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Business Angel Andreas Lukic im Gespräch



Business Angels, das sind häufig ehemalige Geschäftsführer oder Unternehmer, die mit ihrem Kapital und ihrem Know-how junge Unternehmen unterstützen.Bei den Business Angels FrankfurtRheinMain e.V. sind knapp 100 Business Angels aktiv sind. Der Verein versteht sich als Forum für kapitalsuchende Unternehmen und Investoren.



Wir sprachen mit dem Vorstand der Business Angels Frankfurt RheinMain Andreas Lukic über die Gründe Business Angel zu werden, seine persönliche Investmentstrategie und wie er seine Start-ups unterstützt.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Lukic, wieso sind Sie Business Angel geworden und was haben Sie bisher in Ihrem Berufsleben gemacht?

Andreas Lukic von Business Angels FRM: Beruflich war ich bereits vor der Jahrtausendwende lange Jahre im Private Equity-Bereich unterwegs. Mit einer eigenen Beteiligungsgesellschaft – der ValueNet Capital Partners – bin ich seit dem Jahr 2000 im Bereich der mittelständischen Beteiligungsfinanzierungen vertreten. Dort treten wir bei einem Finanzierungsbedarf im deutlich zweistelligen Millionenbereich auf, etwa bei der Unternehmensnachfolge.

Im Zuge der ersten .com-Blase bin ich auch stärker mit Venture Capital-Finanzierungen in Berührung gekommen und bin dann nach 2000 erste private Beteiligungen an Start-ups eingegangen. Dies hat sich dann über die Jahre fortgesetzt. Dabei bin ich 2002 zu den Business Angeln FrankfurtRheinMain gestoßen und gehörte mit zu den ersten Mitgliedern. Seit 2006 bin ich dort ehrenamtlich im Vorstand und seit 2008 Vorsitzender. Dabei liegt mir einerseits die Unterstützung der Start-ups bei der Investorensuche und -ansprache am Herzen. Andererseits geht es aber auch darum neue Business Angels zu gewinnen und Leute an dieses Thema heranzuführen.

Für-Gründer.de: Für welche Geschäftsideen und Branchen haben Sie ein besonderes Faible? Vielleicht können Sie uns ja einige Start-ups nennen, in die Sie investiert haben.

Andreas Lukic von Business Angels FRM: Bei mir stehen IT, Software und Internet-Start-ups im Mittelpunkt. Denn hier sind die Investitionssummen überschaubar mit denen man dann auch operativ schon einiges bewegen kann. Zur Investmentgeschichte eines Business Angels zählen natürlich erfolgreiche und nicht-erfolgreiche Beteiligungen. So gehörte damals vor der Krise am Neuen Markt ein Start-up aus dem Bereich e-procurement zu meinen ersten Investments. Doch mit dem Eintritt der Krise haben sich dann massiv die Marktbedingungen geändert.

Eine erfolgreiche Beteiligung hingegen ist beispielsweise die Winlocal GmbH, die lokale Dienstleister bei der Neukundengewinnung unterstützt, oder die Limbic Entertainment GmbH, die Spielesoftware entwickelt und vermarktet.

Homepage der Business Angels FrankfurtRheinMain e.V.
Business Angels FrankfurtRheinMain e.V. (Quelle: http://www.ba-frm.de)

Für Gründer.de: Worauf legen Sie beim Erstkontakt mit einem Start-up Wert? Was macht aus Ihrer Sicht einen gelungenen Pitch aus?

Andreas Lukic von Business Angels FRM:

Beim ersten Kontakt mit dem Start-up steht bei mir ganz klar das Gründerteam im Mittelpunkt. Hier lege ich Wert auf ein unternehmerisch denkendes, erfahrenes aber auch bedacht handelndes Team. Das Team sollte sich durch ein klares Commitment auszeichnen und auch bereit sein in den nächsten Jahren Krisen gemeinsam durchzustehen.

