Finanzierung der Geschäftsidee mit Hanse Ventures



Inkubatoren können viel zur erfolgreichen Finanzierung der Geschäftsidee beitragen. Sie unterstützen junge Unternehmen bei der Entwicklung des Geschäftsmodells sowie bei der Gründungs- oder Anschlussfinanzierung. Wir sprachen mit Jochen Maaß von Hanse Ventures über das Leistungsangebot des Inkubators und die konkrete Arbeitsweise, um aus einer Idee ein erfolgreiches Start-up zu machen. Dabei erhielten wir praxisnahe Tipps für Gründerteams, die bei Hanse Ventures anklopfen möchten.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Maaß, wie sah denn Ihr beruflicher Weg bis zum Geschäftsführer des Inkubators Hanse Ventures aus?

Jochen Maaß von Hanse Ventures: Ich bin seit fünfzehn Jahren Internet-Unternehmer aus Leidenschaft. Bereits während meiner Schulzeit gründete ich die artaxo AG, die heute zu den führenden Agenturen für Suchmaschinenoptimierung zählt. Als Business Angel unterstützte ich über die Jahre mehr als 30 Internet-Unternehmen. Ich wollte meine Erfahrung aus den eigenen Gründungen und mein Wissen aus den Bereichen Online Marketing und Investments sinnvoll einsetzen, sodass die Gründung von Hanse Ventures der nächste logische Schritt war.

Gemeinsam mit meinen Partnern Alexander Eulenburg und Tobias Seikel, unseren Gründungsgesellschaftern Rolf Schmidt-Holtz und Bernd Kundrun sowie dem gesamten Hanse Ventures Team unterstützen wir nun seit unserer Gründung im Jahr 2010 Nachwuchsunternehmer beim Aufbau erfolgreicher Start-ups.

Der Gründer von Hanse Ventures Jochen Maaß und seine Partner Alexander Eulenburg und Tobias Seikel (v.l.n.r.)
Der Gründer von Hanse Ventures Jochen Maaß und seine Partner Alexander Eulenburg und Tobias Seikel (v.l.n.r.)

Für-Gründer.de: VC-Fonds, Inkubator, Accelerator… manchmal ist es da nicht mehr ganz einfach einzuschätzen, wer der beste Partner für mein Start-up sein kann. Wie würden Sie hier abgrenzen und den Inkubator positionieren?

Jochen Maaß von Hanse Ventures: Hanse Ventures ist im Kern ein Company Builder, d.h. wir recherchieren aktiv Themen und suchen hierfür die passenden Gründerteams. Gemeinsam bauen wir dann als Co-Gründer die Unternehmen auf. Wir haben in unserem Team bspw. Experten aus den Bereichen IT & Entwicklung, Design, Online Marketing und Public Relations sitzen, die aktiv mit den Gründern von der Idee, über den Prototypen bis hin zum Launch zusammen arbeiten. Mit dieser gebündelten Kompetenz können wir Projekte schnell realisieren, was gerade im Online Business elementar ist.

Ein weiterer zentraler Punkt, bei dem wir unterstützen, ist die Finanzierung. Hier scheitern bereits viele Gründer im Alleingang, weil ihnen der Zugang zu den richtigen Netzwerken und der nötige lange Atem fehlen. Bei uns ist das anders, wir leisten sowohl Anschubfinanzierung und kümmern uns auch intensiv um die Anschlussfinanzierungen in den späteren Phasen unserer Start-ups.

Die Accelerator Programme in Deutschland orientieren sich oft an den englischen und amerikanischen Vorbildern. Sie sind zeitlich begrenzt auf drei bis zwölf Monate und bieten Start-ups einen fixen Rahmen aus Finanzierung, Infrastruktur und Netzwerk, das diese dann in der Gemeinschaft mit anderen Start-ups nutzen können, um an ihren Projekten zu arbeiten. Ein Company Builder bringt sich häufig intensiver und aktiver ein, was auch eine andere Anteilsverteilung rechtfertigt.

Venture Capital Unternehmen steigen in der Regel in späteren Phasen bei bereits gegründeten und erfolgreich angelaufenen Start-ups ein und unterstützen diese auch nicht operativ. In der Praxis sind die Grenzen zwischen diesen verschiedenen Angeboten nicht immer ganz trennscharf. Jeder Gründer muss für sich prüfen, welches Modell am besten zu ihm und seinem Unternehmen passt.

Für-Gründer.de: Wie arbeitet der Inkubator im Detail und wie werden aus den Ideen erfolgreiche Start-ups?

Jochen Maaß von Hanse Ventures: Unser Team Research & Development prüft laufend Ideen. Wenn wir ein Thema spannend finden, suchen wir in unserem Netzwerk passende Gründer und stellen ihnen die Idee vor. Wenn beide zusammen passen, setzen wir in der nächsten Phase ein Unternehmen auf. Je nachdem wie stark das Know-how der Gründer ausgeprägt ist, unterstützen wir nun den Aufbau mit unterschiedlichen Ressourcen. Die Gründer können sich so auf das Wachstum ihres Unternehmens konzentrieren, was im Online Business entscheidend ist.

In der nächsten Phase hat sich das Start-up zu einem Unternehmen mit gewachsenen Strukturen entwickelt, das dann flügge wird und häufig den Inkubator verlässt. Ein tolles Gefühl, bei dem man als Mitgründer aber auch loslassen können muss. Selbstverständlich bleiben wir als Sparringspartner immer an der Seite und unterstützen dann auch in der nächsten wichtigen Phase, wenn ein Start-up einen Exit plant.

