Crowdfinanzierung im Jahr 2014 und wohin geht die Reise?



Selbstständige, Kreative, Start-ups und Wachstumsunternehmen erhielten von der Crowd im Jahr 2014 knapp 60 Mio. Euro, über die Hälfte davon durch Kredite im Bereich Crowdlending. Während das Crowdfunding letztes Jahr weiter zulegen konnte, rückten beim Crowdinvesting neben der Start-up Finanzierung auch andere Investmentklassen, wie z.B. die Immobilienfinanzierung, in den Fokus. Dies geht aus unserer aktuellen Studie zur Crowdfinanzierung in Deutschland hervor, die wir nachfolgend im Detail vorstellen – unterstützt durch die Kanzlei Dentons.



Die Finanzierung von Projekten, Start-ups und Selbstständigen durch die Crowd – auch Schwarmfinanzierung genannt – erfolgt über verschiedene Modelle. Diese unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf die (vertragliche) Beziehung, die der Unterstützer mit dem Projektinitiator eingeht, und damit eng verbunden im Hinblick auf die Gegenleistung, die durch den Kapitalsuchenden für das zur Verfügung gestellte Kapital erbracht wird. Wir unterscheiden vier Modelle der Crowdfinanzierung: Crowdlending, Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowddonation. Im Rahmen des aktuellen Monitors „Crowdfinanzierung in Deutschland 2014“ beleuchten wir die Jahresergebnisse der ersten drei Crowdfinanzierungsformen.

Crowd-Kredite über 35 Mio. Euro im Jahr 2014

Bei der Kreditvergabe an Selbstständige und Unternehmen waren 2014 in Deutschland u.a. die Plattformen auxmoney, finmar, FundedByMe, smava und Zencap aktiv. Anfang 2015 hat auch die Plattform Lendico, die sich zunächst nur an Privatpersonen richtete, angekündigt, ein Kreditangebot für Selbstständige zu schaffen. Anders als bei den meisten Crowdfunding- und Crowdinvesting-Plattformen sind die Daten zur Kreditvergabe auf den Plattformen jedoch oft nicht transparent dargestellt. Auch auf Nachfrage haben wir teilweise nicht die erforderlichen Daten erhalten.

  • auxmoney hat nach eigenen Angaben im Jahr 2014 28,6 Mio. Euro an Krediten für Selbstständige vermitteln können. Das Kreditvolumen entfiel auf 3.021 Projekte, womit sich eine durchschnittliche Kreditgröße von etwa 9.450 Euro ergibt.
  • Zencap gab an, in Deutschland 6,9 Mio. Euro an 120 Projekte vermittelt zu haben. Dies ergibt im Durchschnitt einen Kredit in Höhe von 57.500 Euro.
  • Für die Plattformen finmar und FundedByMe haben wir ein Volumen von 105.000 Euro ermittelt.

Für smava waren keine Daten verfügbar. Unterm Strich kann man somit von einem Kreditvolumen für Selbstständige und Unternehmen von über 35 Mio. Euro im Jahr 2014 durch Crowdlending ausgehen. auxmoney ist auf Basis der zur Verfügung stehenden Zahlen klarer Marktführer in Deutschland mit einem Anteil von rund 80 %.

Mehr Unterstützung für Kreative und Projekte beim Crowdfunding

Auf deutschen Crowdfunding-Plattformen erreichte das Finanzierungsvolumen im Jahr 2014 8,7 Mio. Euro. Dies ist ein Zuwachs um 61 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der erfolgreich finanzierten Projekte lag 2014 bei 1.058, nach 922 im Jahr zuvor. Das stärkere Wachstum des vermittelten Kapitals resultiert demnach aus einem deutlich höheren durchschnittlichen Finanzierungsvolumen.

Crowdfunding Kapital 2014
Eingesammeltes Kapital per Crowdfunding im Zeitraum

Erfolgreiche Projekte hatten 2014 im Durchschnitt 116 Unterstützer, die jeweils durchschnittlich 71 Euro beisteuerten. Dabei sammelten die Projekte im Durchschnitt 21 % mehr ein, als beim Finanzierungsziel geplant. Insgesamt 26 der 1.058 Projekte konnten mehr als doppelt so viel per Crowdfunding einsammeln, als zum Start der Kampagne ins Auge gefasst wurde.

Im Vergleich zum Jahr 2013 war im Jahr 2014 auch eine zunehmende Größe der erfolgreichen Projekte zu beobachten. 2014 lag das durchschnittliche Finanzierungsvolumen pro Projekt bei 8.243 Euro, nachdem es 2013 lediglich 5.800 Euro betrug. Bereinigt um die Krautreporter-Kampagne, die im zweiten Quartal 2014 erfolgte, ergibt sich trotzdem noch ein deutlicher Sprung des durchschnittlichen Finanzierungsvolumens auf 7.361 Euro.

Die Marktanteile sind unter den deutschen Crowdfunding-Plattformen eindeutig verteilt. Im Zeitraum Januar bis Dezember 2014 vermittelte Startnext 83 % des Kapitals. In Bezug auf die Anzahl erfolgreich finanzierter Projekte steigt der Anteil sogar auf über 89 %. Auf Platz zwei, wenn auch mit deutlichem Abstand, liegt die Plattform VisionBakery.

Für das Jahr 2014 sind wir von einem Volumen von 8 bis 10 Mio. Euro für Crowdfunding in Deutschland ausgegangen. Trotz des schwächeren Startquartals 2014 belief sich das vermittelte Kapital insgesamt auf 8,7 Mio. Euro. Aufgrund der starken Marktkonzentration hängt somit das Marktwachstum im Jahr 2015 ebenfalls maßgeblich von Startnext ab. Im Zuge dessen gehen wir für 2015 von einem moderaten Wachstum aus. Das Finanzierungsvolumen dürfte dann zwischen 10 und 12 Mio. Euro liegen.

Crowdinvesting wird 2014 vielfältiger

Während Start-ups und Wachstumsunternehmen im Jahr 2014 geringfügig weniger Kapital auf den deutschen Crowdinvesting-Plattformen als im Jahr 2013 einsammeln konnten, standen andere Investmentklassen verstärkt im Fokus. Neben der Finanzierung von Start-ups und (jungen) Unternehmen hat zudem ein vielfältigerer Einsatz des Crowdinvestings auch für andere Investitionsvorhaben begonnen. Hierzu gehören in erster Linie Immobilien, grüne bzw. ökologische Projekte sowie seit Kurzem auch die Filmfinanzierung. Dabei handelt es sich sowohl um Plattformen, die sich ausschließlich auf diese Segmente fokussieren, aber auch Plattformen, die die ursprüngliche Start-up-Finanzierung durch neue Anlagesegmente erweitern. Im aktuellen Monitor stellen wir diese Bereiche ebenfalls vor. Allerdings besteht aus unserer Sicht nur eine geringe Vergleichbarkeit der verschiedenen Anlageklassen.

Crowdinvesting 2014 nach Anlageklassen
Crowdinvesting nach Anlageklassen 2014

2014 lag das durch Start-ups- und Wachstumsunternehmen eingesammelte Kapital bei 14,7 Mio. Euro. Im Vorjahr betrug dieser Wert 15 Mio. Euro. Betrachtet wurden dabei nur die im jeweiligen Zeitraum abgeschlossenen Finanzierungsrunden. Die zum Stichtag noch laufenden Finanzierungen werden hingegen herausgerechnet. 2014 konnten insgesamt 57 erfolgreich abgeschlossene Finanzierungen gezählt werden. Im Jahr davor lag diese Zahl bei 66. Insbesondere Innovestment konnte 2014 nicht an die Entwicklung des Jahres 2013 anschließen. Allerdings belief sich am 27. Januar 2015 das Finanzierungsvolumen laufender oder bis dahin abgeschlossener Finanzierungen bereits auf 5,7 Mio. Euro, bei 21 Start-ups. Insofern ist für das erste Quartal von einem dynamischen Start in das Jahr 2015 auszugehen. Im Vorjahr standen von Januar bis März lediglich 3 Mio. Euro zu Buche.

