VC, Acceleratoren, Crowd & Angel: welche Finanzierung passt?



Venture Capital, Business Angels, Acceleratoren, Company Builder, Inkubatoren, Crowdfunding, Crowdinvesting, Family & Friends und eigenes Geld – für die Finanzierung der Geschäftsidee stehen Start-ups eine immer größere Anzahl an Quellen der Finanzierung zur Auswahl.

Welche Finanzierungsform ist jedoch die Beste bzw. die Richtige für die eigene Existenzgründung? Eine klare Antwort darauf zu geben erscheint im Anblick der immer vielfältiger werdenden Alternativen fast schon unmöglich. Folgende Punkte können jedoch helfen, in dem Finanzierungsdschungel den Überblick zu bewahren, um schlussendlich eine passende Finanzierungsstrategie erarbeiten zu können.

1. Die eigene SWOT Analyse als Grundlage

Wie bei jeder Problemstellung verhilft auch bei dem Thema Finanzierung der Geschäftsidee eine Analyse der Ausgangssituation zu einem besseren Ergebnis. Sich kritisch zu fragen, welche Fähigkeiten vorhanden sind und welche nicht, wie viel operativ geleistet werden kann,  wie stark und wie umfangreich das eigene Netzwerk ist und ob – und ggf. wie weit – man die eigene Existenzgründung selbst finanzieren kann, ist der erste Schritt auf dem Weg zur richtigen Finanzierungsstrategie. Die Analyse der Stärken und Schwächen werden dann um die Chancen und Risiken ergänzt, die sich aus der derzeitigen Situation heraus ergeben.

2. Unterschiedliche Unternehmensphasen = unterschiedliche Investoren

Je nach Phase der Unternehmensentwicklung kommen unterschiedliche Finanzierungsformen in Frage. Nicht alle Investoren unterstützen Start-ups in allen relevanten Unternehmensphasen. Wenn es z.B. um Frühphasen-Finanzierung geht, gehören Inkubatoren bzw. Acceleratoren oder Company Builder zu den ersten Ansprechpartnern. Venture Capital Unternehmen hingegen sind meist auf die Wachstumsfinanzierung spezialisiert. Business Angels gehen eher opportunistisch vor und unterstützen sowohl junge Unternehmen als auch Start-ups, die bereits über ein „Proof of Concept“ verfügen. Bei der Crowd ist es vor allem wichtig, dass die Idee überzeugend präsentiert wird, um die Masse bewegen zu können.

Finanzierungsformen
In verschiedenen Phasen sind verschiedene Finanzierungsformen gefragt.

 

3. Netzwerk und Know-How als wichtige Erfolgsfaktoren

Ein starkes Netzwerk und spezialisiertes Know-How sind zwei wichtige Faktoren für den zukünftigen Unternehmenserfolg. Company Builder, Inkubatoren und Acceleratoren verfügen in der Regel über ein breites Netzwerk, auf das ein Start-up zugreifen kann. Aber auch Venture Capital Unternehmen oder Business Angels bringen ihr Netzwerk und ihre Expertise mit ein. Bei der Finanzierung durch die Crowd fällt der positive Effekt durch Einbringung hingegen gering aus.

4. Unternehmensbewertung & Kapitalbedarf

Die Herangehensweisen bei der Unternehmensbewertung und der davon abhängigen wichtigen Frage, wie viel Kapital zur Verfügung gestellt wird und welchen Anteil man dafür abgeben muss, hängt vor allem von der Geschäftsidee, dem Team, den Alternativen und der Unternehmensphase ab.

Generell gilt: Je später die Unternehmensphase, desto klarer ist, ob und wie gut das Geschäftsmodell am Markt ankommt. Die Theorie würde dabei besagen, dass das Risiko geringer und entsprechend die Unternehmensbewertung höher sein sollte. Die Praxis aber zeigt, dass dies nur bedingt der Fall sein muss – insbesondere bei IKT orientieren Geschäftsmodellen.

Jens Schleuniger
Jens Schleuniger von Für-Gründer.de zum Thema Finanzierungsstrategien für Start-ups

Gelingt es einem Start-up zu Beginn, Investoren von der Idee und dem Management zu überzeugen, ist es möglich die Unternehmensbewertung durchaus schon beim Unternehmensstart hoch angesetzt werden. Ein gutes Beispiel ist hier sicherlich das Crowdinvesting, wo Unternehmen zum Teil bereits nach der Gründungsphase siebenstellige Unternehmensbewertungen erzielen.

Was die Kapitalhöhe angeht, verhält es sich in der Regel auch ähnlich. Je früher die Unternehmensphase und ggf. je mehr zusätzliche Unterstützung das Start-up vom Partner erhält, desto geringer ist das zur Verfügung gestellte Kapital. Acceleratoren bieten beispielsweise Gründern neben ihrem Netzwerk auch Summen im Bereich von 25.000 Euro. Ein einzelner Business Angel investiert zwischen 50.000 Euro und 100.000 Euro, wohingegen bei Venture Capital und Crowdinvesting Finanzierungsrunden von über 250.000 Euro nicht unüblich sind.

5. Crowd bedeutet Aufmerksamkeit!

Insbesondere beim Crowdinvesting wird die Finanzierungsrunde gleichzeitig zum PR-Event. Für B2C Geschäftsmodelle bietet diese Finanzierungsform daher einen zusätzlichen (Marketing-) Nutzen – die Masse soll sich an dem Unternehmen beteiligen, was zwangsläufig zu einer höheren Aufmerksamkeit während der Kapitalmaßnahme führt als beispielsweise bei einem Investment eines Business Angels.

6. Unternehmerische Freiheit – teilweise eingeschränkt

Mit einem Inkubator, Accelerator oder Company Builder wird die Geschäftsidee gemeinsam entwickelt und im Idealfall auch relativ schnell umgesetzt. Dies bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass Startups nicht komplett unabhängig entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Das kann ein Vorteil für diejenigen Gründer sein, die für Ihre Gründung einen starken Sparringspartner suchen, der sie in den unterschiedlichen Geschäftsbereichen unterstützt und die Geschäftsidee schnell voranbringt. Für diejenigen Start-ups hingegen, die volle unternehmerische Freiheit haben möchten, bietet sich eher eine Venture Capital bzw. insbesondere eine Crowdinvesting Strategie an.

Fazit

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage nach der „besten“ Finanzierungsstrategie für Start-ups gibt es nicht. Entscheidend ist, inwieweit sich der Finanzierungspartner ins Unternehmen einbringen soll bzw. darf, ob bereits ein „Proof of Concept“ besteht und wie hoch der Kapitalbedarf ausfällt.

Insbesondere bei der Start-up Phase kann eine unbedachte Finanzierungsstrategie dazu führen, dass die Gründer nur unzureichend vom Erfolg profitieren, sich relativ schnell über eine Anschluss-Finanzierung Gedanken machen müssen, oder die Gründung langsamer vorankommt, als es ursprünglich geplant war. Es bietet sich daher an, relativ früh einen erfahrenen Berater ins Boot zu holen, der bei der Wahl des Finanzierungspartners die relevanten Aspekte auslotet und mit dem Start-up eine Strategie ausarbeitet, um das „bestmögliche“ Resultat zu erzielen.

Kontakt für Start-ups

  • Autor: Jens Schleuniger von Für-Gründer.de
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