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US-Crowdfunding-Plattform Indiegogo: „Go“ für Deutschland



Die US-Crowdfunding-Plattform Indiegogo ging in Deutschland gleich mit zwei Dependancen an den Start. Sven Hock (München) und Konrad Lauten (Berlin) kümmern sich von nun an um die Belange hiesiger Projektstarter. Für-Gründer.de traf vor einiger Zeit Liz Wald, Head of International bei Indiegogo, Konrad Lauten, Sven Hock und UK-Mitarbeiterin Anastasia Emmanuel in Berlin. Ziel: mehr erfahren!



Für-Gründer.de: Hallo Konrad, hallo Sven, würdet ihr euch bitte kurz vorstellen und erzählen, was es mit dem Wurzelschlag Indiegogos in Deutschland auf sich hat?

Konrad Lauten von Indiegogo: Mein Lebenslauf hat mich von der Kindheit in der DDR über eine großartige Wendezeit in Berlin zu den vielen Möglichkeiten der 90er und 00er Jahre gebracht. Zwischen Einzelhandel, Barbetrieb, Eventorganisation, Plattenlabel, Zeltbau, Club, Catering und Restaurant ist immer viel Platz für eigene Entwicklungen und gemeinsamen Finanzierungen gewesen. Daraus das Konzept Crowdfunding zu entwickeln, war eine logische Schlussfolgerung, daraus wurde dann Inkubato.

Sven Hock von Indiegogo: 2008 habe ich die Innovation Partners GmbH gegründet und seitdem zahlreiche Firmen im Bereich Strategie, Wachstum und Marketing beraten und auch diverse Start-ups mitgegründet. Im Rahmen der Advisory-Tätigkeit für den CEO von Kingston kam ich mit diversen Crowdfunding-Projekten in Berührung und bin seitdem fasziniert von dieser neuen Art der Finanzierungsmöglichkeit.

Deutschland ist für Indiegogo ein sehr wichtiger Markt – der größte außerhalb der angelsäschischen Länder. Jetzt mit uns beiden Mitarbeiter vor Ort zu haben, um die wachsende Community in Deutschland zu betreuen, ist also ein logischer Schritt.

www.indiegogo.com
Mit einem neuen Webdesign optimierte Indiegogo u.a. die Benutzeroberfläche auf Smartphones und Tablets

Für-Gründer.de: Indiegogos Botschaft lautet, Crowdfunding demokratisieren zu wollen. Was ist damit gemeint und wie wird es umgesetzt?

Konrad Lauten von Indiegogo: Als Danae Ringelmann, Slava Rubin und Eric Schell Indiegogo vor sechs Jahren gegründet haben, ging es ihnen darum, eine Möglichkeit zu schaffen, mit der jeder auf der Welt seine Träume finanzieren kann. Deshalb sollte die Plattform so offen, global und flexibel wie möglich gestaltet werden.

Bei Indiegogo kann jeder von überall auf der Welt sein Projekt einstellen, es gibt keinen Bewerbungsprozess und die Kampagnen-Initiatoren haben die Möglichkeit, einen „flexiblen Zielbetrag“ zu wählen, so dass sie alles eingesammelte Geld erhalten, nicht erst, wenn das Finanzierungsziel zu 100 % erreicht wurde.

Für-Gründer.de: Auf welche Weise werdet ihr deutsche Projektstarter beraten und unterstützen? Und von wo aus werdet ihr euch um die Belange deutscher Projektstarter kümmern?

Sven Hock von Indiegogo: Wir werden dort sein, wo die Campaigner sind und Unterstützung brauchen – in verschiedenen Coworking Spaces und bei Acceleratoren: im Betahaus, bei Microsoft Ventures, bei Wayra oder Hub:raum. Dort unterstützen wir alle, die darüber nachdenken, ihren Traum per Crowdfunding zu finanzieren, mit Rat und Tat, geben Tipps und stellen Kontakte her. Außerdem ist es unsere Aufgabe, neue Projekte zu identifizieren, für die es in Frage kommt, per Crowdfunding Unterstützer zu suchen.

Für-Gründer.de: Warum Berlin? Warum München?

Sven Hock von Indiegogo: In München gibt es neben einer wachsenden Start-up-Szene viele institutionelle Anleger, Venture-Capital– und Technologiefirmen. Dort treffen wir auf starke Partner, mit denen wir neue Projekte ausprobieren und junge Unternehmer inspirieren wollen.

Konrad Lauten von Indiegogo: Berlin als Start-up-Hauptstadt Deutschlands, manche sagen Europas, erfindet sich ständig neu – das ist genau der Spirit, um den es auch bei Indiegogo geht. Ich selbst bin seit Jahren Teil der Kreativ- und Crowdfundingbranche der Stadt, kenne und berate viele Gründer.

Für-Gründer.de: Es gibt auch Dependancen in Australien, dem UK, Kanada oder Brasilien. Seid ihr Konkurrenten oder eine große Indiegogo-Familie? Wie wird der Austausch zwischen den Ländern und Kontinenten gefördert?

Konrad Lauten von Indiegogo: Indiegogo ist bekannt für seine offene, ehrliche und kooperative Unternehmenskultur. Da helfen sich die Länderteams gegenseitig und stehen nicht in Konkurrenz zueinander.

Konrad Lauten von Indiegogo
Konrad Lauten kümmert sich von Berlin aus um die Vorhaben deutscher Projektstarter

Für-Gründer.de: Indiegogo ist nicht die einzige Crowdfunding-Plattform in Deutschland. Was macht sie im Vergleich zu den anderen Plattformen aus?

Sven Hock von Indiegogo: Stimmt, seit Indiegogo im Januar 2008 gestartet ist, sind international mehr als 1.000 Crowdfunding-Plattformen entstanden. Für die Gründer von Indiegogo ist es besonders erfüllend zu sehen, wie sich die Idee von Crowdfunding entwickelt und in der kurzen Zeit weltweit neue Zugänge zu Kapital eröffnet hat. Indiegogo ist die weltgrößte und am schnellsten wachsende Crowdfunding-Plattform. Wer mit seiner Idee also eine globale Öffentlichkeit erreichen möchte und gleichzeitig möglichst flexibel bleiben will, ist gut beraten, auf Indiegogo zu setzen.

Für-Gründer.de: Welche Vorteile bietet Indiegogo insbesondere für Start-ups, die sich für ein Funding auf der Plattform entscheiden?

Konrad Lauten von Indiegogo: Die globale Reichweite macht Indiegogo zur idealen Plattform, um sein Produkt zu testen und zu schauen, wie der internationale Markt darauf reagiert. Die Offenheit von Indiegogo, ohne komplizierten Bewerbungs- oder Prüfungsprozess, spricht auch ungewöhnliche Projektideen an.

Und die Möglichkeit, per „flexiblem Zielbetrag“ direkt alle Beiträge der Unterstützer zu bekommen und nicht erst bei kompletter Zielerfüllung, passt für alle diejenigen, die ihr Projekt auch mit weniger Geld umsetzen können, z. B. ein Musik-Album, das halt mit weniger Liedern auskommen muss.

Für-Gründer.de: Was ist für euch persönlich das Besondere am Crowdfunding?

Sven Hock von Indiegogo: Crowdfunding ist eine neuartige, innovative Art mit einer überzeugenden Idee an Kapital zu kommen und von heute auf morgen etwas Neues zu starten. Nie zuvor war der Zugang zu Kapital so demokratisch.

Konrad Lauten von Indiegogo:

Von großen Finanzinstituten oder dem persönlichen Gutdünken eines Bankangestellten unabhängig zu sein, ist sicher eine der verlockendsten Folgen des Crowdfundings. Darüber hinaus ist Crowdfunding aber auch die günstigste und ehrlichste Form, direktes Feedback auf seine Projektideen zu bekommen.

Selbst wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wird, bekommen Entwickler eines Produktes über eine Crowdfunding-Kampagne eine genaue Vorstellung davon, welches Marktpotenzial in der Idee steckt und an wen sie es zu welchem Preis verkaufen können.

Sven Hock von Indiegogo
Sven Hock vertritt die zweite Indiegogo-Dependance in München

Crowdfunding ist vielen Deutschen immer noch unbekannt. Wie könnte man eurer Meinung nach den Bekanntheitsgrad steigern?

Konrad Lauten von Indiegogo:

Noch mehr erfolgreiche öffentlichkeitswirksame Projekte sind sicher die beste Werbung.

Für-Gründer.de: Habt ihr derzeit ein deutsches Lieblingsprojekt?

Sven Hock von Indiegogo: Mein Lieblingsprojekt ist die gerade beendete Kampagne von TinkerBots. Mit 290.505 US-Dollar hat das Team aus Berlin das Dreifache ihres Finanzierungszieles erreicht. Sie waren so erfolgreich, weil sie von Anfang an auf eine internationale Öffentlichkeit gesetzt haben, viele verschiedene preislich gestaffelte Perks (= „Dankeschöns“ für ihre Unterstützer) angeboten haben – und weil sie natürlich tolle Prototypen ihres Produkts vorzeigen konnten. TinkerBots sind bunte Bauklötzchen, aus denen sich Roboter, Kräne oder Tiere basteln lassen.

TinkerBots von Kinematcs
Die TinkerBots von Kinematics

Konrad Lauten von Indiegogo: Ein beeindruckendes Beispiel ist die Kampagne von Panono, mit 1.250.028 US-Dollar die bisher größte Indiegogo-Kampagne in Europa. Jonas Pfeil und sein Team haben sehr viel Arbeit und Leidenschaft in ihr Projekt gesteckt. Panono ist eine Ball-Kamera, die man in die Luft wirft, wo sie am höchsten Punkt 360-Grad-Fotos schießt. Das Produkt ist klasse, innovativ und außergewöhnlich – genau das richtige für Indiegogo.

Für-Gründer.de: Konrad, du hast Inkubato mitbegründet. Was wird aus der Plattform?

Konrad Lauten von Indiegogo: Ich habe die letzten Jahre viel Energie für Inkubato gegeben, sehr viel dabei gelernt und erfahren und bin sehr froh, so früh das Konzept Crowdfunding mit geprägt haben zu können. Nun ist es Zeit für einen neuen Geschäftsführer, der das Konzept überarbeitet und wichtige Aspekte neu definiert. Es wird immer Nischen für Plattformen geben, sie müssen nur besetzt werden.

Für-Gründer.de: Und zum Schluss eine praktische Frage: Welche Tipps gebt ihr Projektstartern, damit das Funding gelingt?

Sven Hock von Indiegogo: Zunächst ist es für alle, die auf Indiegogo eine Kampagne starten möchten, sinnvoll, den „Indiegogo Field Guide“ genau zu studieren. Darin werden schon eine Reihe wichtiger Fragen beantwortet. Die Statistik zeigt außerdem, dass Kampagnen mit einem Video deutlich erfolgreicher sind.

Wir raten daher vor allem dazu, ein gutes, emotionales und persönliches Video zu drehen. Es sollte nicht zu lang sein und in aller Kürze erklären, worum es geht.

Was die Perks angeht, also die „Belohnungen“ für Unterstützer der Kampagne, sollten preislich gestaffelte Varianten angeboten werden – von dem kleinen Dankeschön für fünf Euro bis zum hochpreisigen Exklusiv-Perk für ganz besondere Unterstützer.

Für-Gründer.de: Vielen Dank euch beiden für das Gespräch und viel Erfolg!

Indiegogo Logo

Weitere Informationen rund um das Thema Crowdfunding sowie weitere Crowdfunding-Plattformen in Deutschland finden Sie auf Für-Gründer.de.

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