lernpaten, ist der Druck von Flyerkarten und Plakaten angedacht.

Meine eigenen Geschäftsutensilien möchte ich auch gern anführen. Meine Visitenkarten sind auf FSC-zertifiziertem Papier mit einer Blindprägung meines Logos in einer Berliner Druckerei gefertigt worden. Die Rückseite versehe ich mit meinen Kontaktdaten per Stempel. So bin ich, was Änderungen angeht, flexibel und benötige nicht neue Visitenkarten.

Entwürfe von racoon
Das neue „grüne“ Corporate Design für den Verein elhana Lernpaten (oben) und Werbemittel von racoon (unten) (Quelle: racoon)

Mobil bin ich mit meinem Fahrrad, welches mit dünnen Holzschildern bestückt ist, auf denen mein Logo eingebrannt wurde. Ich bin Kunde bei einer nachhaltig orientierten Bank, nutze ein Fairphone, habe für eine kleine Kampagne Stofftaschen mit ÖkoTex-Standard verwendet und diese mit wasserbasierter Siebdruckfarbe in einer gemeinnützigen Druckerei um die Ecke fertigen lassen. Meine Website wird in Deutschland von einer Firma, die Climate Partner ist, klimaneutral gehostet.

Für-Gründer.de: Stichwort „Greenwashing“: Kann jedes Unternehmen auf ein nachhaltiges Image umschwenken?

Karina Lauterbach von racoon: Wie das von Außenstehenden wahrgenommen wird, bleibt Betrachtungssache und eine Frage der Authentizität. Solange die Beweggründe jedoch aus ehrlichen Erkenntnissen entstehen und dem entsprechende Taten folgen, warum nicht?

Für-Gründer.de: Welche sind Ihre wichtigsten Tipps für ein ideales Corporate Design?

Karina Lauterbach von racoon: Da möchte ich gern das Interview mit den Worten des anerkannten deutschen Designers Olaf Leu schließen:

Ein Corporate Design lebt, wächst, verändert sich – mit dem Leben, mit der Zeit, auch der Zeit des Unternehmens. Corporate Designs gleichen Gärten: Sie wollen bepflanzt, gepflegt, gestutzt und gejätet werden. Sie leben, wenn sie gut sein sollen.

Ich möchte hier anfügen, dass es bekanntlich für den ersten Eindruck kein zweites Mal gibt, also arbeiten Sie an Ihrem unternehmerischen Äußeren, wie an sich selbst.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview.

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