Immer weniger Insolvenzen: niedrigster Wert seit 14 Jahren



Laut Schätzungen der Creditreform Wirtschaftsforschung ging 2013 die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erneut zurück. Während 2012 noch 28.720 Unternehmen Insolvenz anmeldeten, waren es 2013 nur noch 26.300. Der Rückgang um 8,4 % spiegelt den niedrigsten Gesamtwert in Deutschland seit 14 Jahren wider. Einer der Gründe für das entspannte Insolvenzgeschehen sei die derzeitige finanzielle Unternehmensstabilität, so der Bericht der Wirtschaftsauskunftei.

Kaum einem dürfte im vergangenen Jahr die Berichterstattung rund um die Insolvenzen der Baumarktketten „Praktiker“ und „Max Bahr“ entgangen sein. Insgesamt waren hier mehr als 10.000 Mitarbeiter von der Zahlungsunfähigkeit der Unternehmen betroffen. Und doch erreichte 2013 die Zahl der Insolvenzen den niedrigsten Wert der letzten 14 Jahre. Dies geht aus den aktuellen Ergebnissen einer Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung hervor.

Insgesamt habe sich die Zahl der illiquiden Unternehmen 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 2.420 verringert, das entspricht einem Rückgang um 8,4 %. Dieser Trend ist bereits in den letzten Jahren zu beobachten gewesen: 2010 waren es 32.060 Insolvenzen, 2011 bereits nur noch 30.120 und 2012 gingen erneut weniger, nämlich 28.720, Unternehmen Konkurs. Somit handelt es sich laut des Berichts „Insolvenzen in Deutschland 2013″ bei 2013 um das vierte Jahr in Folge mit sinkenden Werten.

Unternehmensinsolvenzen 2004 bis 2013
Unternehmensinsolvenzen von 2004 bis 2013
* von Creditreform geschätzt (Quelle: Creditreform Wirtschaftsforschung, eigene Darstellung)

Gründe für den rückläufigen Trend seien das positive Konjunkturumfeld samt hohem Beschäftigungsniveau sowie die verbesserte Finanzstabilität der Unternehmen. Allerdings entsprechen die neuesten Schätzungen der Creditreform Wirtschaftsforschung noch nicht den endgültigen Ergebnissen. Im Bericht heißt es hierzu:

Gleichwohl könnten hierbei auch Aufschiebungen enthalten sein, da ab Mitte des kommenden Jahres Erleichterungen im Insolvenzrecht in Kraft treten werden.

Gläubiger, Arbeitnehmer und Start-ups atmen etwas auf

Im Zuge der sinkenden Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist auch ein Rückgang der Insolvenzschäden sowie der Arbeitsplatzverluste zu verzeichnen. Die Creditreform Wirtschaftsforschung beziffert eine Schadenshöhe von rund 26,9 Milliarden Euro für die Gläubiger. Dies seien 30,1 % weniger als im Vorjahr mit 38,4 Milliarden Euro.

Mit einer ebenfalls gesunkenen Zahl von insgesamt 285.000 bedrohten oder aber auch bereits betroffenen Arbeitsplätzen ist auch hier eine positive Entwicklung festzustellen. 2013 waren es 61.000 bedrohte Stellen weniger. Diese Verringerung um 17,6 % ggü. 2012 sei unter anderem auf eine geringere Zahl an großen Firmeninsolvenzen zurückzuführen.

Allerdings zeichnete sich eine ansteigende Tendenz zur Insolvenz bei älteren Unternehmen ab, deren Gründung neun oder mehr Jahre zurückliegen. Diese waren 2013 stärker betroffen im Gegensatz zu jungen Start-ups. Dies gehe wiederum u.a. auf zurückgehende Gründerzahlen in Deutschland zurück. Denn wer es nicht versucht, scheitert auch nicht.

Kleinunternehmen und GmbH´s am stärksten betroffen

Mit 47,8 % sind fast die Hälfte aller von einer Insolvenz betroffenen Firmen Kleinunternehmen, gefolgt von Unternehmen mit der Rechtsform der GmbH mit 38,8 %. Der Anteil der zahlungsunfähigen Kleingewerbe ist gegenüber dem Vorjahr sogar gewachsen, als er noch bei 43,5 % lag.