Für-Gründer.de: Welche Gründer sollten bei Hanse Ventures anklopfen?

Jochen Maaß von Hanse Ventures: Wir freuen uns über unternehmerische Talente – egal, ob mit oder ohne eigener Idee – die Lust haben, in so einem Konstrukt mit uns zu gründen. Da wir uns als Mitgründer aktiv einbringen, bleiben konstruktive Diskussionen nicht aus. Wer dies nicht möchte, für den mag ein Inkubator nicht die richtige Anlaufstelle sein. Wir bevorzugen Gründerteams, die nicht als Einzelkämpfer durchs Leben gehen, sondern gemeinsam etwas bewegen wollen.

Für-Gründer.de: Wie sehen dann klassischer Weise die Beteiligungsmodelle aus?

Jochen Maaß von Hanse Ventures: Wir gründen die Unternehmen gemeinsam mit dem jeweiligen Managementteam, stellen unsere Ressourcen zur Verfügung und leisten die Anschubfinanzierung. Das Management Team bringt sich operativ ein und erhält Anteile am Unternehmen, meist zwischen 30 und 50 Prozent.

Zudem helfen wir unseren Start-ups bei den Anschlussfinanzierungen. Wir haben Erfahrungen mit unterschiedlichen Beteiligungsmodellen und bisher ist uns bei allen Start-ups eine Anschlussfinanzierung gelungen.

Für-Gründer.de: Können Sie uns ein paar Beispiele für aktuelle Portfolio-Unternehmen geben und kurz aufzeigen, warum Sie diese unterstützen?

Jochen Maaß von Hanse Ventures: Bei unserem Portfolio-Unternehmen pflege.de ist der Markt aufgrund des demografischen Wandels riesig. Im Verhältnis zu anderen Bereichen war dieser Markt im Online-Bereich aber unterrepräsentiert. Es gab also eine realistischen Chance für uns, Marktführer zu werden. Nach der Übernahme des Pflegeportals domizilsuche.de und der erfolgreichen Partnerschaft mit dem Deutschen Pflegering ist pflege.de zu einem der reichweitenstärksten Portale im Bereich der Altenpflege in Deutschland gewachsen und entwickelt sich weiter sehr erfreulich.

Bei unserem Übersetzungsdienstleister Toptranslation haben wir erkannt, dass der internationale Übersetzermarkt extrem fragmentiert ist und über Jahre überwiegend  sehr ineffizient betrieben wurde. Durch den Einsatz intelligenter Software und den Möglichkeiten des Internets haben wir ein Service-Angebot entwickelt, das sich auf die flexiblen Ansprüche einer international agierenden Unternehmung anpasst.

Für-Gründer.de:  Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Hürden beim Aufbau eines Start-ups?

Jochen Maaß von Hanse Ventures: Das Timing ist ein zentraler Aspekt beim Gründen. Es kommt oft vor, dass man mit einer Idee entweder zu früh oder aber zu spät am Markt ist. Auch die Zeit von der Idee bis zur professionellen Umsetzung ist elementar – hier ist Geschwindigkeit ein zentraler Erfolgsfaktor. Denn häufig ist man nicht der einzige mit dieser Idee. Gerade für Start-ups, die ohne externe Hilfe gegründet werden, ist die Finanzierung eine große Hürde. Wenn die Gründer in vorherigen Projekten noch nicht bewiesen haben, dass sie gründen können, werden sie es schwer haben, Investoren zu überzeugen. Das ist mit uns und unserem Netzwerk natürlich einfacher.

Für-Gründer.de: Wie würden Sie die deutsche VC-Szene bewerten – wo besteht ggf. noch Verbesserungsbedarf?

Jochen Maaß von Hanse Ventures: Im Vergleich zur internationalen Szene steht Deutschland immer noch weit hinten an. Was die Frühphasen-Investitionen angeht hat es sich etwas gebessert. Viele große Medienunternehmen und Konzerne haben ja mittlerweile ein Accelerator-Programm. Was die späteren Investitionsphasen angeht, gibt es in Deutschland gerade mal eine Hand voll VCs, die nennenswert investieren.

Für-Gründer.de: Und zum Abschluss: was sind Ihre wichtigsten Tipps für junge Gründer auf der Suche nach Kapital und Unterstützung?

Jochen Maaß von Hanse Ventures: Gründer meinen immer, sie müssten im stillen Kämmerlein an ihrer Idee basteln.

Ich rate eher dazu, frühzeitig mit anderen Menschen darüber zu sprechen. So erhöht sich die Chance, wichtiges Feedback einzuholen und an die richtigen Multiplikatoren zu geraten. Hierfür muss der sogenannte „Elevator Pitch“ gut vorbereitet sein. Auch komplizierte Themen müssen in einer Minute leicht erläutert werden.

Eine wichtige Eigenschaft ist Hartnäckigkeit. In der Gründerpresse werden ja immer nur die erwähnt, die es geschafft haben und so entsteht ein verzerrtes Bild. Viele Gründer von heute erfolgreichen Unternehmen haben in den Anfangstagen auch jede Menge Absagen von Investoren, Kunden und Partnern erhalten. Sie haben trotzdem durchgehalten und weiter gemacht.

Gründer mit Ideen können sich über das Gründerformular bei Hanse Ventures bewerben.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch!