Ein Herz für Tiere: tierfreundliche Geschäftsideen



Ist Vegan das neue Bio? Über 800.000 Deutsche leben vegan und beschränken sich damit bei ihrem Konsum auf tierfreie Produkte. Spätestens seitdem einige prominente Vertreter wie Schauspielerin Natalie Portman, Boxer Mike Tyson und ehemaliger US-Präsident Bill Clinton sich zum Veganismus bekannt haben, geht das Thema durch die Medien und erreicht damit auch breite Bevölkerungsschichten. Neben einem reinen Gewissen, versprechen sich viele positive Auswirkungen auf Aussehen und Gesundheit und liebäugeln daher mit einer veganen Ernährung.

Eine vegane Lebensweise umfasst aber nicht nur die Ernährung. Angefangen bei der Jeans, auf der in der Regel ein Lederlabel auf der Rückseite aufgenäht ist bis zum an Tieren getesteten Shampoo beim Friseurbesuch hält der Alltag für Veganer einige Herausforderungen parat: eine Chance für Gründer mit entsprechenden Geschäftsideen diese wachsende Zielgruppe für sich zu gewinnen. Wir stellen ihnen heute mit dem Restaurantkonzept Sattgrün, dem „KosmEthikstudio“ Vegan Rocks Beauty und dem Einzelhandelsfranchise Veganz dazu drei interessante Beispiele vor und werfen anschließend mit dem Start-up ModernMeadow einen Blick auf die Zukunft des tierfreundlichen Fleischkonsums.

Vegan schlemmen bei Sattgrün

Die Geschäftsidee Sattgrün ist ein Restaurant, das auf ein komplett pflanzliches Angebot setzt. Auf der Speisekarte fehlen also nicht nur Fleisch sondern jegliche tierische Produkte wie zum Beispiel Eier, Milch und Honig. Den Gerichten mangele es dem Gründer der Geschäftsidee Sattgrün, Peter Zodrow, zu Folge trotzdem nicht an essentiellen Nährstoffen, denn Pflanzen wie rote Bete und Sojabohnen enthielten ausreichend Eisen und Proteine. Das Angebot an Speisen bei Sattgrün zeigt, dass eine vegane Ernährungsweise keinen Verzicht bedeutet. Gerichte mit klingenden Namen wie „grüne bohnen, bananen + süßkartoffeln in scharfer kokos-sauce“ oder „rote beete mit äpfeln, glatter petersilie + sonnen-blumenkernen in dunklem balsamico-zitronen-jus“ versprechen kulinarische Vielfalt.

Bei Sattgrün gibt es auch veganen Kuchen (Quelle: sattgruen.de)
Bei Sattgrün gibt es auch veganen Kuchen (Quelle: sattgruen.de)

Ein kleiner Teller kostet bei der Geschäftsidee Sattgrün 6,50€, eine große Portion 8,90€. Durch ein Selbstbedienungskonzept und den daraus folgenden Verzicht auf Servicepersonal können diese günstigen Preise ohne Abstriche bei der Qualität der Gerichte erreicht werden. Aktuell gibt es drei Filialen in Düsseldorf. Für die Zukunft sind weitere Sattgrün Standorte und ein Franchisekonzept geplant. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ohne schlechtes Gewissen schön: das „KosmEthikstudio“ Vegan Rocks Beauty

Wer Tierleid vermeiden will, kann nicht bei der Umstellung seiner Ernährung aufhören. Denn viele Alltagsprodukte wie zum Beispiel Kosmetika enthalten tierische Inhaltsstoffe und werden in Versuchslaboren an Tieren getestet. Das Kosmetikstudio Vegan Rocks Beauty ist Deutschlands erstes veganes Kosmetikstudio. Gegründet im Jahr 2012 hat sich das Team von Vegan Rocks Beauty zum Ziel gesetzt sämtliche Angebote und Dienstleistungen des Kosmetikmarkts in einer tierleidfreien Variante anzubieten. Da es dafür auf dem Markt häufig keine fertigen Lösungen gibt, ist viel Recherchearbeit und Kreativität gefragt.