Insolvenzen 2013 nach Rechtsformen
Unternehmensinsolvenzen nach Rechtsformen im Jahr 2013
(Quelle: Creditreform Wirtschaftsforschung, eigene Darstellung der gerundeten Prozentwerte)

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch im Hinblick auf die Umsatzgrößen. Denn rund die Hälfte aller Insolvenzen entfiel laut Creditreform Wirtschaftsforschung auf Unternehmen mit weniger als einer Viertelmillion Euro Umsatz – das ist ein Anteil von 48,1 %.

Insolvenzen in den Wirtschaftszweigen und Branchen

Auch in den vier Hauptwirtschaftsbereichen Handel, Dienstleistung, Bau und Verarbeitendes Gewerbe waren weniger Insolvenzen zu vermerken als noch 2012.

  • Überdurchschnittlich stark verringerten sich die Insolvenzen im Baugewerbe um 11,1 % auf 3.680 Fälle. Dabei handelt es sich um einen Anteil von 14 % am gesamten Insolvenzaufkommen.
  • Im Dienstleistungssektor meldeten 14.910 Unternehmen die Insolvenz an. Das sind 8,9 % weniger und entspricht einem Anteil von 56,7 % am gesamten Insolvenzvolumen.
  • Einen Rückgang verzeichnete ebenfalls das Verarbeitende Gewerbe. Und so lag die Zahl der Insolvenzen um 7,6 % niedriger als im Vorjahr. 2.180 Fälle bedeuten einen Anteil von 8,3 % am gesamten Insolvenzaufkommen
  • Im Handel sank die Zahl der Insolvenzen um 5,6 % auf 5.530 Fälle. Dies entspricht einem Anteil von 21 % am gesamten Insolvenzvolumen 2013.

Obwohl das Baugewerbe am gesamten Insolvenzaufkommen 2013 nur einen geringen Anteil trug, liegt in dieser Branche jedoch das größte Insolvenzrisiko. Auf 10.000 Baubetriebe kommen pro Jahr 103 Insolvenzen. Stabiler ist hingegen das Verarbeitende Gewerbe mit 55 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Die gesamtwirtschaftliche Insolvenzquote verringerte sich von 89 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen im Jahr 2012 auf 82 im Folgejahr. In Ostdeutschland befindet sich die Insolvenzquote bei 78 und liegt somit erneut unter jener in Westdeutschland mit 83 Insolvenzen.

Im Hinblick auf die verschiedenen Gewerbe zählen Post-, Kurier- und Expressdienste mit 764 und Detekteien mit 703 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen zu den risikoreichsten Tätigkeit, gefolgt von Abbrucharbeiten (651), Videotheken (649), Diskotheken und Tanzlokalen (612) sowie Call Center (591). Weiter unten in der Liste befinden sich Bars (551), Schankwirtschaften (548), Umzugstransporte (535) und sonstige getränkegeprägte Gastronomien (530).

Top Ten Risikobranchen
„Top Ten“ der risikobehafteten Branchen: In die Analyse einbezogen wurden nur Branchen mit mindestens 1.000 Betrieben (Quelle: Creditreform Wirtschaftsforschung, eigene Darstellung)

Finanzielle Schwierigkeiten auffangen mit dem KfW-Programm „Runder Tisch“

Das Programm „Runder Tisch“ dient der Förderung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) mit Sitz in Deutschland, die wider Erwarten in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind – obwohl ihre Geschäftsideen gute Marktchancen haben. Die Förderung der KfW fokussiert sich auf Unternehmen und Freiberufler, die eine Insolvenz verhindern wollen, also noch keine Insolvenz angemeldet haben bzw. noch nicht verpflichtet sind, Insolvenz anzumelden.

Strategie des Runden Tisches ist es, das Unternehmen mit einem KfW-Berater zusammenzubringen, der eine Schwachstellenanalyse unternimmt und Lösungsvorschläge unterbreitet. Hierfür sind maximal zehn Beratertage zu je acht Stunden vorgesehen. Beantragt wird das Programm Runder Tisch noch vor Beratungsbeginn beim jeweiligen Regionalpartner der KfW. Das ist im Regelfall die zuständige Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer.

Weitere Informationen zum Programm Runder Tisch, wie der Umfang der Beratungsleistung sowie die zu tragenden Kosten für die Inanspruchnahme der Förderung, finden Sie auf der Website der KfW.