Förderprogramme und Unterstützung für Gründer



Mit professioneller Hilfe geplante Unternehmensgründungen haben deutlich mehr Erfolgschancen. Doch worauf sollte man bei der Auswahl der Beratung achten? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Im Interview mit Unternehmensberater Felix Thönnessen von thoennessenpartner erfahren Sie mehr darüber, welche Möglichkeiten angehende Gründer haben und worauf besonders geachtet werden sollte.

Felix Thönnessen hat vor sieben Jahren eine Unternehmensberatung mit Schwerpunkt im Bereich Marketing gegründet und ist seitdem neben seiner Beratertätigkeit auch Referent und Dozent bei Verbänden, Universitäten und privaten Akademien.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Thönnessen, stellen Sie sich doch zu Beginn kurz unseren Lesern vor.

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: Hallo. Vor sieben Jahren habe ich die Unternehmensberatung thoennessenpartner gegründet und bin mit meinem Team als Gründungsberater in Düsseldorf tätig. Als Diplom-Betriebswirt habe ich damals gleich noch ein Marketing-Studium angehängt, daher auch der Schwerpunkt unserer Gründungsberatung im Bereich Marketing. Darüber hinaus bin ich als Referent und Dozent bei Verbänden, Universitäten und privaten Akademien tätig.

Felix Thoenessen
Felix Thönnessen von thoennessenpartner

Für-Gründer.de: Was hat Sie dazu motiviert sich im Bereich Gründungsberatung selbstständig zu machen und wo liegen Ihre besonderen Schwerpunkte bei der Unterstützung?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner:

Vor meiner ersten Selbstständigkeit habe ich mich selber beraten lassen und nach den Beratungsgesprächen gemerkt, dass die Beratung nicht motivierend war. Ich war enttäuscht, weil ich der Meinung war, dass mein Berater mich auch unterstützen und die Beratung für meine Gründung auch Spaß machen sollte.

Das wollte ich besser machen und habe mich daher und aufgrund meines Studiums als Gründungsberater selbstständig gemacht. Der Bereich Marketing, also Kundengewinnung, Strategie und Positionierung, ist dabei unser Schwerpunkt.

Für-Gründer.de: Stichwort Gründungsförderung: wie würden Sie die Situation für Gründer und angehende Selbstständige in Ihrem Bundesland Nordrhein-Westfalen bewerten?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: In den letzten Jahren ist die Zahl der Gründer immer weiter gesunken. Da muss deutlich mehr von Seiten des Bundes und der Länder kommen, um Existenzgründungen einen besseren Nährboden zu bieten. Die Situation für angehende Selbstständige ist schwierig. Es gibt zwar bereits gute Förderprogramme, aber nicht jeder Gründer hat Anspruch darauf. Weitere Fördermöglichkeiten wären sinnvoll.

Für-Gründer.de: Studien zeigen, dass Gründungen, die mit einem Berater erfolgt sind, auch erfolgreicher verlaufen – welche Möglichkeiten gibt es in NRW geförderte Beratung in Anspruch zu nehmen?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: Nordrhein-Westfalen bietet mit dem Beratungsprogramm Wirtschaft ein sehr gutes Förderprogramm, das wir auch häufig für unsere Kunden nutzen. Darin sprechen wir das gesamte Gründungsvorhaben durch und erstellen gemeinsam einen Businessplan, der dem Gründer als Leitfaden für sein Vorhaben dienen soll.

Wichtig ist dabei auch immer, dass dem Gründer die Chancen und Risiken aufgezeigt werden. Die meisten Gründungen, die wir im Rahmen dieses Förderprogramms beratend begleitet haben, sind erfolgreich verlaufen.

Des Weiteren gibt es das Gründercoaching Deutschland, ein bundesweites Förderprogramm der KfW-Bank, das in NRW am meisten in Anspruch genommen wird. Als Gründercoach bin ich dabei persönlicher Coaching-Berater für den Gründer und kann auch über das Gründungsvorhaben hinaus zum Beispiel zum Thema Vertrieb und Selbstmarketing coachen und viele Tipps geben. In diesem Programm wird der Gründer sehr umfangreich beraten und in jedem Punkt der Gründerphase unterstützt.

Für-Gründer.de: Selbstständige Handwerker können in NRW eine Meistergründungsprämie erhalten – was hat es damit auf sich und wer kann diese beantragen?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: Die Meisterprämie ist ein Zuschuss des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 7.500 Euro für Handwerksmeister, die sich nach ihrer erfolgreichen Meisterprüfung selbstständig machen wollen. Voraussetzung ist, dass mindestens ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer angestellt wird und die Investitionen mindestens 25.000 Euro bei Männern bzw. 20.000 Euro bei Frauen betragen. Ein tolles Förderprogramm, das jeder Handwerker beantragen sollte, der seine Selbstständigkeit plant.

Für-Gründer.de: Welche wesentlichen Förderkredite hält das Land NRW für seine Gründer bereit?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: Förderkredite gibt es in NRW einige. Der niedrige Zins macht einen Kredit für angehende Selbstständige derzeit auch sehr attraktiv. Die meisten Kreditgeber haben ihr Angebot auch sehr an die Anforderungen eines Gründers angepasst und bieten faire und günstige Möglichkeiten.

Die NRW Bank bietet Existenzgründern zum Beispiel einen Gründerkredit in Höhe von bis zu 10 Millionen Euro an, mit vergünstigten Konditionen, niedrigem Zinssatz und gegebenenfalls mehreren tilgungsfreien Jahren. Kleinstunternehmen können vom Mikrodarlehen der NRW Bank profitieren. Mit einem halben Jahr Tilgungsfreiheit können bis zu 25.000 Euro beantragt werden.

