News zur Crowdfinanzierung im Februar 2014



Nach den guten Marktzahlen, die wir zu Crowdfunding und auch zu Crowdinvesting im Januar berichten konnten, gibt es auch in diesem Monat zahlreiche Neuigkeiten rund um die  wachsende Branche der Schwarmfinanzierung. Dies reicht von Expansionsplänen internationaler Plattformen über neue Start-ups und Projekte bis hin zu Pleiten finanzierter Start-ups.

Für Crowdfunding und Crowdinvesting gehen wir 2014 in Deutschland von einem Gesamtvolumen zwischen 28 Mio. Euro und 35 Mio. Euro und damit von einem weiteren deutlichen Wachstum im Vergleich zum Jahr 2013 aus. Weitere Dynamik darf man wohl aber auch von ausländischen Anbietern erwarten, die den deutschen und europäischen Markt in den Blick nehmen.

Indiegogo, FundedByMe und Investiere.ch expandieren international

Indiegogo – eine der größten Crowdfunding Plattformen weltweit – hat Ende Januar 2014 eine Finanzspritze von 40 Mio. US-Dollar vermeldet. Neben Verbesserungen auf der Plattform soll das Geld nach Unternehmensangaben auch für die internationale Expansion eingesetzt werden. Die verstärkten PR-Aktivitäten in Deutschland dürften auch als Wink mit dem Zaunpfahl gelten.

Den Blick nach Deutschland hat auch das Unternehmen FundedByMe gerichtet, das sich selbst als die am schnellsten wachsende Crowdinvestment-Plattform bezeichnet und aus Schweden stammt. Bei einer aktuellen Finanzierungssumme – gemäß Website – von rund 4,5 Mio. Euro ist die Aussage zum Wachstumstempo natürlich relativ zu sehen. Von kleiner Basis lässt es sich schließlich immer gut wachsen. Harald Schottenloher soll als Country Manager Germany den Markteintritt vorantreiben. Wir werden Herrn Schottenloher in Kürze auch persönlich treffen und sind gespannt, wie er sich gegen die Platzhirsche behaupten möchte.

Frisches Kapital hat auch die Schweizer Plattform investiere.ch eingesammelt – nach eigenen Angaben im 7-stelligen Bereich. Dem Vernehmen nach soll nun neben der Schweiz auch Österreich und Deutschland ins Visier genommen werden. Dabei fährt investiere.ch einen etwas anderen Ansatz als bspw. Seedmatch oder Companisto. So liegen die angestrebten Finanzierungsvolumen deutlich höher und auch die Investoren zeichnen höhere Einzelinvestments. Zudem sind die Finanzierungsrunden nicht öffentlich einsehbar.

Neu in Deutschland und Fokus auf Berlin: Crowdfunding-Berlin

Das kürzlich gestartete Internetportal „Crowdfunding Berlin” bietet Start-ups, Freunden der Schwarmfinanzierung und Herzblut-Berlinern einen umfassenden Überblick über Crowdfunding- und Crowdinvesting-Projekte. Der Fokus liegt auf Projektstartern, die die Hauptstadt zum Mittelpunkt ihres Vorhabens machen. Dabei ist es egal, ob es sich um ein vergleichsweise geringes Fundingziel für ein Musikalbum, eine geplante Malerei-Ausstellung, einen Filmdreh oder gar um die Anschlussfinanzierung für ein Start-up zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells handelt. Auf der Plattform Crowdfunding-Berlin kommen alle Berliner Projekte zusammen.

Crowdfunding Berlin Start
Zahlreich Crowdfunding und Crowdinvesting Plattformen schickten Vertreter zur Auftaktveranstaltung von Crowdfunding-Berlin

Ergänzt wird die Vorstellung der Projekte um einen Q&A-Katalog zu Crowdfunding und Crowdinvesting, aktuelle Termine, die Vorstellung der Netzwerke und Ansprechpartner sowie ein Magazin-Teil, in dem alles rund um das Thema Schwarmfinanzierung diskutiert wird. Dabei betonen die Macher, die Kulturprojekte Berlin GmbH, nicht in Konkurrenz zu bereits bestehenden Portalen treten zu wollen. Ein umfangreiches Interview mit Crowdfunding-Berlin finden Sie hier.

