KfW Gründungsmonitor 2014: mehr Gründer oder doch nicht?



Jedes Jahr mit Spannung erwartet: der KfW Gründungsmonitor. Die Botschaft, die der KfW Gründungsmonitor 2014 vermitteln möchte, lautet: es gibt wieder mehr Gründer im Land. Zur Erinnerung: im Vorjahr wurde ein neuer Tiefststand erreicht. Nummerisch mag die Zahl von 868.000 Gründern im Jahr 2013 einen Zuwachs ggü. 2012 bedeuten. Doch leider stieg nur die Zahl der Gründer im Nebenerwerb – die Anzahl der Vollzeitgründer sank hingegen weiter.



Der KfW Gründungsmonitor 2014 spricht für 2013 von einer Wiederbelebung des Gründungsgeschehens durch einen Impuls aus dem Nebenerwerb. Ob dieser Effekt nachhaltig sein wird, stellt sich jedoch erst in Zukunft heraus – nämlich dann, wenn die Nebenerwerbsgründer auch Vollzeit durchstarten. 2013 zählten die Statistiker 868.000 Gründer in Deutschland, nach 775.000 im Jahr 2012. Damit wurde auch das Niveau von 2011 geringfügig übertroffen. Für den Anstieg der Gesamtzahl war jedoch ausschließlich der Trend zu einer verstärkten nebenberuflichen Selbstständigkeit verantwortlich. Vollerwerbsgründer waren weiterhin auf dem Rückzug, wie die folgenden Zahlen aus dem KfW Gründungsmonitor zeigen:

  • Gründer im Nebenerwerb: 562.000 im Jahr 2013 nach 460.000 im Jahr zuvor
  • Gründer im Vollerwerb: 306.000 im Jahr 2013 nach 316.000 im Jahr zuvor

Damit macht die nebenberufliche Selbstständigkeit einen Anteil von knapp 65 % am Gründungsgeschehen aus. Was bedeutet also die im Umkehrschluss historisch niedrige Quote von 35 % Vollzeitgründern? Dies läßt der KfW Gründungsmonitor 2014 leider offen. Sicherlich sind Gründungen im Nebenerwerb zu begrüßen und bieten für viele Gründer die Möglichkeit ihre Geschäftsidee zunächst mit geringerem Risiko im Markt zu testen. Doch sollten auf der anderen Seite eine zusätzliche Arbeitsbelastung sowie eine längere Anlaufphase berücksichtigt werden. Die entscheidende Frage ist, wie hoch der Anteil der Personen sein wird, die ihre Geschäftstätigkeit aus dem Nebenerwerb tatsächlich ausweiten werden. Nur dann kann tatsächlich von einer nachhaltigen Belebung des Gründungsgeschehens gesprochen werden.

Die nachfolgende Grafik zeigt den den Trend bei den Gründungen in Deutschland:

Gruender KfW Gruendungsmonitor 2014
Gründungsgeschehen in Deutschland (Quelle: Zahlen aus dem KfW Gründungsmonitor)

Der KfW Gründungsmonitor 2014 im Detail

Bedingt durch den Zuwachs an Nebenerwerbsgründungen stieg die Gründerquote auf 1,67 %, nach dem Tiefstwert von 1,5 % im Vorjahr. Eine deutlich überdurchschnittliche Gründerquote weisen im KfW Gründungsmonitor 2014 die Stadtstaaten Berlin und Hamburg sowie das Bundesland Rheinland-Pfalz auf. Es folgen die Bundesländer Hessen, der Stadtstaat Bremen und das Land Schleswig-Holstein. Schlusslichter im Ranking sind Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt als Gründungsmuffel der Republik.

Mehr Arbeitsplätze durch Gründer

Im Vergleich zu 2012 fiel der Bruttobeschäftigungseffekt durch Existenzgründer im Jahr 2013 wieder größer aus: 419.000 versus 386.000. Der Wert lag jedoch noch deutlich unter dem Niveau von 2011 (450.000). Die von Existenzgründern neu geschaffenen Stellen beliefen sich 2013 auf 203.000, ein Plus um 17 % ggü. Vorjahr.

In welchen Branchen wird gegründet?

Bei den Branchen, in denen Existenzgründern den Weg in die Selbstständigkeit wagen, gibt es im KfW Gründungsmonitor 2014 folgende Verteilung der Top 4:

  • 31 % wirtschaftliche Dienstleistungen
  • 30 % persönliche Dienstleistungen
  • 16 % Handel
  • 7 % verarbeitendes Gewerbe

Weniger Gründungen im Rahmen der Unternehmensnachfolge

Obwohl mehr Unternehmensnachfolgen in den kommenden Jahren erwartet werden, sank der Anteil der Gründer, die per Firmenkauf in die Selbstständigkeit starteten. 2012 betrug der Anteil noch 10 % – 2013 waren es lediglich 6 %. Gestiegen ist hingegen die Beteiligung an einem bestehenden Unternehmen – nämlich von 14 % auf 20 % im Jahr 2013.