Für Gründungen im High-Tech Bereich ist der Seed Fonds die beste Lösung. Große Unternehmen fördern damit hoch technologisierte Unternehmen mit Investitionskapital.

Website von thoennessen
Bereits seit über sieben Jahren steht thoennessenpartner angehenden Gründern beratend zur Seite. (Quelle: www.thoennessenpartner.de)

Für-Gründer.de: Bei Krediten kommt sehr schnell auch das Thema Sicherheiten ins Spiel – welche Möglichkeiten haben Gründer in NRW hierbei?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: Mit einer Bürgschaft der Bürgschaftsbank NRW können Darlehen für angehende Selbstständige sogar noch weiter verbilligt werden. Dabei bürgt die Bank für den Kredit, der für die Existenzgründung aufgenommen wurde, im Rahmen einer Ausfallbürgschaft mit bis zu 100 Prozent und besichert die Selbstständigkeit dadurch erheblich. Dadurch wird dem Gründer wirklich ein großer Stressfaktor genommen und er kann sich komplett auf sein Produkt oder seine Dienstleistung konzentrieren.

In einer neuen Meldung der Bürgschaftsbank heißt es, dass bereits elf Prozent mehr Gründungen unterstützt wurden, um dem negativen Gründungs-Trend entgegen zu wirken. Die Hausbank ist hier der erste Ansprechpartner.

Für-Gründer.de: Wie verläuft der Weg zum Förderkredit und Bürgschaft im Detail und was sind die wichtigsten Elemente für den bankreifen Businessplan?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: Ein guter Businessplan ist das A und O eines Antrags für einen Förderkredit oder eine Bürgschaft. Die Banken widmen, wenn sie vom allgemeinen Gründungsvorhaben überzeugt sind, meist 60 bis 70 Prozent der Zeit dem Finanzteil des Businessplans. Daher ist vor allem eine realistische und gute Finanzkalkulation wichtig. Für Banken und Bürgschaftsbanken spielen aber auch der Markt und das Marketingkonzept eine große Rolle. Der Gründer muss also genau wissen, wer seine Wettbewerber sind, wie groß das Potenzial des Marktes ist und wer genau seine Zielgruppe darstellt.

Der Weg zum Förderkredit und einer Bürgschaft beginnt mit einem guten Businessplan dann bei der Hausbank. Die Hausbank ist der Ansprechpartner, der die Antragsunterlagen an die zuständige Stelle weiterleitet.

Für-Gründer.de: Gibt es zudem noch ein paar exotische Förderprogramme auf die man unbedingt hinweisen sollte?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: Für junge innovative Unternehmen wird sogar die Teilnahme an internationalen Messen mit einem Zuschuss von maximal 7.500 Euro pro Messe und Aussteller gefördert. Da eine Messeteilnahme wirklich wertvoll für ein junges Unternehmen sein kann, die Gebühren für einen Stand meist jedoch sehr hoch sind, finde ich diese Fördermöglichkeit wirklich toll.

Für Start-ups, die im Bereich der Elektromobilität tätig sind, gibt es ein Förderprogramm der NRW Bank, mit dem Darlehen von bis zu 5 Millionen Euro beantragt werden können. Sollte ein Start-up sich also mit den Themen Fahrzeugtechnik, Batterietechnik, Ladestationen oder ähnlichem beschäftigen, sollte es sich unbedingt bei der Hausbank ausführlich darüber informieren.

Für-Gründer.de: Schauen wir noch verstärkt auf den Start-up Bereich und Beteiligungskapital – welche Chancen bestehen hier in NRW?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: In NRW gibt es ein dichtes Netz an Business Angels und anderen Beteiligungskapital-Gebern. Gerade jetzt sind viele Business Angels daran interessiert, in junge innovative Unternehmen zu investieren. Ich bin immer noch der Meinung, dass Pitch- und Businessplan-Wettbewerbe eine hervorragende Möglichkeit für einen Gründer sind, um Investoren und andere Finanziers kennen zu lernen und von seinem Geschäftsvorhaben zu überzeugen.

Dann gibt es noch die Seed Fonds Initiative. Die Seed Fonds Initiative ist ein Zusammenschluss aus Partnern der NRW Bank und regionalen Seed Fonds, die technologieorientierte Unternehmen mit Beteiligungskapital unterstützt. Es ist auf jeden Fall zu empfehlen sich als Technologie-Start-up mal bei der NRW Bank über diese Initiative zu informieren.

Für-Gründer.de: Was würden Sie sich für die Gründerlandschaft in NRW und auch Deutschland wünschen?

Felix Thönnessen von thoennessenpartner: Wünschen würde ich mir vor allem die Wiedereinführung des Gründungszuschusses als Pflichtleistung. So viele Gründer konnten von diesem Förderprogramm profitieren und sich erfolgreich selbstständig machen. Seitdem der Gründungszuschuss 2011 nicht mehr Pflichtleistung ist, sind die Zahlen der Gründungen deutlich gesunken.

Ich würde mich auch sehr über eine bessere allgemeine Unterstützung von Seiten des Bundes und des Landes NRW für Gründer freuen. Allein die bürokratische Hürde scheint angehenden Selbstständigen immer ein unüberwindbares Hindernis zu sein.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Fuer-Gruender.de SiegelDas Unternehmen thoennessenpartner ist im Netzwerk auf Für-Gründer.de vertreten und unterstützt Gründer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Erfahren Sie mehr über thoennessenpartner im Profil der Dienstleister- und Beraterbörse.

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