Karlsruher Initiative fördert Hochschulgründer



Wie man aus Spitzenforschung die Spitzenunternehmen der Zukunft schmiedet, zeigt das Karlsruher Institut für Technologie. Die EXIST-Gründerhochschule betreibt ein ausdifferenziertes Förderprogramm, das von der Lehre bis hin zum eigenen Investmentfonds die vielfältigen Bedürfnisse von Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern abdeckt. Jens Fahrenberg, Projektleiter der KIT Gründerschmiede, spricht im Interview über seine Erfahrung aus dem Programm und stellt die einzelnen Säulen vor.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Dr. Fahrenberg, Sie sind von der KIT Gründerschmiede – was verbirgt sich dahinter und wie sind Sie zum Thema Entrepreneurship gekommen?  

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: Die Gründerschmiede ist eine Initiative des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), die unter anderem im Rahmen des EXIST-IV-Programms Gründungskultur des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Hier werden unter einem Dach alle Aktivitäten rund um die Themen Gründung und Entrepreneurship am KIT gebündelt, um gemeinsam mehr Wirkung zu erzielen.

Wir verstehen die KIT-Gründerschmiede dabei als Dachmarke und erste Kontaktstelle, um im KIT mit rund 9.000 Beschäftigten und 25.000 Studierenden besser auf die vielfältigen Angebote, Plattformen und Hochschulgruppen hinzuweisen, aber auch um neue Konzepte zu entwickeln, die dann teamübergreifend umgesetzt werden.

Ich selbst bin mit meinem Team seit über 10 Jahren für den Technologietransfer am KIT verantwortlich. Neben Themen wie unter anderem Patente und Lizenzen gehört hier auch das Thema Gründungen dazu, für das ich im Laufe der Jahre eine Leidenschaft entwickelt habe. So war ich unter anderem auch Geschäftsführer der ersten regionalen Gründerinitiative. Gegenwärtig bin ich einer der beiden Projektleiter der Gründerschmiede und einer der Sprecher der denkFABRIK, einer Initiative der 22 innerhalb von EXIST-IV-geförderten Hochschulen in Deutschland.

Dr. Jens Fahrenberg, Projektleiter der Gründerschmiede und Leiter Innovationsmanagement am KIT
Dr. Jens Fahrenberg, Projektleiter der Gründerschmiede und Leiter Innovationsmanagement am KIT

Für-Gründer.de: Welche Unterstützungsleistungen bietet die KIT-Gründerschmiede im Detail und für wen?

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: Wir haben uns am KIT an den verschiedenen Entwicklungsstationen eines neuen Unternehmens orientiert und diese unter dem Motto Deines Glückes Schmied zu unserem Leitbild genommen. Unsere Angebote und über die Jahre gesammelten Erfahrungen haben wir dann auf unserer neuen Internetseite und im ersten Gründerguide des KIT zusammengestellt. Diese Inhalte sind unsere Basis und Ausgangspunkt zugleich, auf denen wir uns stetig weiterentwickeln.

Der Weg beginnt für uns mit

  • der Orientierung der Gründungsinteressierten, inwieweit das Thema überhaupt eine Option für den eigenen Lebensweg ist oder sein kann.
  • Im nächsten Schritt geht es um die Fokussierung, also die Konkretisierung einer Geschäftsidee zur eigenen Bestandsaufnahme und Einschätzung der Chancen und Risiken.
  • Danach geht es um die weitere Ausarbeitung, also die Entwicklung einer ersten Geschäfts- und Umsetzungsplanung.
  • Die beiden letzten Schritte widmen sich den Aspekten rund um die Finanzierung bzw. die eigentliche Gründung und den dann folgenden Herausforderungen wie z.B. rechtlichen Voraussetzungen.

Entlang dieser fünf Stationen bieten wir allen Gründungsinteressierten und Gründern ausgewählte Beratungsleistungen und Angebote, beispielsweise Zugang zu erfahrenen Gründern und Mentoren, Workshops und Veranstaltungen und vieles mehr. Eine Besonderheit kommt bei Gründungen aus dem wissenschaftlichen Bereich hinzu, hier beraten wir rund um Fragen zur Patentierung und Voraussetzungen zur Nutzung von neuesten Forschungsergebnissen durch das Unternehmen.

Für-Gründer.de: Mit upCAT gehört ja auch ein Accelerator mit zum Angebot – wie arbeitet der Accelerator? Und wie kann man sich bewerben?

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: Der upCAT Start-up Catalyst ist ein 12-wöchiges Intensivprogramm für jeweils 5 Teams pro Kohorte. Diese werden im Programm durch erfahrene KIT-Professoren und Gründercoaches betreut. Sie erhalten dabei theoretische und praktische Vorbereitung auf die Gründung. Die teilnehmenden Teams entwickeln ihre Geschäftsidee zum ausgereiften Geschäftsmodell weiter. upCAT wirkt sozusagen als Beschleuniger für Gründungsinitiativen. Der Höhepunkt des Programms ist schließlich das Pitching vor potenziellen Investoren. Der upCAT wird am Lehrstuhl für Entrepreneurship und Technologiemanagement von Professor Orestis Terzidis organisiert, er ist der zweite Projektleiter der Gründerschmiede.

Für-Gründer.de: Was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Baustellen bei der Gründung aus Forschung und Wissenschaft?

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: Für mich gibt es insbesondere zwei Themen, die oft unterschätzt werden. Zum einen das Management:

Nicht jeder exzellente Forscher ist auch ein guter CEO oder CFO. So muss man sich früh selbst hinterfragen und überlegen, wie man sich organisiert und wer gegebenenfalls im Team fehlt.

Zum anderen wird das Thema Schutzrechte oft ausgeblendet. Ich war in vielen Finanzierungsrunden involviert in denen Investoren grundsätzlich großen Wert auf einen vorhandenen Schutz der Technologie gelegt haben. Das KIT engagiert sich hier sehr stark, um Forschungsergebnisse häufiger über eine Gründung wirtschaftlich umzusetzen. Hierzu gehört aber nicht nur die Beratung in Patentangelegenheiten, sondern auch der Einsatz von eigenen Mitteln aus dem KIT-Innovationsfonds oder Räume im eigenen Inkubator. An ausgewählten technologiebasierten Gründungen beteiligt sich das KIT als Gesellschafter, um dem Team eine verlässliche und langfristige Unterstützung zu geben.

Für-Gründer.de: Können Sie uns einige Erfolgsgeschichten aus dem Umfeld des KIT nennen?

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: Da möchte ich drei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit nennen. Zum einen die cynora GmbH im Bereich der Optoelektronik, die nach mehreren Jahren im KIT-Inkubator nun aufgrund ihrer Größe und ihres Erfolgs ausgezogen ist. Das Unternehmen wurde auf der renommierten Falling Walls Conference in Berlin als „Science Start-up of the Year 2013“ ausgezeichnet.

Ebenfalls möchte ich die amcure GmbH erwähnen, die im Bereich der Medikamentenentwicklung zur Behandlung von Krebs arbeitet und an der das KIT auch beteiligt ist. Hier konnten wir kürzlich eine Finanzierungsrunde über mehrere Millionen Euro abschließen. Genauso wichtig sind uns aber auch die Unternehmen, die aus dem studentischen Umfeld kommen. Erst kürzlich konnte die Restube GmbH den ersten Platz beim CyberOne belegen, dem größten Businessplanwettbewerb im Südwesten Deutschlands. Für uns ist es aber auch ein Erfolg, wenn Einzelpersonen und Teams diesen Weg in die Selbstständigkeit gehen wollen und Ihre Chance suchen.

Bereits der Mut es zu versuchen zählt und sollte mit Respekt und Wertschätzung bedacht werden.

Für-Gründer.de: Sie führen auch eine Reihe an Events durch – unter andrem fand Anfang Juli das KIT Venture Fest statt – wie war die Resonanz und was stand an diesem Tag im Fokus? 

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: Wir wollen jeweils einen ganzen Tag im Jahr den Themen Gründen, Entrepreneurship und Innovation widmen. Damit möchten wir zum einen alle Beschäftigten und Studierenden stärker für diese Werte sensibilisieren und unsere Dienstleistungen vorstellen, zum anderen wollen wir aber auch externe Zielgruppen wie Risikokapitalgeber und Netzwerkpartner an das KIT heranführen und auf die vorhandenen Potenziale aufmerksam machen.