Themen wie Idee, Markt und Strategie werden dann in den Folgegesprächen näher beleuchtet, wenn das Team beim Pitch überzeugt hat.

Für-Gründer.de: Wie gehen Sie in der Praxis nach dem Erstkontakt mit dem Start-up weiter vor – welche Schritte erfolgen, bis Sie investieren?

Porträt des Vorstandsvorsitzenden der Business Angels FrankfurtRheinMain Andreas Lukic
Andreas Lukic, Vorstandsvorsitzender, Business Angels FrankfurtRheinMain

Andreas Lukic von Business Angels FRM: Die Dauer des Prozesses ist je nach Start-up sehr unterschiedlich. Sie reicht in der Praxis von 3 Monaten bis 6 oder 7 Monaten. Das liegt an mehreren Faktoren, oft sprechen und verhandeln die Gründerteams auch mit mehreren Investoren gleichzeitig und somit ergeben sich mehrere Schleifen bis zu finalen Entscheidung.

Auf dem Weg zum Beteiligungsvertrag steht natürlich auch eine Due Diligence an. Ich persönlich spreche hierzu sehr viel mit Branchenvertretern, anderen Unternehmen und Investoren, um ein besseres Gefühl für das Vorhaben und auch den potenziellen Exit zu erhalten. In der zweiten Phase der Due Diligence erfolgt auch eine Prüfung durch Anwalt und Steuerberater, damit auch auf der rechtlichen und steuerlichen Seite alles wasserdicht ist.

Für Gründer.de: Stichwort Bewertung – diese ist generell aber insbesondere bei Start-ups natürlich schwierig. Wie lösen Sie dieses Problem?

Andreas Lukic von Business Angels FRM: Der Businessplan kommt ja in der Regel mit sehr schönen Planzahlen daher, die einen hohen Unternehmenswert ergeben. In meiner Praxis der Private Equity-Finanzierungen im Mittelstand wende ich auch die klassischen Methoden der Bewertungsverfahren wie Multiples, Options- oder Discounted Cashflow-Modelle an. Bei Start-ups sehe ich davon aber ab.

Vielmehr geht es darum zu schauen, wie viel Finanzierungsrunden nötig sind, damit das Unternehmen Wert in Form von Gewinnen oder Assets generiert, die dann bspw. für einen strategischen Investor relevant sein können. Somit geht es auch grundsätzlich um das Exitszenario. In der Rückwärtsbetrachtung wird dann eher klar, welche Anteilshöhe für mich notwendig ist, damit ein Investment Sinn macht. Das gleiche gilt aber auch für die Anteilshöhe des Gründerteams. Und daraus ergibt sich dann der Dialog um ein gemeinsames Verständnis herzustellen, mit dem beide Seiten gut leben können. Dabei können dann zu Beginn direkt noch ein paar Prozentanteile hin und hergeschoben werden oder im Vertrag werden gewisse Regelungen für den Exitfall getroffen.

Für-Gründer.de: In welcher Höhe beteiligen Sie sich als Business Angel in der Regel in der ersten Finanzierungsrunde und welchen Beteiligungshorizont haben Sie?

Andreas Lukic von Business Angels FRM: Meine Beteiligungen bewegen sich im oberen einstelligen oder unteren zweistelligen Prozent-Anteilsbereich – sprich ausschließlich Minderheitsbeteiligungen, die mit einem Beiratsposten verbunden sein können. Im Idealfall wäre ein Beteiligungshorizont von 3 bis 4 Jahren perfekt. Allerdings ist dies in der Praxis eher selten der Fall.

Für-Gründer.de: Wie wichtig ist Ihnen eine mögliche Exit-Strategie bei der Investitionsentscheidung und welche Exit-Optionen haben Sie in der Vergangenheit bei Ihren Investments gewählt?

