Steuern und bürokratische Tücken… Martin Trost im Gespräch



Mit dem Einstieg in die Selbstständigkeit wird ein Unternehmer auch vor die Aufgabe gestellt sich mit der eigenen Gewinnermittlung und daraus resultierenden steuerlichen Folgen auseinanderzusetzen. Martin Trost von BFMT erklärt die Grundlagen des Rechnungswesens und gibt einige Tipps zur Bewältigung des Bürokratieaufwands.

Für-Gründer.de: Guten Tag Herr Trost, welche Wege der Gewinnermittlung haben Selbstständige und welche Wahlmöglichkeiten bestehen?

Martin Trost von BFMT: Guten Tag! Grundsätzlich werden sich die Existenzgründer mit der Frage konfrontiert sehen, ob sie zum Jahresende eine Bilanz oder eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen müssen. Prinzipiell besteht für jeden Gründer ein Wahlrecht zwischen diesen Gewinnermittlungsarten.

Welche die beste Wahl der Gewinnermittlung ist, kann – sofern nicht bereits gesetzlich die Bilanzierung vorgeschrieben ist – nur im Einzelfall entschieden werden. Diese Frage wird oftmals beim Erstgespräch mit dem zukünftigen Steuerberater oder bereits mit dem Gründungsberater geklärt, wobei stets die individuelle Situation des jeweiligen Gründers im Auge behalten werden muss.

Übersteigen jedoch bestimmte Unternehmenskennzahlen, z.B. die Größe des Unternehmens, der erwartete Umsatz, die Geschäftstätigkeit usw., gesetzlich definierte Werte, so besteht eine Bilanzierungspflicht. Aus unserer Praxis lässt sich zusammenfassend feststellen, dass in den meisten Fällen die Einnahmen-Überschuss-Rechnung für Neugründer eine sachgerechte Methode zur Gewinnermittlung darstellt.

Außerdem ist jeder Unternehmer und somit auch jeder Gründer an zwei Gesetzesgrundlagen gebunden. Das ist zum einen das Steuerrecht und zum andern das Handelsgesetzbuch.

Martin Trost BFMT
Martin Trost von BFMT

Für-Gründer.de: Worin bestehen die wesentlichen Unterschiede und welche Auswirkungen haben diese?

Martin Trost von BFMT: Jedes Unternehmen ist zu einer Gewinnermittlung verpflichtet. Der Gewinn kann, wie bereits kurz erwähnt, durch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder die Erstellung einer Bilanz ermittelt werden. Die Gewinnermittlung muss, sofern kein abweichendes Wirtschaftsjahr festgelegt wurde, für jedes Kalenderjahr, erfolgen.

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung bildet den Gewinn durch die Gegenüberstellung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben ab, Geschäftsvorfälle werden gemäß dem Zuflussprinzip – Wann gehen Zahlungen im Unternehmen ein? – und dem Abflussprinzip – Wann gehen Zahlungen aus dem Unternehmen aus? – beachtet. Hier wird also nur der tatsächliche Geldverkehr berücksichtigt. Lediglich in wenigen Ausnahmefällen z.B. Abschreibung wird das Zu- bzw. Abflussprinzip durchbrochen. Eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung wird von denjenigen aufgestellt, die gesetzlich nicht dazu verpflichtet sind, eine Bilanz zu erstellen und dies auch nicht freiwillig tun.

Die Bilanz ermittelt den Unterschiedsbetrag des Betriebsvermögens am Ende des Wirtschaftsjahres zum Ende des vorangegangenen Wirtschaftsjahres. Hier wird also eine bestandsmäßige Veränderung in der Bilanz und in der dazugehörigen Gewinn- und Verlustrechnung unter Berücksichtigung einer periodengerechten – nicht zahlungsabhängigen – Abgrenzung abgebildet. Zur Bilanzerstellung sind Gründer verpflichtet, die die Voraussetzungen des § 242 Abs. 1 HGB erfüllen und diejenigen, die innerhalb ihres Unternehmens bestimmte gesetzlich definierte Schwellenwerte übersteigen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann aber dennoch eine Befreiung von der Bilanzierungspflicht erfolgen.

