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Deutschlands Inkubatoren im Test: wer schneidet gut ab?



Mücke, Sturm & Company ist ein auf internetbasierte Geschäftsmodelle spezialisiertes Beratungsunternehmen. Vor kurzem hat MS&C den Inkubatoren-Markt in Deutschland im Detail untersucht. Wir wollten von Christian Reichmann, Autor der Studie, wissen, für welche Art von Gründer ein Inkubator interessant sein kann und warum zwischen Inkubator, Accelerator und Company Builder unterschieden wird.



Für-Gründer.de: In der vor kurzem veröffentlichten Studie haben Sie den „Existenzgründer Brutkasten“ Markt in Deutschland im Detail analysiert. Dabei haben Sie in einem ersten Schritt den Markt in Inkubator, Accelerator und Company Builder unterteilt – warum?

Christian Reichmann von MS&C: In erster Linie haben wir die Unterteilung vorgenommen, um die unterschiedlichen Modelle im Markt vergleichen zu können. Die Praxis zeigt, dass häufig keine eindeutige Abgrenzung der unterschiedlichen Unternehmensmodelle und deren Bezeichnung stattfindet- es werden gewissermaßen „Äpfel mit Birnen verglichen“. Die bewerteten Modelle unterscheiden sich beispielsweise deutlich im Hinblick auf das Investitionsvolumen, den Unterstützungsgrad für Gründer und das involvierte Netzwerk.

Übersicht Geschäftsmodelle
Unterschiedliche Unternehmensphasen – unterschiedliche Modelle der Unterstützung

Für-Gründer.de: Die Anzahl an Inkubatoren – inklusive Acceleratoren und Company Builder – ist ja nichtsdestotrotz relativ überschaubar – gibt es Ihrer Meinung nach noch Platz für weitere Inkubatoren in Deutschland?

Christian Reichmann von MS&C: Deutschland, allen voran Berlin, hat sich mehr und mehr zu einem attraktiven Standort für Gründungen im IT bzw. High Tech-Umfeld entwickelt. Hier ist derzeit kein Negativtrend erkennbar. Da Inkubatoren gerade im Kontext innovationsintensiver Branchen ein sinnvolles Modell sind, rechnen wir nicht damit, dass hier die Entwicklung zeitnah abflaut.

Inkubatoren in Deutschland
Trend Inkubator: immer mehr Großkonzerne mit eigenem Inkubator

Für-Gründer.de: Für welche Art von Existenzgründern kann eine Inkubator- bzw. Accelerator- oder Company Builder-Lösung interessant sein?

Christian Reichmann von MS&C: Grundsätzlich für alle Gründer, die bereit sind, sich bei ihrem Vorhaben extern unterstützen zu lassen.

Für-Gründer.de: Wo sehen Sie denn die größten Chancen und Risiken bei den jeweiligen Lösungen aus Sicht eines Existenzgründers?

Christian Reichmann von MS&C: Neben finanziellen Mitteln besteht sicherlich eine große Chance in der  Partizipation von externer Erfahrung in einem strukturierten Programm mit klarer Zielsetzung, die häufig auch zeitlich terminiert sind. Auf der anderen Seite sind auch Inkubatoren keine Wohltätigkeitsvereine, sondern Wirtschaftsunternehmen und möchten ihre Dienstleistung in Form von Anteilen bezahlt bekommen. Zudem kann immer Konfliktpotential bestehen, wenn das Gründungsteam in gewisser Weise um externe Parteien erweitert wird.

Für-Gründer.de: Welche Eigenschaften sollte ein Inkubator Ihrer Meinung nach aufweisen, um in Zukunft erfolgreich zu sein?

Christian Reichmann von MS&C:

Bezogen auf unsere Gründerbefragung sind es vor allem drei Dinge: erfahrene Manager und ein tragfähiges Netzwerk unter Berücksichtigung nicht allzu intensiver unternehmerischer Einflussnahme.

Für-Gründer.de: Es scheint, als könnte man mit einer guten Idee zwischen zwei Varianten wählen. Entweder, man entscheidet sich für die „Rocket Internet Variante“ – wo man zwar Unterstützung und genügend Kapital bekommt, aber auch die Mehrheit am Unternehmen abgibt – oder aber man bekommt wenig Unterstützung und Kapital wie bei den Acceleratoren, muss dafür aber auch nicht viel vom Unternehmen abgeben. Warum gibt es keine Lösung dazwischen?

Christian Reichmann von MS&C: Das trifft meiner Ansicht nach nicht ganz zu. Und hier kommen gerade die betrachteten Konzerninkubatoren ins Spiel. Hier sprechen wir häufig von mittleren Investitionsvolumina von 300-500 Tausend Euro. Je nach Bewertung halten sich bei diesen Größen die ausgegebenen Anteile in Grenzen.

bewertung II inkubatoren
Unterschiedlich aktive Inkubatoren – Anzahl Investitionen und Volumen

Für-Gründer.de: Gemäß der Studie haben Acceleratoren einen Investitionshorizont von bis zu einem Jahr, Inkubatoren ein bis zwei Jahre und Company Builder von über zwei Jahren. Was machen diejenigen Start-ups, die einen langfristigen strategischen Partner suchen?

Christian Reichmann von MS&C: Diese Unternehmen sollten sich tatsächlich einen längerfristig orientierten Finanzierungspartner wie bspw. einen Business Angel oder eine Venture Capital Firma suchen. Bei letzteren lag die durchschnittliche Haltedauer bei ca. 6o Monaten im letzten Jahr in Deutschland. Die Modelle, die wir betrachtet haben, richten sich, wie erwähnt, auf die frühen unternehmerischen Entwicklungsphasen.

Für-Gründer.de: In Ihrer Studie zeigen Sie auf, wie wichtig es für Unternehmen in innovationsintensiven Branchen ist, einen „Corporate Incubator“ aufzubauen. In den Bereichen Telekom und Medien sind die entsprechenden Unternehmen mit ihren jeweiligen Inkubatoren ja bereits relativ aktiv – was ist aber mit anderen Branchen, wie zum Beispiel die Automobilindustrie? Warum gibt es da noch keinen Inkubator?

Christian Reichmann von MS&C: Das mag zum Teil in der Geschwindigkeit der Innovation- bzw. Entwicklungszyklen begründet liegen. In einer traditionellen Branche wie der Automobilindustrie sprechen wir häufig von  3-5 Jahren, im Marktumfeld der digitalen Ökonomie sind es zum Teil mehrere Wochen.

Allerdings ist in den letzten Jahren intensiv zu beobachten, dass digitale Innovation bzw. Elemente digitaler Märkte mit Innovationen der klassischen Branchen wie Automobil, Energie oder auch dem Gesundheitssektor zusammenwachsen.

Dies hat unweigerlichen Einfluss auf die Verkürzung der Entwicklungszyklen dieser Branchen. In diesem Zusammenhang spricht aus meiner Sicht wenig gegen ein Corporate Incubation Model in einer klassischen Industrie.

Für-Gründer.de: Mal Hand aufs Herz – ist der größte Gewinn der Corporate Incubators nicht der Reputationsgewinn? Weder You-is-Now (Anmerkung: von der Immoscout-Gruppe) oder Plug-n-Play (Anmerkung: gehört zu Axel Springer) tragen doch substanziell zum Unternehmenswert bei, oder etwa nicht?

Christian Reichmann von MS&C: Betrachtet man die Corporate Incubators als Bestandteil der Innovationsstrategie von Konzernen, zeichnet sich ein anderes Bild. Geschäftsmodelle aus dem Inkubator können in bestehende Geschäftszweige integriert werden, somit das bestehende Produktportfolio ergänzen oder erweitern. Zudem werden externe Innovationen frühzeitig ins Unternehmen geholt und entwickelt anstatt sie später hinzuzukaufen. Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Effekt ist tatsächlich der Reputationsgewinn im Hinblick auf den Wettbewerb um die besten Köpfe.

Der Return auf das eingesetzte Kapital ist in der Tat derzeit ein wichtiges Thema, wäre aber zu kurz gedacht.

Inkubatoren Bewerertung von MS&C
Bewertung der Inkubatoren in Deutschland durch MS&C

Für-Gründer.de: Die Deutsche Telekom hat bereits 1997 T-Ventures als Corporate Venture Capital Unternehmen gegründet. 2012 folgte dann Hubraum. Warum braucht man Ihrer Meinung neben einer hauseigenen VC Einheit zusätzlich noch einen Inkubator und wo liegt aus Ihrer Sicht der Vorteil für die Telekom?

Christian Reichmann von MS&C: Ein Corporate Venture Bereich agiert grundsätzlich unterschiedlich zu einem konzerneigenen Inkubator. Beide Elemente aufeinander abzustimmen, sie in gewisser Weise zu verzahnen wäre ein richtiger Schritt zu einem integrierten Inkubationsansatz im Konzern. Die offenkundigen Vorteile sind: der Inkubator erhält einen vereinfachten Weg zur Anschlussfinanzierung der Portfoliounternehmen, der VC kann auf einen Pool von – in gewisser weise intern geprüften – Unternehmen zugreifen.

Für-Gründer.de: Herr Reimann, wir danken Ihnen herzlich für das Interview!