Andreas Lukic von Business Angels FRM:

Die Exit-Strategie ist von Beginn an ein wichtiges Thema. Dabei geht es darum mögliche Käufer zu identifizieren und das Unternehmen auch speziell in diese Richtung zu entwickeln. Den Exit im Hinterkopf erleichtert auch die Steuerung. Zwischendurch kann es dann natürlich vorkommen, dass Geschäftsmodelle angepasst werden – aber auch hier steht dann weiterhin der mögliche Exit im Fokus.

Meine Exit-Varianten waren fast ausschließlich strategische Verkäufe. Oder aber wie in einem Fall: es kommt kein Exit zustande und stattdessen generiert das Unternehmen kontinuierliche Erträge.

Für-Gründer.de: Ein Business Angel unterstützt Start-ups oft auch mit wertvollem Know-how und Kontakten – gleichzeitig hat er so auch die Möglichkeit für ein enges Controlling des Unternehmens. Wie handhaben Sie dies in der Praxis – gibt es regelmäßige Reportingtermine mit dem Gründerteam?

Andreas Lukic von Business Angels FRM: Zu Beginn und in der Startphase ist ein recht häufiger Kontakt, also durchaus 2 bis 3 Mal im Monat, sicherlich gut. Nach dem Startjahr ist es dann meist ein monatlicher Kontakt. Dazu bildet sich für das Reporting auch oft ein Raster heraus, in dem die wesentlichen Kennzahlen und Entwicklungen auf 1 bis 2 Seiten durch das Gründerteam aufbereitet werden.

Fachlich sehe ich meine Unterstützung vor allem bei Fragen der strategischen Entwicklung, Finanzierung und der Wertgenerierung. Da ich bereits in allen Branchen meiner Start-ups beruflich vertreten war und bin, fungiere ich daneben als Türöffner und Begleiter für Vertriebs- oder Strategiegespräche.

Für-Gründer.de: Wie ist aus Ihrer Sicht die Business Angel-Szene in Deutschland aufgestellt? Wo besteht noch Optimierungspotenzial?

Andreas Lukic von Business Angels FRM: Im Vergleich zu vor 10 oder 15 Jahren hat sich die Business Angel-Szene in Deutschland sehr gut entwickelt. Allerdings bestehen noch immer viele Defizite. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Business Angels in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Auch in den Medien fehlt das Thema häufig. Obwohl viele Personen eigentlich Business Angels sein könnten, muss hier oft noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, um ihnen das Thema näher zu bringen und sie zu Investments zu bewegen.

Positiv ist sicherlich, dass es mehr und mehr Initiativen gibt, die institutionalisiert werden. Dazu gehört z.B. der Deutsche Business Angels Tag, den wir 2012 in Frankfurt mit ca. 600 Teilnehmern mit veranstaltet haben. Oder auch Initiativen, wie z.B. den European Angels Fund, den wir eng begleiten. Und ganz aktuell wurde mit dem Investitionszuschuss Wagniskapital ein weiteres Instrument geschaffen, um Investitionen von Business Angeln zu fördern.

Für-Gründer.de Und zum Abschluss: was sind Ihre wichtigsten Tipps für Start-ups bei der Suche nach einem Investor?

Andreas Lukic von Business Angels FRM: Sich vorab im Internet informieren: Gründer sollten alle Quellen im Internet nutzen, um sich über die Finanzierungswege und Investorenmechanismen zu informieren.

Die Business Angel-Netzwerke nutzen: die Netzwerke bieten in der Regel viele Veranstaltungen auf denen Know-how vermittelt wird und Kontakte geknüpft werden können.

Und mein dritter Ratschlag: Nicht frustriert sein – zur Investorensuche gehört das Klinkenputzen – also bitte auch nicht nach der 4. oder 5. Matchingveranstaltung aufhören, sondern immer weiter machen. In der Regel wird die Ausdauer auch belohnt.

Für-Gründer.de: Herr Lukic, vielen Dank für das Gespräch.

  • Kontakt
    Business Angels FrankfurtRheinMain e.V.
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