Die beiden Gewinnermittlungsarten erfüllen unterschiedliche Zwecke. In gewissen Fällen bietet sich auch die freiwillige Option zur Bilanzierung an. Meiner Erfahrung nach favorisieren jedoch viele Existenzgründer eine in der Handhabung etwas einfachere und bzgl. der Steuerberatungskosten die günstigere Einnahmen-Überschuss-Rechnung, soweit wie dies steuerrechtlich möglich ist. Jedoch ist bei einer angestrebten Investorensuche oftmals eine Bilanz ein stichhaltigeres Argument, dies ist aber einzelfallabhängig.

Für-Gründer.de: Welches Vorgehen raten Sie als Steuerberater jungen Unternehmen?

Martin Trost von BFMT: Ich persönlich finde es immer wichtig, dass gerade bei jungen Unternehmen die richtigen Weichen schon vor der Gründung gestellt werden. Damit ersparen sich die Existenzgründer während der sehr zeitintensiven Gründungsphase die Fragen: Welche Rechtsform wähle ich? Muss ich eine Bilanz erstellen? Welche Unterlagen benötigt mein Steuerberater?

Ich rate auch sehr dazu, sich als Gründer vorab mit einem Steuerberater, vielleicht sogar mit ihrem Gründungsberater, zu besprechen. So können Anfangsfehler vermieden werden und die Gründung scheitert nicht an der Wahl der Rechtsform oder der Gewinnermittlungsart. Oftmals können Zuschüsse auch nur vor der Gründung beantragt werden. Darüber informiert ebenfalls der Steuerberater bzw. der Gründungsberater. Aus unserer Praxis lässt sich feststellen, dass nur diejenigen Gründer nachhaltig erfolgreich sind, die den kaufmännischen Teil ihres Unternehmens im Griff haben.

Für-Gründer.de: Kann ein Unternehmen zwischen den Methoden der Gewinnermittlung wechseln?

Martin Trost von BFMT: Ein Wechsel von der EÜR zur Bilanzierung kann unterschiedliche Gründe haben. Grundsätzlich darf  dieser Wechsel jedoch nur zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres erfolgen. Oftmals überschreitet das Unternehmen bzw. der Einzelunternehmer gewisse Schwellenwerte, woraus die Pflicht zur Bilanzierung resultiert.

Häufig wechseln vor allem Freiberufler, die gesetzlich nie einer Buchführungspflicht unterliegen, zur Bilanzierung, nicht zuletzt aufgrund steuerlicher Gestaltungs- und Optimierungsmöglichkeiten. Sie können zum Beispiel hier Rückstellungen oder bestimmte Teilwert-Abschreibungen berücksichtigen, die das zu versteuernde Einkommen des jeweiligen Wirtschaftsjahres mindern können. Unter Umständen fordern auch viele Banken eine Bilanz an. Bis das Unternehmen jedoch wieder zur  Einnahmen-Überschuss-Rechnung zurückwechseln darf, hat der Fiskus eine bestimmte Zeitspanne festgesetzt  – § 141 Abs. 2 AO.

Der Wechsel von der Bilanzierung zur EÜR hingegen ist in der Praxis seltener. Dies ist nur unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel bei einem Gewinn von unter 50.000 Euro möglich. Erfolgte die Gewinnermittlung zu Beginn mittels EÜR und optierte der Gründer dann freiwillig zur Bilanzierung, ist er drei Jahre lang an die Gewinnermittlung mittels Bilanzierung gebunden.

Mein Tipp ist einen potentiellen Wechsel vorher sehr gut zu durchdenken, da ein Rückwechsel zur jeweils anderen Gewinnermittlungsart oftmals zu Komplikationen oder zumindest zu erheblichem zeitlichen und ggf. auch finanziellen Aufwand führt.

Für-Gründer.de: Was versteht man unter der Überleitung der Handels- auf die Steuerbilanz?

Martin Trost von BFMT: Die Steuerbilanz richtet sich nach den Grundsätzen des Steuerrechts, wohingegen sich die Handelsbilanz nach dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens nach den Bestimmungen des Handelsrechts richtet.
Durch diverse in der Handels- bzw. Steuerbilanz voneinander abweichende Ansatzwahlrechte bzw. Aktivierungs-/Passivierungsge- und -verbote kann es zu einer unterschiedlichen Behandlung ein- und desselben Geschäftsvorfalls kommen, wodurch Handels- und Steuerbilanz eines Unternehmen im gleichen Wirtschaftsjahr voneinander abweichen können. Beispielhaft für eine unterschiedliche Behandlung in Handels- und Steuerbilanz sind Drohverlustrückstellungen, die nur in der Handelsbilanz zulässig sind.

Für-Gründer.de: Kommen wir noch auf ein Sonderthema zu sprechen: Stichwort Gemeinnützigkeit – dabei geht es um die Befreiung von Steuern wie der Körperschafts- oder Gewerbesteuer. Wann ist man gemeinnützig?

Martin Trost von BFMT: Die Gemeinnützigkeit richtet sich nach § 52 AO, wonach die Geschäftstätigkeit dem Gemeinwohl der Bundesrepublik Deutschland dienen muss. Nicht der Gewinn steht im Vordergrund, sondern der gemeinnützige Zweck des Unternehmens.

Im Wesentlichen wirkt sich die Gemeinnützigkeit im Steuerrecht aus. So werden bestimmte Sachverhalte steuerbefreit behandelt, um zum Beispiel die Spendenbereitschaft zu erhöhen. Die Anerkennung und Gewährung von Steuerbegünstigungen wird durch das zuständige Finanzamt getätigt.

Für-Gründer.de: Neben Vereinen und Stiftungen ist auch die gemeinnützige GmbH (gGmbH) mittlerweile häufiger anzutreffen – wann bietet sich dieses Konstrukt an?

Martin Trost von BFMT: Ausschlaggebend ist häufig das Argument der Außenwirkung. Vor allem bei Vereinen geht das Denken vieler Leute eher in Richtung eines 10-Mann-Betriebs als in Richtung eines wirtschaftenden Großunternehmens. Bei Stiftungen geht es meiner Meinung nach sogar noch mehr ums Vertrauen.

Ab einer bestimmten Größe des Unternehmens ist die Umwandlung in eine gGmbH häufig empfehlenswert. Allgemein wird mit einer GmbH ein größeres Unternehmen assoziiert. Wichtig wird diese Umwandlung erst und vor allem dann, wenn das Unternehmen auf der Suche nach Investoren ist. Meiner Erfahrung nach ist ein Investor schneller im Boot wenn es sich um eine gGmbH als um einen Verein oder eine Stiftung handelt.

Für-Gründer.de: Dabei tritt das Thema Gemeinnützigkeit oft auch in Verbindung mit Social Entrepreneurship auf – wie ist hier Ihre Wahrnehmung und sind beide Aspekte identisch miteinander? 

Martin Trost von BFMT: Die beiden Begriffe Gemeinnützigkeit und Social Entrepreneurship können grundsätzlich gemeinsam auftreten, müssen aber nicht. Beides sind voneinander losgelöste Begrifflichkeiten. Gemeinnützigkeit kennt, wie bereits geschildert, keine Gewinnerzielungsabsicht, währenddessen ein Social Entreupreneur durchaus Gewinne erwirtschaften darf. Ich verstehe Social Entrepreneurship so, dass diese speziellen Unternehmen gesellschaftliche Probleme erkennen und hierzu eine hoch individuelle Lösung entwickeln bzw. bereitstellen. Ihr Ziel ist es, einen gesellschaftlichen Mehrwert für die Betroffenen herzustellen.

Für-Gründer.de: Abschließend noch zwei allgemeinere Fragen. Einerseits etwas provokant formuliert: ersetzen die mittlerweile bestehenden Buchhaltungsprogramme nicht den Steuerberater?

Martin Trost von BFMT: Das kann ich definitiv verneinen. Ein Buchhaltungsprogramm ist immer nur so gut wie sein Bediener. Die Programme erleichtern zwar den allgemeinen Arbeitsablauf, aber ersetzen niemals die fachliche Qualifikation gut ausgebildeter Steuerfachangestellter/Buchhalter oder sogar eines Steuerberaters.

Viele Sachverhalte können nicht pauschal zu einer Position zugeordnet werden, oftmals sind hierzu zum Beispiel die Auswertung von umfangreichem Vertragswerk oder sonstige zusätzliche Informationen vonnöten. Die Einschätzung der Zuordnung zu bestimmten Positionen nimmt bewusst der Steuerfachangestellte oder der Steuerberater vor. Auch bei weiterem technologischen Fortschritt kann zukünftig nicht auf den menschlichen Verstand verzichtet werden. Gerade bei der steuerlichen Optimierung ist logisches Denken und kreatives Gestalten bezogen auf die individuelle Situation des Mandanten unabdingbar.

In der BFMT Tax GmbH legen wir größten Wert auf ständige Weiterbildung aller Mitarbeiter, ein Stillstand ist aufgrund der schnellen und vielseitigen Entwicklung des Steuerrechts nicht vertretbar. Die Rechtssprechung entwickelt sich dynamisch weiter, beinahe jeden Monat gibt es mehr oder weniger gravierende Änderungen, die jedoch niemals pauschal für jedermann zum Tragen kommt. Um eine Vorstellung von der Intensität der Änderungen im Steuerrecht zu bekommen sei darauf hingewiesen, dass derzeit im Monat auf Basis unserer Fachliteratur der Umfang der Änderungen im Steuerrecht und Fachartikel ca. 1.000 bis 1.500 Seiten umfasst. Ich glaube aufgrund des starken Individualitätsgrad unserer Leistungen nicht, dass wir eine vom Aussterben bedrohte Art sind.

Für-Gründer.de: Und welche Tipps möchten Sie angehenden Unternehmern aus steuerlicher Sicht mit auf den Weg in die Selbstständigkeit geben?

Martin Trost von BFMT: Pauschale Tipps kann man im Steuerbereich leider nie geben, das hängt vom individuellen Sachverhalt ab.

Wichtig ist vor allem, dass sich der Gründer vor der Gründung seines Unternehmens mit seinem zukünftigen Steuerberater oder einem Gründungsberater abstimmt und das Vorhaben bespricht. Hier kann meistens schon den ersten Fehlern vorgebeugt werden und der Weg in die Selbständigkeit wird erheblich erleichtert. In diesem Gespräch können dann auch konkret die Wahl der Rechtsform und sonstige steuerlichen Themen diskutiert sowie auch Kosten für die Buchhaltung vereinbart werden.

Bei der BFMT Tax GmbH lernen die Gründer auch gleich ihren zukünftigen Sachbearbeiter/in kennen und so wird die erste Basis geschaffen. Im Erstgespräch wird den Gründern zudem erläutert, welche Unterlagen nötig sind, welche Fristen eingehalten werden müssen und wie Belege zu sortieren sind. Diese kleinen Dinge ermöglichen dem Gründer und dem Sachbearbeiter/in bzw. Steuerberater eine gute und zielführende Zusammenarbeit.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Fuer-Gruender.de Siegel

Die BFMT Group unterstützt Gründer, Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen in den Bereichen Unternehmens- und Steuerberatung.

Erfahren Sie mehr über BFMT im Profil in der Dientleister- und Beraterbörse auf Für-Gründer.de.

Kontakt

BFMT Gruppe
StB/WP Martin Trost

Flurstr. 9
94234 Viechtach
Telefon: 09942.94 95 10
E-Mail: mtrost@bfmt.net
Website: www.bfmt.net