Der Supermarkt Unverpackt verbannt Verpackungsmüll



Bereits letztes Jahr berichteten wir über einen Supermarkt aus den USA, der zur Müllvermeidung vollständig auf verpackte Ware verzichtet. Nun hat die Idee mit dem Kieler Unverpackt – lose, nachhaltig, gut“ den Sprung nach Deutschland geschafft. Eine spannende Geschäftsidee, nicht nur für Idealisten.



Der moderne Tante Emma Laden

Das Prinzip des Supermarkts Unverpackt in Kiel kann man sich in etwa so vorstellen wie die Obst- und Gemüseabteilung eines Supermarktes. Portionierte und verpackte Ware sucht man hier vergebens. Stattdessen reihen sich in den Regalen des Unverpackt große, transparente Spender nebeneinander, aus denen sich der Kunde bedarfsgerecht seine Einkäufe, sei es Waschmittel, Wein oder Süßigkeiten in die mitgebrachten Mehrwegbehälter abfüllt und an der Kasse wiegen lässt. Dadurch wird Verpackungsmüll vermindert und Lebensmittelverschwendung ein Riegel vorgeschoben, denn man kauft nur soviel ein, wie man tatsächlich braucht. Und so sagt die Gründerin Marie Delaperrière von Unverpackt in Kiel:

Müllvermeidung liegt im Zeitgeist. In anderen Ländern, wie zum Beispiel meiner Heimat Frankreich gibt es bereits Supermärkte, die neben verpackter Ware auch lose Waren in Spendern zum Selbstabfüllen anbieten und damit dem Kunden einen verpackungsfreien Einkauf ermöglichen. Früher war es normal, dass Waren auch in großen Säcken oder Behältern angeboten wurden, und man sie sich mit der Schaufel abgefüllt hat. Ich möchte das wiederbeleben.

Bild einer Kundin beim Abfüllen ihrer Ware
Die Spender im Unverpackt verfügen über eine spezielel UV Beschichtung, die den Inhalt vor den Einflüssen des Lichts schützt

Zero Waste Home

Alles begann als die Inhaberin Marie Delaperriére im November 2012 auf einen Artikel in der französischen Zeitung LE MONDE (25.11.2012 „Familie Johnson : Null-Abfall seit 3 Jahren“) stieß. In diesem Artikel wurde über Bea Johnson berichtet, die es geschafft hatte, drei Jahre mit ihrer Familie den Alltag zu bewältigen, ohne Müll zu produzieren. Der Artikel beeindruckte sie so stark, dass sich Marie Delaperrière die Frage stellte, ob sie das mit Ihrer Familie auch schaffen könnte. Nach einem Großeinkauf für ihre funköpfige Familie stand sie vor einem Berg an Lebensmittelverpackungen und war schockiert.

In diesem Moment war der Wunsch geboren, eine Alternative zu finden. Nach intensiver Internet-Recherche stieß sie auf verpackungsfreie Supermärkte in anderen Ländern. Diesem Beispiel folgend erarbeitete Marie Delaperriére das Konzept, mit dem sie Ende Januar 2014 in Kiel ihren ersten Laden eröffnet hat.

Porträt Marie Delaperrière
Marie Delaperrière, gebürtige Franzosin und Gründerin des Unverpackt

Nicht nur für Ökofreaks

Doch die Gründerin der Geschäftsidee Unverpackt ist nicht nur von der ökologischen, sondern auch von der ökonomischen Überlegenheit ihres Konzeptes überzeugt. Denn das Verpackungsmaterial macht laut Studien bei einigen Waren bis zu dreißig Prozent des Preises aus. Diese Kostenvorteile möchte sie in Zukunft an ihre Kunden weitergeben und ihre Ware günstiger als die Supermarktkonkurrenz anbieten. Noch stehen ihr die geringen Abnahmemengen bei ihren Lieferanten im Weg. Der Verzicht auf Verpackungen stellt Marie Delaperriére vor weitere Herausforderungen.

Nur wenige Lieferanten bieten ihre Waren in Großgebinden an. Zudem ist das Konzept vielen Geschäftspartnern unbekannt, man wird schnell als Träumer abgestempelt und nicht ernst genommen.

Das Prinzip kommt bei den Kunden an

Trotz dieser Schwierigkeiten bleibt sie zuversichtlich. Die Resonanz bisher sei sehr gut. Im Durchschnitt betreten jeden Tag etwa 70 Leute ihren Laden. Vom Kind bis zum Senior sind alle Gesellschaftsschichten vertreten. Sie wurde auch schon aus allen Teilen Deutschlands von Gleichgesinnten angesprochen, die in ihrer Heimatstadt ein ähnliches Geschäft eröffnen möchten. In Berlin hat ein Wettbewerber gerade eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne in Höhe von 92.000 Euro Startkapital auf Startnext abgeschlossen und 26.000 Fans in den Social Media Kanälen für sich begeistern können. Das Unverpackt Prinzip kommt in Deutschland also gut an.

Beim Supermarkt Unverpackt – lose, nachhaltig, gut stehen deshalb alle Zeichen auf Expansion.

Der Laden in Kiel ist für mich ein Pilot, eine zweite Niederlassung ist bereits in Planung. Daneben arbeite ich auch gerade ein Franchisekonzept aus. Der Vorteil ist, dass ich durch die größere Einkaufsmacht Mengenrabatte erzielen und so meine Waren günstiger anbieten kann.

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