Crowdinvesting Kapital 2014 2015
Eingesammeltes Kapital per Crowdinvesting im Zeitraum

In der Finanzierung von Start-ups und jungen Unternehmen erzielten 2014 die Plattformen Companisto und Seedmatch einen gemeinsamen Marktanteil von 84 %. Seedmatch erreichte 59 %, Companisto 26 %. Der Marktanteil der weiteren zahlreichen Plattformen summierte sich auf 15 %. Nach wie vor weisen die übrigen Plattformen trotz einer in Summe größeren Projektzahl eine deutlich niedrigere Erfolgsquote und ein geringeres durchschnittliches Finanzierungsvolumen auf. Für das noch junge Jahr 2015 ergab sich per 27. Januar eine Verteilung der Marktanteile bei Start-up-Finanzierungen zwischen Seedmatch und Companisto von 55 % zu 34 %.

Gemischtes Resümee zur Crowdfinanzierung 2014

Befragt nach ihrem Fazit zum Jahr 2014 fiel die Bewertung der Plattformen unterschiedlich aus. Companisto konstatierte, im vergangenen Jahr deutlich gewachsen zu sein, „nicht zuletzt durch den großen Erfolg unserer ersten Immobilien-Finanzierung per Crowdinvesting.“ Hier spiegelt sich auch die Erweiterung des Investitionsfokus wider. Eine Ergänzung, die auch bei Bergfürst im Fokus stand: „2014 war für BERGFÜRST ein entscheidendes Jahr. Aus der BERGFÜRST AG wurde die BERGFÜRST Bank AG. Aus Crowdinvesting wurde Neo Investing. Damit sind wir als junges Fintech-Unternehmen in eine andere Liga vorgestoßen und haben den Grundstein für neue Geschäftsfelder gelegt: Mit der erfolgreichen Emission „Das Middendorf-Haus“ konnten wir unser neues Geschäftsfeld „Immobilien-Beteiligungen“ erfolgreich einführen.“

Für Innovestment hingegen war 2014 ein herausforderndes Jahr. „Wir haben nicht nur einen kompletten Gesellschafterwechsel vollzogen, sondern auch viel Zeit und Geld in ein neues, ausgewogenes Beteiligungsmodell investiert.“ Und die Auswirkungen des angekündigten Kleinanlegerschutzgesetz hat die Plattform Fundsters schon jetzt zu spüren bekommen: „Die erste Hälfte des Jahres 2014 war geschäftlich gesehen für uns wirklich gut. In der zweiten Jahreshälfte war die Verunsicherung am Markt auch für uns deutlich zu spüren.“

Eine konkrete Prognose zur Marktentwicklung für die Finanzierung von Start-ups und Wachstumsunternehmen durch Crowdinvesting für das Gesamtjahr 2015 ist derzeit also schwierig. Zwar deutet das diesjährige Finanzierungsvolumen in Höhe von 5,7 Mio. Euro (Stand 27. Januar 2015) auf einen schwungvollen Jahresauftakt hin. Die Verabschiedung des Kleinanlegerschutzgesetzes dürfte die allgemeine Entwicklung jedoch zunächst deutlich bremsen. Dabei kommt das letzte Wort noch nicht mal aus Deutschland. Auch auf europäischer Ebene drohen Einschnitte. Welche weiteren Steine der deutschen Crowdfinanzierung noch in den Weg gelegt werden, führt Robert Michels von der Kanzlei Dentons aus:

Die European Securities and Markets Authority (ESMA) hat im Dezember mit zwei „Arbeitspapieren“ unmissverständlich angekündigt, dass vor dem Hintergrund des Anlegerschutzes zukünftig mit einer europaweiten Regelung zu rechnen ist. Dabei gehe ich anhand der entsprechenden Ausführungen sowie bisheriger Erfahrungen mit ESMA davon aus, dass diese Regulierung noch deutlich über den derzeitigen Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes hinausgehen wird.

Das vollständige Interview zur Regulierung finden Sie in der Publikation: Crowdfinanzierung in Deutschland.

So hängt es also davon ab, wie schnell die Plattformen die bevorstehenden Anforderungen umsetzen können. Doch insbesondere die zuletzt kontinuierlich größer gewordenen Finanzierungsrunden dürften wesentlich durch die Neuregelungen eingeschränkt werden. Insofern gehen wir bestenfalls von einem moderaten Wachstum bei der Start-up-Finanzierung auf 17 bis 20 Mio. Euro im Jahr 2015 aus.

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