Greenfinder findet für jeden das passende E-Bike



Es gibt circa 6.000 Fachhändler für E-Bikes in Deutschland, die jedoch meistens kaum Reichweite haben. Die Vergleichsplattform Greenfinder bündelt die Angebote und umfasst derzeit rund 5.000 Modelle von etwa 200 verschiedenen Marken. Um schneller gefunden zu werden, können sich Fachhändler auf Greenfinder eintragen lassen, ihre Reichweite vergrößern und die Verkaufszahlen steigern.

Um unsere Woche des Fahrrads abzurunden, sprachen wir in der heutigen Gründerstory mit Sascha Nachtnebel, Geschäftsführer von Greenfinder, über die Geschäftsidee, den Sieg beim Regional Cup des Elevator Pitch BW, die Gründungsförderung in Baden Württemberg und das Thema Investorensuche.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Nachtnebel, Greenfinder hat den Regional Cup beim Elevator Pitch BW gewonnen – mit welcher Idee hat Greenfinder die Jury überzeugt?

Sascha Nachtnebel von Greenfinder: Es gibt einen neuen Trend in Europa, die sogenannten „E-Bikes“ oder Elektrofahrräder. Die Industrie hat in kurzer Zeit Tausende verschiedener E-Bike Modelle produziert, die Verbraucher haben also die Qual der Wahl, Informationen gibt es nur spärlich und das Vergleichen fällt schwer.

Greenfinder ist schon heute das größte Vergleichsportal für E-Bikes in Deutschland und will Elektrofahrzeuge in ganz Europa vergleichbar machen. Das fand die Jury nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus ökologischer Sicht interessant.

Elektrische Mobilität wird in den nächsten 10 bis 20 Jahren unsere Infrastruktur maßgeblich verändern.

Geschäftsführer Sascha Nachtnebel ist bei Greenfinder zuständig für Presse, Marketing, Vertrieb und Strategie
Sascha Nachtnebel ist bei Greenfinder zuständig für Presse, Marketing und Vertrieb

Für-Gründer.de: Wie haben Sie den Pitch im Detail strukturiert und was waren kritische Rückfragen der Jury?

Sascha Nachtnebel von Greenfinder: Die Struktur eines „Fahrstuhl Pitch“ ist essentiell für den Erfolg, da man nur drei Minuten Zeit hat, sich von der besten Seite zu präsentieren. Daher haben wir zuvor das vom Veranstalter angebotene Coaching besucht. Auch wenn wir schon zu 90 % richtig lagen mit unserer Vorbereitung, so war es doch wichtig, noch einmal Feedback zu bekommen und die Mitbewerber zu treffen. Die Struktur unseres Pitchs bestand aus verschiedenen Phasen:

  • Polarisierung,
  • Marktinformationen,
  • Produktinfos wie Features und Nutzen,
  • Geschäftsmodell,
  • Aufforderung an die Investoren im Publikum.

Aus meiner Sicht waren die wichtigsten Punkte jedoch phasenübergreifend. Ein guter Einstieg ist genauso wichtig, wie die volle Ausnutzung der drei Minuten. Wer nicht fertig wird, sammelt Minuspunkte. Redegeschwindigkeit und Aussprache haben ebenso Einfluss auf das Urteil der Jury wie die Plausibilität des Geschäftsmodells. Nach den drei Minuten Präsentation, in der keine technischen Hilfsmittel erlaubt sind, darf die Jury ebenfalls drei Minuten lang Fragen stellen. Greenfinder hatte Glück, wir wurden viel gefragt und ich konnte auf jede Frage eine zufriedenstellende Antwort geben.

Man wollte zum Beispiel wissen, wie skalierbar das Geschäftsmodell ist, wie lange wir gebraucht haben um Greenfinder zu bauen oder warum ein Italiener ein Vergleichsportal mit deutschen E-Bikes interessant finden soll. Es ist wichtig, dass man seinen Markt und sein Unternehmen gut kennt.

Für-Gründer.de: Unternehmerisches Kalkül oder auch private Leidenschaft: was treibt Sie beim Thema E-Bike an?

Sascha Nachtnebel von Greenfinder: Natürlich beides. Als Kind habe ich in der Auto-Werkstatt meines Großvaters in Weinheim ständig an meinem Fahrrad „repariert“. Als Jugendlicher hatte ich in der Garage meiner Eltern in Hockenheim eine kleine Fahrradwerkstatt für Bekannte und Freunde eingerichtet, später bin ich mit Freunden in einem Team Downhill-Rennen oder Cross-Trials gefahren. Der hohe Verschleiß überstieg irgendwann die Möglichkeiten meines Geldbeutels und das Hobby schlief ein, andere Hobbys kamen dazu. Heute bin ich sehr froh darüber, wieder mit Bikes zu arbeiten. Der Elektroantrieb macht es zusätzlich interessanter, weil es viel mehr Möglichkeiten gibt. Erst kürzlich haben wir eine 35 Kilometer Tour in den Alpen gemacht, mit Kinderanhänger und satten Steigungen. Das wäre vorher ohne Training nicht drin gewesen.

Aus unternehmerischer Sicht war es ein logischer Schritt in meiner beruflichen Laufbahn. Bei der Pact AG in München konnte ich meine Liebe zu Marketing, Vertrieb, Messe und Promotion entwickeln. Ich habe bei Jamba! in Berlin gesehen, wie man ein Start-up führen kann, bei Verivox konnte ich als Leiter der Unternehmensentwicklung mit meinem Team entscheidend dazu beitragen, eines der erfolgreichsten Vergleichsportale für Strom und Gastarife in Deutschland zu bauen. Mit PrizeWize habe ich in den letzten 3 Jahren auch international an Vergleichsportalen gearbeitet und das erste internationale Vergleichsportal für Strom und Gas in Deutschland aufgebaut.

Mit meiner Agentur N8 Business Development berate ich seit 4 Jahren Investoren aus den Bereichen Private Equity und Venture Capital und habe das erste Vergleichsportal für Personalberater in Deutschland, betterheads.de, entwickelt. Das alles passte hervorragend zusammen, als ich mir ein E-Bike kaufen wollte und feststellen musste, dass es kein Vergleichsportal dafür gibt. Jetzt gibt’s eins.

Für-Gründer.de: Sie haben auch eine umfangreiche Studie rund um den E-Bike Markt in Deutschland herausgebracht: wie ist denn der Status-quo gerade? Und wo sehen Sie noch Potenzial?

Sascha Nachtnebel von Greenfinder: Der E-Bike Markt hat sich rasend schnell entwickelt. Es gibt über 200 E-Bike Marken, wir haben bereits über 5.000 E-Bikes in der Greenfinder Datenbank. Ich schätze es gibt noch circa 1.000 Modelle, die wir recherchieren müssen und der Markt wächst ständig. Die große E-Bike Studie 2014 von Greenfinder und mod21 geht sehr ins Detail, ich fasse mich kurz, auch wenn es schwer fällt:

Die meisten E-Bikes werden für die Stadt gebaut, meist für die älteren Menschen unserer Gesellschaft, die gerne sportlich bleiben wollen, aufgrund des Alters aber keine Steigungen oder längere Touren mehr schaffen.

Das Tolle am E-Bike Markt ist, dass sich das klassische Fahrrad als Basis ja schon seit dem 19. Jahrhundert weiterentwickelt hat und bereits sehr viel Erfahrung gesammelt werden konnte. Dadurch hat man heute ein sehr komplexes Produktfeld, das sich in viele Bereiche der Mobilität ausdehnt und nur noch mit Akku und Antrieb ausgestattet werden muss. Heute gibt es E-Bikes in allen Formen und Varianten. Zudem ist das E-Bike eines der wenigen Produkte, das die jüngere Generation von der älteren Generation adaptiert. Hier sehe ich noch viel Potential! Es gibt für meinen Geschmack zu wenige attraktive E-Bikes für Jugendliche und junge Erwachsene.

Greenfinder Suchmaske
Die interne Datenbank umfasst derzeit rund 5.000 Modelle an E-Bikes, Pedelecs und S-Pedelecs von etwa 200 verschiedenen Marken und wird täglich aktualisiert (Bildquelle: Screenshot greenfinder.de)

Für-Gründer.de: Gehen wir etwas mehr ins Detail: wie soll das Geschäftsmodell von Greenfinder aussehen?

Sascha Nachtnebel von Greenfinder: Es gibt circa 6.000 Fachhändler in Deutschland, die alle über eine begrenzte Reichweite verfügen, 1.000 davon in den 20 größten Städten. Meistens sind das Unternehmer mit großer Liebe zu Fahrrad und Technik, oft selbst auch erfolgreiche Radsportler. In den Bereichen Marketing und Vertrieb tun sich die Händler jedoch immer noch schwer, gerade in Zeiten der Verdrängung von Printmedien durch Online-Werbung. Wir stützen unser Geschäftsmodell in der ersten Phase auf die Fachhändler. Ein Basis-Eintrag in bei Greenfinder.de ist kostenlos. Für einen monatlichen Beitrag kann der Händler jedoch einen Start- oder Premium Account buchen. Damit kann jeder Händler seine Reichweite schnell vergrößern, wird von potentiellen Kunden leichter gefunden und kann Aktionsangebote einstellen. Dieses Modell werden wir in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden ausbauen, dort gibt es ebenfalls viel Potential.

Unsere Reichweite hat sich sehr gut entwickelt, daher werden wir auch über klassische und spezielle Werbeformen Umsätze generieren und Möglichkeiten des Cross-Selling und Up-Selling nutzen. Es gibt viele Produkte, die rund ums Fahrrad angeboten werden. Die große E-Bike Studie ist Teil unserer Data-Sales Strategie, wir werden diesen Bereich in Zukunft weiter ausbauen. Gerade erst konnten wir erfolgreich eine Kooperation mit „ElektroRad“ von der BVA-Bikemedia eingehen, welche auf 125 Jahre Erfahrung im Verlegen von Titeln aus dem Bereich „Fahrrad“ zurückblickt. Hier sehe ich viel Potential, auch in anderen Bereichen wie Rennrad, Radreisen und so weiter. Und wir haben jetzt nur über den E-Bike-Markt gesprochen.

Greenfinder wird alle Dienstleistungen auch auf andere Märkte der elektrischen Mobilität ausweiten: E-Fun, E-Scooter und E-Auto sind ebenfalls auf unserer Liste.

button_weiter_lesen

Auf der zweiten Seite geht es weiter mit einem Jobangebot bei Greenfinder und Sascha Nachtnebel erzählt, wie es um die Gründerförderung in Baden-Württemberg steht und welche nächsten Schritte im Unternehmen geplant sind.

Tags: