StartUp4Climate: 14 Prozent grüne Gründer in Deutschland



Die deutsche Gründerinitiative StartUp4Climate nahm die Gründerwoche Deutschland 2013 zum Anlass für den eigenen Startschuss. Von nun an zählen die Motivation, Förderung, Beratung und Vernetzung von grünen Gründern und Start-ups zu den Aufgaben der Initiative. Wir sprachen mit Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate über die Zahl der grünen Unternehmensgründungen in der Bundesrepublik und wollten wissen, was ein grünes Start-up ausmacht.



Für-Gründer.de: Im Rahmen der diesjährigen Gründerwoche Deutschland fiel der Startschuss für die Gründerinitiative StartUp4Climate – wie kam es dazu und wer steht hinter der Initiative?

Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate: Junge Unternehmen sind häufig mutige Pioniere bei der Entwicklung und Markteinführung von „grünen“ Produkten und Dienstleistungen. Das Borderstep Institut beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Umweltinnovationen, etwa im Feld der erneuerbaren Energien, der nachwachsenden Rohstoffe oder der Biolebensmittel.

Die Nationale Klimainitiative des Bundesumweltministeriums war dann der Auslöser, die Idee einer „grünen“ Gründerinitiative gemeinsam mit dem ADT-Bundesverband der deutschen Innovations- und Gründerzentren und der EXIST-Gründerhochschule Universität Oldenburg zu realisieren.

Dr. Ralf Weiß
Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate

Für-Gründer.de: An wen richtet sich die nationale Gründerinitiative StartUp4Climate?

Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate: Als Hauptaufgabe haben wir uns vorgenommen, in den kommenden drei Jahren neue Anreize und bessere Bedingungen für grüne Gründungen in Deutschland zu schaffen. Damit wollen wir Unternehmensgründungen in den Zukunftsfeldern Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft oder Ressourceneffizienz stimulieren und stärken. StartUp4Climate richtet sich sowohl an Start-ups als auch an Akteure, Initiativen und Einrichtungen, die Gründungen unterstützen und fördern.

Neben Gründerzentren und Inkubatoren zählen hierzu Gründer- und Businessplanwettbewerbe, Gründungsberater, Investoren und Business Angels. Wie bei unserer Auftaktveranstaltung in Berlin arbeiten wir beispielsweise mit Industrie- und Handelskammern zusammen, kooperieren aber auch mit Hochschulen, Forschungsinstituten und Fördereinrichtungen.

Für-Gründer.de: Bitte beschreiben Sie unseren Lesern kurz die Arbeitsfelder der Initiative?

Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate: Unsere Aktivitäten lassen sich mit den vier Stichworten Motivieren, Vernetzen, Fördern und Beraten beschreiben. Wir können schon viel erreichen, wenn wir bestehende Aktivitäten zusammenbringen und vernetzen.

Dies tun wir mit Veranstaltungen, beispielsweise einem neuen Gründerforum auf der Messe IndustrialGreenTec, mit einem nachhaltigkeitsorientierten Gründerportal, das sowohl Termine als auch Fördermöglichkeiten zugänglich macht, oder mit einem Kompetenznetz von Gründerzentren, die „grünen“ Gründern nicht nur Räume, sondern auch gezielte Coachings und Trainings anbieten.

Im Bereich Beratung wollen wir ein Businessplan-Tool entwickeln, mit dem Gründer bereits bei der Erstellung des Businessplans etwa ihren CO2-Footprint beachten. Und wir wollen für unterschiedliche Felder der Green Economy nationale und internationale Good Practices bekannter machen.

Für-Gründer.de: Was genau macht eine grüne Gründung aus?

Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate:

Eine grüne, nachhaltigkeitsorientierte Gründung ist vor allem ein Beitrag zur Lösung und nicht Teil des Problems. Start-ups können mit ihren Produkten und Dienstleistungen von Anfang an dafür sorgen, dass Energie und Ressourcen effizienter eingesetzt werden oder weniger CO2 ausgestoßen wird.

In unserem Green Economy Gründungsmonitor unterscheiden wir acht ökologische Zielfelder einer Green Economy, zu denen Start-ups aller Wirtschaftssektoren beitragen können.