Merkmale der Gründer

Folgende Merkmale weist der KfW Gründungsmonitor 2014 für die Existenzgründer aus:

  • Der Anteil der Gründerinnen legte 2013 auf 43 % zu, nach 39 % im Vorjahr. Grund ist vor allem ein deutlich gestiegener Anteil von Frauen auf knapp 50 % in der nebenberuflichen Selbstständigkeit. Bei den Vollerwerbsgründern blieb der Frauenanteil nahezu unverändert bei 33 %.
  • 77 % der Gründer starten solo, 23 % vollziehen eine Teamgründung.
  • 11 % der Gründungen hatten nach eigenen Angaben der Gründer eine deutschland- oder weltweite Marktneuheit. Dieser Wert ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen – 2009 lag er noch bei 4 %.
  • Dies korrespondiert auch mit einer weiteren Zahl aus dem KfW Gründungsmonitor 2014. Befragt nach den Gründungsmotiven gaben 53 % eine explizite Geschäftsidee an – der bisher höchste Wert. 30 % machten eine fehlende Erwerbsalternative als Ursache fest.
  • 40 % der Gründer konstatieren ein verbessertes Einkommen nach der Gründung, bei 44 % war das Haushaltseinkommen unverändert und 16 % gaben eine Verschlechterung an.

Wie viele Gründer scheitern?

Auf Basis der Daten von 2008 bis 2013 stellt der KfW Gründungsmonitor 2014 fest, dass in den ersten 3 Jahren 29 % der Gründungen scheitern bzw. eingestellt werden. Nach 12 Monaten sind es 13 %, nach 24 Monaten 23 %. Erfreulich ist, dass nur in 4 % der Fälle eine Insolvenz erfolgt. Bei den Gründungen im Nebenerwerb war eine Vielzahl der Gründungsprojekte ohnehin nur auf eine befristete Zeit ausgelegt.

Gründungsfinanzierung: 10 Mrd. € für den Start

Sach- oder Finanzmittel benötigt ein Großteil der Gründer – auf 90 % summiert der KfW Gründungsmonitor 2014 den Anteil. Nur 10 % der Gründer geben an, ohne Sach- oder Finanzmittel zu gründen. 60 % der Gründer setzten Finanzmittel ein. Allerdings greifen nur 18 % der Gründer auf externe Finanzmittel zurück – 41 % wollen die Gründung aus eigenen Mitteln schultern. Bei den Vollerwerbsgründern liegt die Nutzung externer Finanzierung höher bei 32 %.

Insgesamt haben die Gründer, die Finanzmittel für die Gründung zusammengetragen haben, etwa 10 Mrd. € im Jahr 2013 für den Start in die Selbstständigkeit aufgewandt. 2012 waren es noch 8,4 Mrd. €. In Bezug auf die einzelne Gründung bedeutet dies einen Kapitalbedarf von 4.900 € im Nebenerwerb und 22.500 € im Vollerwerb. 83 % der Gründer gaben an, keine Finanzierungsschwierigkeiten gehabt zu haben. Damit sank der Anteil an Gründern mit Problemen bei der Finanzierung im Vergleich zu 2012. Spannend ist jedoch, wie sich diese Anteile im Zeitverlauf in den 12 bis 36 Monaten nach der Gründung verhalten. Schließlich kalkulieren Gründer ihren Kapitalbedarf zu Beginn oftmals zu niedrig.

Ausblick 2014 für das Gründerland

Der KfW Gründungsmonitor 2014 blickt wie folgt auf das Gründungsgeschehen des Jahres 2014

Die Weichen für eine nochmalige Belebung des  Gründungsgeschehens im laufenden Jahr sind gestellt… Da der Impuls von der anziehenden konjunkturellen Dynamik stärker wirken dürfte, wird dies den Ausschlag geben und die Gründungstätigkeit – erneut eher im Nebenerwerb – vermutlich stimulieren.

Deutschland also leider ein Land der Teilzeitgründer? Für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung dürften Vollzeitgründungen ungleich wichtiger sein – schließlich generieren sie deutlich höhere Umsätze und schaffen mehr Arbeitsplätze. Auch vor dem Hintergrund der zur Nachfolge anstehenden Unternehmen, sollte das Thema Selbstständigkeit höhere Priorität erhalten – unabhängig vom Arbeitsmarkt.

Den vollständigen KfW Gründungsmonitor 2014 finden Sie hier.

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