Mit der Lockbox keine gelben Zettel mehr im Briefkasten



Sobald die Ware online bestellt ist, beginnt das Warten auf den Briefträger – nur liefert der meistens, wenn gerade keiner zu hause ist. Und dann müssen wir die Bestellung abholen. Liegt die Lieferung bei der Post, muss man sich an deren Öffnungszeiten halten, liegt sie beim Nachbarn, ist der meist im Urlaub. Die Lockbox soll dagegen Abhilfe schaffen. Erfahren Sie mehr im Interview mit Daniel Kraker von Schwarzenfeld, Co-Founder von Lockbox.

*Dieser Artikel wurde am 1. Juni 2018 aktualisiert (Kontaktdaten des Unternehmens geändert).

Für-Gründer.de: Hallo Herr Kraker von Schwarzenfeld, was ist die Lockbox und wie funktioniert sie? 

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox: Die Lockbox ist im Prinzip die private Packstation für die Wohnungstür. Als Kunde habe ich einen U-förmigen Metallanker, den ich unter die Tür schiebe. Ich lasse meinen eigenen Anker einfach immer dort, dann kann ich ihn auch nicht vergessen. Jetzt kann ich in jedem Online-Shop bestellen, der mit DPD verschickt oder bei unserem Premium-Partner Kochzauber.

Ich schreibe dann einfach die Kundennummer und das Wort „Lockbox“ vor den Straßennamen. Meine Bestellung wird mir dann in einer speziellen Liefer-Box zugestellt. Das Gute dabei: Ich muss selbst nicht zu Hause sein, wenn die Lieferung kommt. Das Lösen und Öffnen der Box funktioniert dann über das Öffnen der Wohnungstür, was bedeutet, dass ich keine zusätzlichen Schlüssel brauche.

Für-Gründer.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Und was haben Sie eigentlich vor der Lockbox gemacht?

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox: Die Idee kommt von Thomas, der sich immer wieder darüber ärgern musste, dass statt der Sendung nur ein gelber Zettel an der Tür klebte. Besonders nervig war es immer dann, wenn er Lebensmittel bestellt hatte. Dabei muss ja ein Zeitfenster vereinbart werden. Das bedeutet: Wenn man nicht da ist, kann nicht zugestellt werden. Das ist für den Fahrer sowie den Kunden gleichermaßen einfach anstrengend.

Ich selbst bin BWLer und habe in Cottbus und an der CSU Fullerton in Kalifornien studiert. Inzwischen bin ich ja schon etwas mehr als ein Jahr bei Lockbox und habe mein Studium nebenher abgeschlossen.

Daniel Kraker von Schwarzenfeld von der Firma Lockbox
Daniel Kraker von Schwarzenfeld – Gründung von Lockbox während des Studiums.

Für-Gründer.de: Wir haben die Lockbox ja bereits im letzten Jahr auf der NEOCOM gesehen – was hat sich seitdem getan?

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox: Es hat sich einiges getan. Zwar nicht in technischer Hinsicht, aber dafür im Geschäftlichen. Wir führen seit Anfang April einen Testlauf mit Kochzauber durch und haben seit dem 28.04. auch DPD für einen Testlauf in einem begrenzten Gebiet gewinnen können. Es kommen immer mehr Shops und Endkunden auf uns zu, die das Lockbox-System nutzen wollen.

Für-Gründer.de: Wie verläuft die Testphase bisher und wie machen Sie Werbung für die hilfreiche Box?

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox: Aktuell testen wir mit Kochzauber sowie DPD und sind mit den Ergebnissen bisher sehr zufrieden. Werbung werden wir in Kürze direkt machen, da das erste DPD-Testgebiet dafür noch zu klein ist.

Für die Kochzauber-Lieferungen sind wir allerdings schon in ganz Berlin unterwegs. Hier kriegen die Kochzauber-Kunden in Berlin direkt Informationen dazu, wie sie unser System bei ihrer Bestellung nutzen können. Wenn die ersten Testrunden abgeschlossen sind, werden wir dann in die Offensive gehen und verstärkt Endkunden werben.