Impression vom KIT Venture Fest Juli 2014
Impression vom KIT Venture Fest Juli 2014 in Karlsruhe

Beim ersten KIT Venture Fest haben rund 650 Teilnehmer teilgenommen. Beginnend mit einem Venture Breakfast für Investoren und ausgewählte Gründungen mit dem KIT-Präsidenten, über verschiedenste Vorträge und Seminare bis zu einer abendlichen Podiumsdiskussion und Barbecue konnten unsere Gäste das Gründerumfeld am KIT kennenlernen und miterleben. Die Resonanz war einstimmig: Bitte nächstes Jahr wieder.

Für-Gründer.de: Auf welche weiteren Veranstaltungen können sich angehende Gründer bei Ihnen freuen?

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: Es gibt eigentlich fast wöchentlich Veranstaltungen am KIT aber auch im Umfeld – in Karlsruhe ist einiges in Bewegung. Hier möchte ich eigentlich nur auf die Veranstaltungskalender der Gründerschmiede und ergänzend des Cyberforums in Karlsruhe aufmerksam machen, die einen sehr guten Überblick bieten.

Für-Gründer.de: EXIST ist natürlich auch ein wichtiges Thema bei der Gründung aus der Hochschule – wie ist das Programm bei Ihnen aufgehängt und wie stark wird es genutzt?

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: EXIST ist seit über 10 Jahren eine wesentliche Finanzierungssäule, sowohl für die Entwicklung des KIT allgemein als auch für viele Teams, die entweder das Gründerstipendium oder den Forschungstransfer beantragen. Beim Ersteren sind wir bezüglich der Anträge und Bewilligungen in der Spitzengruppe in Deutschland, beim Zweiten werden wir in Zukunft noch eine Schippe drauflegen.

Für-Gründer.de: Wie beurteilen Sie allgemein die Situation von Entrepreneurship an deutschen Hochschulen und wo gibt es Ihrer Meinung nach noch Potenzial?

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: Ich sehe gerade im Vergleich mit Nordamerika und Asien, dass das unternehmerische Denken und Handeln noch viel stärker in den deutschen Hochschulen einziehen muss. Wir sind hier noch sehr wissensorientiert unterwegs und müssen uns verbessern, daraus auch konkrete Werte zu schaffen, um unseren Wirtschaftsstandort zu stärken. Aus diesem Grund bauen wir am KIT zum einen die Entrepreneurship Lehre aus, zum anderen kommunizieren wir die Erfolge sehr viel stärker, um weiteren Personen – ob Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern oder Professoren – Mut zu machen, diesen Weg ebenfalls zu gehen.

Gründer sollten weniger Exoten sondern mehr Helden sein, auf denen ein Teil unseres zukünftigen Wohlstands ruht.

Für-Gründer.de: Was sind Ihre wichtigsten Tipps für Start-ups auf dem Weg zum Erfolg?

Jens Fahrenberg, Gründerschmiede KIT: 

1. Fragen, fragen, fragen: Es gibt Erfahrungen sowohl in der eigenen Einrichtung, als auch in Netzwerken und insbesondere bei anderen Gründern. Viele Probleme und Fehler kann man vermeiden und zudem auch noch schneller sein, wenn man Kontakt sucht und sich austauscht.

2. Auf das Team kommt es an: Es gilt unterschiedliche Kompetenzen und Verantwortungen abzubilden. Schaut früh wer was macht und ergänzt gegebenenfalls das Team um die Fähigkeiten, die fehlen.

3. Der Kunde ist König: Technologien interessieren keinen, es geht um den Customers Pain, um Lösungen und Nutzen für den Kunden. Ist dein Produkt besser, schneller, billiger? Was kann es was andere nicht können? Hast Du den Markt ausreichend analysiert?

4. Scheitern als Chance: Nur aus Fehlern kann man lernen und sich entwickeln, es gilt die Devise, einmal mehr aufzustehen, als hinzufallen.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview.

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