Für-Gründer.de: Welche Ausgangssituation finden Sie im Hinblick auf grüne Gründer in Deutschland vor? Wie viele grüne Start-ups und Jungunternehmen gibt es in Deutschland?

Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate: Diese Frage haben wir uns vor gut einem Jahr auch gestellt und dazu weder national noch international Zahlen gefunden. Das war der Auslöser für die Entwicklung des Green Economy Gründungsmonitors. In einer vergleichenden Pilotstudie bei über 1.000 Unternehmen in deutschen und kalifornischen Gründerzentren konnten wir so erste Zahlen zum grünen Gründungsgeschehen erheben. Dabei kommen wir in deutschen Gründerzentren auf einen Anteil von etwa 14 Prozent grüner Gründungen.

StartUp4Climate Arbeitsfelder
Die Gründerinitiative StartUp4Climate macht sich die Motivation, Förderung, Beratung und Vernetzung von grünen Unternehmen in der Bundesrepublik zur Aufgabe

Für-Gründer.de: Inwiefern tragen grüne Unternehmen zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands bei?

Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate: Sie haben einen überdurchschnittlichen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg. Liegt der Weltmarktanteil der deutschen Industrie bei sieben Prozent, ist er im Bereich der Green Economy mit 15 Prozent zu beziffern; mit entsprechender Relevanz für Arbeitsplätze und Steueraufkommen.

Angesichts von Marktprognosen, die von einer weltweiten Verdopplung der Green Economy in den nächsten zehn Jahren ausgehen, kann in mehrfacher Hinsicht von einem wichtigen Zukunftsmarkt gesprochen werden.

Für-Gründer.de: Der Green Economy Gründungsmonitor analysiert den Beitrag grüner Unternehmensgründungen zu den Zielen der Green Economy in Deutschland und Kalifornien – warum wird ein Vergleich zwischen Deutschland und Kalifornien gezogen? Und wie fällt dieser Vergleich aus?

Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate: Von vornherein wollten wir mit dem Green Economy Gründungsmonitor internationale Vergleiche ermöglichen. Deutschland und Kalifornien weisen einige Gemeinsamkeiten auf, die sich sowohl in Wirtschaftskraft und -struktur als auch der umweltpolitischen Vorreiterrolle zeigen. Und natürlich ist Kalifornien und das Silicon Valley ein Start-up-Mekka. Nach unseren Ergebnissen können wir auch von einem Sustainable Valley sprechen, in dem fast jedes dritte Start-up in den untersuchten Inkubatoren im Bereich der Green Economy tätig ist.

Für-Gründer.de: Bei der Auftaktveranstaltung in der IHK Berlin sagte Prof. Dr. Reinhard Pfriem von der Universität Oldenburg in seinem Kurzvortrag, dass Überschwemmungen und weitere Katastrophen fälschlicherweise als Umweltkatastrophen bezeichnet werden, allerdings vielmehr soziale Katastrophen seien – könnten Sie für unsere Leser kurz genauer erklären, was damit gemeint ist?

Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate:

Ulrich Beck wies bereits vor über 25 Jahren in seinem Buch „Risikogesellschaft“ darauf hin, dass ökologische Gefahren und Katastrophen auch enorme Nebenfolgen für Gesellschaft und Politik haben und sowohl wirtschaftliche als auch soziale Sicherheiten in Frage stellen können.

Die Folgen von zunehmenden Extremwetterereignissen und Flutkatastrophen wie in Indonesien führen erschreckend vor Augen, dass wir es beim Klimawandel mit sozialen und existenzgefährdenden Katastrophen zu tun haben.

Für-Gründer.de: Welche langfristigen Ziele setzt sich die Gründerinitiative StartUp4Climate?

Dr. Ralf Weiß von StartUp4Climate: Die Gründerinitiative soll langfristig dazu beitragen, Anzahl und Erfolg von grünen Gründungen in Deutschland maßgeblich zu steigern und die Kohlendioxidemissionen der deutschen Wirtschaft deutlich zu senken.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit der Gründerinitiative.

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    Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gemeinnützige GmbH
    Dr. Ralf Weiß
    Clayallee 323
    14169 Berlin
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    Telefax: 030 306 45 100-9
    E-Mail: weiss@borderstep.de
    Website: www.startup4climate.de