Beim Einkauf von Werkzeugen wie Bürsten und Apparaten bis hin zu den Kosmetika schaut Gründerin Monika Hertel besonders genau hin und lässt sich von den Lieferanten schriftlich versichern, dass weder tierische Inhaltsstoffe verwendet noch an Tieren getestet wurde. Dies stellt einen großen Pluspunkt für die veganen Kunden des „Vegan Rocks Beauty“ dar, die es sonst gewohnt sind bei jedem Produkt selber aufwändig recherchieren und beim Hersteller hinterfragen zu müssen. So hilft diese Geschäftsidee Veganern den Gang zum Kosmetikstudio in Einklang mit der eigenen Philosophie zu bringen und sichert sich die Loyalität dieser wachsenden Zielgruppe.

Keine Gedanken machen beim Einkaufen

Über das Supermarktkonzept „Veganz“ berichteten wir bereits im vergangen April. Seitdem hat das Franchise bereits drei neue Standorte in Deutschland eröffnet und plant bis nächstes Jahr mit fünf weiteren Märkten international zu expandieren. Das Veganz ist ein veganer Vollsortiment-Supermarkt. Die Produktpalette umfasst rund 6.000 Artikel des täglichen Bedarfs, wie Obst und Gemüse, Fleisch- und Käsealternativen, Kosmetika und Hygieneartikel. Teil des Geschäftskonzepts ist auch ein veganer Backshop, ein Café und sogar ein veganer Schuhladen, der auf Schuhe aus tierischem Leder verzichtet. Darüber hinaus bietet die Geschäftsidee Veganz in ihren Märkten Seminare, Kinoabende sowie Kochkurse, um frisch überzeugten Veganern den Einstieg in die neue Küche zu erleichtern. Ein Cateringservice sowie ein Online-Shop runden das Angebot ab. Weitere Informationen finden Sie hier.

Geschäftsführer Veganz
Gründer Veganz, Jan Bredack

Ein Blick in die Zukunft: Fleisch aus dem 3D Drucker

Diese Geschäftsidee dürfte für einige Kontroversen sorgen, sobald sie ihre Produkte auf den Markt bringt und das sowohl bei Fleischliebhabern als auch Veganern. Denn ModernMeadow stellt Fleisch und Leder im Labor her. Auf den ersten Blick wirkt das makaber, doch bieten sich dadurch ungeahnte Chancen: Für Veganer ist ModernMeadow interessant, da durch das so genannte Bioprinting bei der Produktion des Fleisches kein Tier leiden muss. Darüber hinaus ist das Produktionsverfahren von ModernMeadow weniger ressourcenintensiv als die klassische Fleischproduktion. Es wird 99% weniger Ackerfläche benötigt, 96% weniger Wasser verwendet und 45% weniger Energie verbraucht. Auf einen Schlag könnten sowohl die Ernährung einer stetig wachsenden Erdbevölkerung als auch der Tierschutz sichergestellt werden.

Möglich wird das durch Fortschritte in der Stammzellenforschung und beim 3D Druck. Zur Herstellung von Fleisch oder Leder wird einem lebenden Tier eine kleine Gewebeprobe entnommen, diese in speziellen Kesseln vermehrt und mit Hilfe eines speziellen 3D Druckers zu Gewebeschichten zusammengesetzt. Dass es sich dabei nicht um eine Fantasie aus einem Science Fiction Film handelt, bewies der Gründer von ModernMeadow, als er Mitte dieses Jahres die erste Serie des so hergestellten Leders auf einem Kongress präsentierte. Aktuell arbeitet ModernMeadow an der Marktreife seines Produktes und hat dafür ein sechsstelliges Investment des PayPal-Gründers Peter Thiel erhalten. Nachfolgend finden Sie die Videoaufzeichnung der eben erwähnten Präsentation. Weitere Informationen finden Sie auf modernmeadow.com

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