Neue Start-ups zur Finanzierung durch die Crowd

Das neue Jahr ist auch mit zahlreichen neuen Start-ups auf den Crowdinvesting-Plattformen gestartet. Einige dieser Finanzierungsrunden möchten wir nachfolgend kurz vorstellen:

  • beECO: das Unternehmen beECO greift erneut auf die Crowd zurück. Der Vertrieb der selbst entwickelten Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung soll mit frischem Geld in Angriff genommen werden. Bis zu 100.000 Euro sollen es auf Innovestment werden.
  • Chocri: Schokolade gibt es im Onlineshop bei Chocri bereits – nun soll auch Rendite für Investoren hinzukommen. Bis zu 200.000 Euro möchte Chocri über Innovestment erhalten.
  • Devil & Crew: Motorradbekleidung á la mymuesli bietet Devil & Crew über einen Onlinekonfigurator. Auf Fundsters sucht das Unternehmen nach bis zu 75.000 Euro.
Crowinvesting Feb 2014
Ausgewählte Start-ups aus aktuellen Crowdinvesting-Runden: chocri (o.l.), Devil & Crew (o.r.), readfy (u.l.) und PAYMEY (u.r.)
  • KERNenergie: schon vor einiger Zeit berichteten wir über die Nüsse des Gründerteams von KERNenergie – nun hat das Start-up die Crowd für sich entdeckt. Nach einem guten Start wurde das Fundingziel auf 400.000 Euro erhöht – investieren kann man auf Seedmatch.
  • Nichtraucher.de: 70.000 Mitglieder hat die nach eigenen Angaben größte deutsche Internetseite zum Thema Rauchentwöhnung schon – nun sollen es auch möglichst viele neue Investoren auf Companisto werden. 200.000 Euro will das Unternehmen einsammeln.
  • PAYMEY: mit PAYMEY soll man schnell und sicher per Smartphone bezahlen können. Das Unternehmen dreht auf Seedmatch nun auch bereits seine zweite Runde und ist aktuell auf dem Weg zu 200.000 Euro.
  • readfy: Zehntausende eBooks gibt es auf readfy – und dies kostenlos. Geld verdienen möchte das Start-up dann mit Werbung in den eBooks. Investieren können Anteilseigner bis 300.000 Euro auf der Plattform Companisto.

(Vorläufiges) Aus für sporTrade und BluePatent
Neben den zahlreichen neuen Start-ups, die sich über die Crowd finanzieren wollen, sind nun auch zwei weitere Unternehmen nicht mehr für ihre Investoren im Rennen. Zunächst musste sporTrade (finanziert auf Companisto) die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bekanntgeben. Gestern folgte eine Meldung von BluePatent (finanziert auf Seedmatch), dass der Geschäftsbetrieb eingestellt und das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Bei beiden Start-ups waren neben der Crowd auch VC-Geber und Business Angels investiert.

Bei sporTrade hat – nach Unternehmensangaben – das Nichterreichen von Meilensteinen dazu geführt, dass im Januar 2014 die Auszahlung einer weiteren Tranche aus der erst im Dezember 2013 abgeschlossenen Finanzierungsrunde verweigert wurde. Gemäß der Meldung, die auf Companisto verfügbar ist, heißt es, dass das Management von sporTrade davon überrascht worden sei. Dies erscheint auf den ersten Blick jedoch eher verwunderlich. Schließlich dürfte das Management die Meilensteine, an die die Zahlungen geknüpft waren, vereinbart und abgesegnet haben.

Auch bei BluePatent liest sich der Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens wie ein Augenöffner. In einem Interview mit der Plattform Seedmatch gibt Mitgründer von BluePatent, Jan Stütz, an, dass ein Investor sein Sonderkündigungsrecht in Anspruch genommen hätte. Dies wäre ja eigentlich unproblematisch, wenn sich der Betrag nicht auf 100.000 Euro belaufen hätte, die innerhalb von 10 Tagen von Seiten des Unternehmens zu erbringen gewesen wären. Er fügt hinzu, dass auch die Geschäftszahlen noch nicht den Erwartungen entsprochen hätten. Dies ist jedoch für Start-ups durchaus normal. Die Klausel zur Rückzahlung von 100.000 Euro innerhalb von 10 Tagen ist jedoch aus unserer Sicht sehr kritisch zu hinterfragen.

Mit Betandsleep (2013), sporTrade und BluePatent ist die Zahl der vorerst gescheiterten Start-ups, die Kapital über die Crowd eingesammelt haben, noch überschaubar. Und in Bezug auf die Gesamtzahl von über 100 Finanzierungen ist dies auch noch eine gute Quote. Allerdings sind auch generell die ersten drei Jahre als besonders kritische Phase für Gründungen zu sehen und ein Großteil der Finanzierungen erfolgte erst 2013. sporTrade und BluePatent bspw. waren aber gerade zwischen 2 und 3 Jahren auf dem Markt.

Erfolgsstory Crowdfunding: die Wurfkamera

Im März 2013 haben wir die Wurfkamera von Panospective in der Kategorie Beste Geschäftsideen als Sieger beim Businessplanwettbewerb Berlin-Brandenburg vorgestellt. Ein paar Monate heißt die Kamera nun PANONO und die Entwickler konnten auf Indiegogo 1,25 Mio. US-Dollar per Crowdfunding einsammeln – damit war dies auch die bisher größte Kampagne aus Deutschland auf der Plattform. Zudem ist die Kamera nun deutlich kleiner und liegt besser in der Hand, wie  das nachfolgende Video zeigt.

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