Für-Gründer.de: Wie sieht das Geschäftsmodell hinter der Box aus? Wer kauft die Box – Kunde oder Händler?

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox:

Die Box bleibt in unserem Eigentum und wird nur für den Transport und die Absicherung der Lieferung verwendet. Wir bieten die Systemkomponenten zur Nutzung an. Dabei ist entscheidend, ob der Endkunde bei einem Premium-Partner bestellt oder in irgendeinem Shop, der über DPD versendet.

Premium Partner übernehmen in der Regel die Liefergebühr, während die anderen Shops meistens noch nichts von uns wissen, so dass die Kunden die Zusatzgebühr selbst übernehmen müssen.

Mit der Lockbox sind lästige Abholtouren bei Pack- und Poststationen Vergangenheit.
Mit der Lockbox gehören lästige Abholtouren bei Pack- und Poststationen der Vergangenheit an.

Für-Gründer.de: Oft scheitert der Paketdienst ja bereits an der Hauseingangstür – also noch bevor er die Box befüllen kann, oder sehe ich das falsch?

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox: Tatsächlich kommt man in erstaunlich viele Hausflure rein, wenn man mit einer Lieferung unterwegs ist. Im Testlauf hatten wir bisher noch keine Probleme. Wir wissen aber aus früheren Versuchen, dass es durchaus vorkommen kann. Da wir aber nicht an Zeitfenster gebunden sind, ist es kein Problem, es später nochmals zu versuchen. Am Folgetag klappt es mit einer Sicherheit von fast 100 Prozent.

Für-Gründer.de: Ist die Box bzw. der Inhalt versichert, wenn die Ware dann vor der Tür abgeliefert wurde?

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox: Der Gefahrenübergang auf den Empfänger erfolgt zum Zeitpunkt der Abstellung. Eine Zusatzversicherung bieten wir momentan noch nicht an. Allerdings ist das Diebstahlrisiko sehr gering. Die Boxen stehen immerhin im Hausflur, ich kann also von außen nicht sehen, ob eine Box in dem Haus steht oder nicht.

Zudem kann ich nie wissen, was in der Box ist. Sollte es ein Smartphone sein, dann hätte ich als Dieb natürlich Glück, aber in der Regel handelt es sich um Ware, mit der die Diebe nichts anfangen können, wie Lebensmittel oder High Heels in Größe 37.

Für-Gründer.de: Der Mechanismus für die Lockbox ist, wenn man drauf gekommen ist, recht simpel – also auch leicht für Wettbewerber zu kopieren, oder?

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox: Technisch wäre es leicht zu kopieren. Allerdings ist das Prinzip zum Patent angemeldet, so dass ein sehr schmaler rechtlicher Korridor durch unsere Anmeldung ausgefüllt wird. Alternativen würden mit unserer Anmeldung fast unweigerlich in Konflikt geraten.

Für-Gründer.de: Stichwort Finanzierung: wie haben Sie Lockbox bisher finanziert und sind Sie auf der Suche nach einem Investor?

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox:

Derzeit sind wir mit eigenen Mitteln finanziert und kommen auf diesem Wege auch weiter. Allerdings wollen wir nach unserem Test schnell wachsen und suchen daher nach einem Investor für unsere Wachstumsfinanzierung.

Für-Gründer.de: Was sind die Schritte in den nächsten Monaten für Lockbox?

Daniel Kraker von Schwarzfeld von Lockbox: Wir werden den Testlauf abschließen und dann weiter expandieren. Es stehen jetzt viele Gespräche mit Kooperationspartnern von Seiten der Shops und der Logistik an. Wir wollen noch dieses Jahr in die nächsten Städte expandieren und hoffentlich bald auch deutschlandweit ausliefern.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!