Neue Plattform informiert über Crowdfunding in Berlin



Die neue Plattform „Crowdfunding Berlin“ bietet Freunden der Schwarmfinanzierung einen Überblick über Berliner Crowdfunding- und Crowdinvesting-Projekte. Die Macher betonen, nicht in Konkurrenz zu bereits bestehenden Portalen treten zu wollen, sondern lediglich über das Geschehen in Berlin zu berichten. Zum Auftaktevent kamen zahlreiche Vertreter der größten Plattformen.

Wir sprachen nach dem Event mit Jens Thomas von Creative City Berlin, Redakteur bei Crowdfunding Berlin, über Konzept und Inhalte der Plattform und erfuhren dabei mehr über die Fördermöglichkeiten zur Kulturfinanzierung in der Hauptstadt.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Thomas, seit kurzem ist die Website crowdfunding-berlin.com online. Worum geht es auf dem Portal und wer steht dahinter?

Jens Thomas von Crowdfunding Berlin: Das neue Portal soll einen Überblick über Crowdfunding und Crowdinvesting in Berlin geben. Wir bilden Berliner Projekte ab, stellen Portale und Akteure vor und vermitteln Wissen. Das Projekt wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH auf Initiative der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung realisiert, entstanden ist das Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Partner-Portalen und Netzwerken.

Gerade die Zusammenarbeit mit anderen Portalbetreibern und Schnittstellen war uns wichtig, denn: wir wollten kein Portal ins Leben rufen, das in Konkurrenz zu bereits bestehenden Crowdfunding-Plattformen und Netzwerken tritt, sondern diejenigen unterstützen, die bereits im Bereich des Crowdfundings arbeiten. Gemeinsam tragen wir nun Wissen auf einer Plattform zusammen.

Jens Thomas von Crowdfunding Berlin
Die neue Plattform Crowdfunding Berlin um die Redaktion von Jens Thomas und Dominik Rauchfuß ist ein Gemeinschaftsprojekt der gemeinnützigen Landesgesellschaft Kulturprojekte Berlin auf Initiative der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung. Entstanden ist das Projekt in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partner-Portalen und Netzwerken.

Für-Gründer.de: An wen genau richtet sich Crowdfunding Berlin und warum wird der Fokus auf die Hauptstadt gelegt?

Jens Thomas von Crowdfunding Berlin: Das Portal richtet sich in erster Linie an Berliner Projekte aus dem Bereich Kunst, Kultur, der Kreativwirtschaft, der Kulturellen Bildung und der Informations- und Kommunikationstechnologie. In unserer Arbeit als Anlaufstelle für Kulturschaffende in der Stadt und als Schnittstelle zwischen dem Senat und der Kulturszene werden wir immer wieder mit der Frage konfrontiert, welche Crowdfunding-Plattform sich denn am besten eignet. Also dachten wir uns: Wir machen eine Überblicks-Plattform für den Berliner Raum in Form eines Kooperationsprojekts.

Der Fokus ist Berlin, weil wir in Berlin sitzen, sich hier der Markt in den nächsten Jahren wohl am dynamischsten entwickeln wird und wir den Projekten vor Ort einen Mehrwert bieten wollen.

Für-Gründer.de: In welche Bereiche gliedert sich die Plattform und was gibt es dort zu entdecken?

Jens Thomas von Crowdfunding Berlin: Zum einen bilden wir Berliner Crowdfunding-Projekte von den unterschiedlichsten Portalen ab, zum anderen werden die wichtigsten Plattformen gelistet und redaktionell vorgestellt. Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit allen Partner-Portalen und den Netzwerken einen umfangreichen Fragen-und-Antworten-Katalog zum Thema Crowdfunding und Crowdinvesting entwickelt, der portalübergreifend einen Überblick bietet und wichtige Fragen klärt.

Diesen Fragebogen verstehen wir als organischen Prozess, er wird laufend weiterentwickelt, ergänzt, aktualisiert. Zusätzlich präsentieren wir Termine, stellen Netzwerke und Ansprechpartner vor und diskutieren das Thema rund um Crowdfunding und Crowdinvesting kontrovers in einem Magazin-Teil.

Für-Gründer.de: Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit den Betreibern der Crowdfunding- und Crowdinvesting-Plattformen aus? Auf welche Weise gewährleisten Sie zuverlässige Informationen?

Jens Thomas von Crowdfunding Berlin: Die Portale stellen uns die Daten zum Abbilden ihrer Berliner Projekte zur Verfügung. Startnext liefert uns Daten aus der Kategorie „empfohlene Projekte“. Von den anderen Partner-Portalen bekommen wir alle Projekt-Daten. Und zuverlässige Informationen liefern wir, indem wir Texte und Infos von allen Partnern immer wieder quer lesen lassen und so Inhalte permanent optimieren.

Für-Gründer.de: Welche Projekte sind im Rahmen von Crowdfunding Berlin geplant?

Jens Thomas von Crowdfunding Berlin: In diesem Jahr konzentrieren wir uns vor allem auf die Wissensvermittlung. In Kooperation mit dem Kulturförderpunkt Berlin, einer neuen Anlaufstelle zur Drittmittelberatung und Kulturfinanzierung in Berlin, die auch in der Kulturprojekte Berlin GmbH beheimatet ist, starten wir eine neue Veranstaltungsreihe.

Hier wird es um die verschiedensten Fördermöglichkeiten zur Kulturfinanzierung gehen, also auch um Crowdfunding oder Crowdinvesting. In der Veranstaltungsreihe wollen wir Experten aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und der Politik mit der Szene zusammenbringen und neue Wege der Kulturfinanzierung diskutieren. Das Wissen geben wir dann als Expertise an den Senat weiter.

Crowdfunding Berlin Website
Bildquelle: Screenshot der Website crowdfunding-berlin.com

Für-Gründer.de: Zur Auftaktveranstaltung kamen zahlreiche Vertreter der führenden Crowdfunding- und Crowdinvesting-Plattformen, um über die Gegenwart und Zukunft der Schwarmfinanzierung zu diskutieren. Welche Anregungen nehmen sie aus dem Abend mit?



Jens Thomas von Crowdfunding Berlin: Besonders deutlich wurde, dass sich derzeit zahlreiche Crowdfunding-Finanzierungsarten herauskristallisieren, die im Kontext ganz unterschiedlicher Projektkonzepte stehen und dass hier viel Aufklärungsbedarf besteht.

Beispielsweise eignen sich Investitionskapital oder Kredite nur bedingt für Kulturprojekte oder Projekte der Kulturvermittlung, denn viele Kulturprojekte sind keine oder nur bedingt Wachstumsunternehmen.

Zudem wird es interessant sein, wohin sich der Crowdfunding-Markt entwickelt: Schon jetzt ist absehbar, dass im Bereich reward-based Crowdfunding eine zunehmende Monopolisierung unter den Plattformen, zumindest in Deutschland, erkennbar ist, nicht alle überleben.

Wohingegen sich Crowdinvesting-Plattformen derzeit geradezu multiplizieren und hier neue Modelle und Beteiligungsformen erprobt werden. Und für den Bereich der Kultur wird sich künftig vor allem folgende Frage stellen: Wie kann klassische Kulturförderung mit Crowdfunding einhergehen? Welche Modelle sind denkbar?

Crowdfunding wird die klassische Kulturfinanzierung nicht ersetzen, das will auch keiner. Hier wird es einigen Gesprächsbedarf zwischen der Politik, den Verwaltungen und der Szene geben.

Für-Gründer.de: Konrad Lauten, Gründer von Inkubato Crowdfunding, merkte in der Podiumsdiskussion an, dass bisher noch ein physischer Ort fehlt, zu dem Interessierte kommen können, um sich beispielsweise beraten zu lassen oder andere Projektstarter kennenzulernen. Können Sie sich vorstellen, einen solchen Ort in Berlin zu schaffen?

Jens Thomas von Crowdfunding Berlin: Das wäre dann so etwas wie das betahaus für Crowdfunding. Ja, das ist ein guter Ansatz. Die Frage ist nur: ist es finanzierbar? Die Idee kam ja erst auf der Veranstaltung auf, so gesehen können wir das erst einmal nur als Anregung aufnehmen und weitergeben. Und was so ein Ort können und leisten sollte oder müsste, ist auch noch nicht definiert. Stellen Sie die Frage doch noch mal in einem Jahr. Dann wissen wir vielleicht mehr.

Für-Gründer.de: Welche langfristigen Ziele setzt sich die Plattform Crowdfunding Berlin?

Jens Thomas von Crowdfunding Berlin: Unser Ziel ist es, den Markt so transparent wie möglich abzubilden und das Portal in Zusammenarbeit mit der Szene und den Netzwerken voranzubringen. Wir wollen uns in regelmäßigen Abständen mit dem Senat und den Partnern treffen und eine Bilanz ziehen: Was leistet das Portal und was soll es künftig leisten? Nichts bleibt wie es ist, darum werden wir uns auch permanent neu erfinden müssen.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch und die Einladung zum Auftakt der Plattform.

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