Neue Trends und Rekorde bei der Finanzierung durch die Crowd



Nachdem wir im Januar die beeindruckende Entwicklung der Finanzierung von Projekten und Start-ups durch die Crowd im Jahr 2012 dargestellt haben, schreitet das Jahr 2013 mit großen Schritten voran. Und so gibt es wie gewohnt neue Projekte, neue Start-ups und interessante Entwicklung rund um Crowd funding und Crowd investing zu beobachten.

Zu Beginn wollen wir zunächst einige aktuelle Crowd investing-Projekte vorstellen, bevor wir dann auf drei Trends im Bereich Crowd investing eingehen. Den Abschluss bilden dann ausgewählte Crowd funding-Projekte auf Startnext und SellaBand.

Neue Start-ups in der Finanzierungsphase

  • manetch – bzw. in der Langfassung Manager eMatch – und identoloc sind auf Innovestment unterwegs.  Bis zum 3. März bzw. 24. Februar werden hier noch Investoren für ein Matchmaking-Portal auf Businessebene (manetch) sowie  eine Lösung für die Identifikation und Ortung von Baugeräten, Anbaugeräten und Maschinen (identoloc) gesucht.
  • swabr.com – für Kenner der Szene kein neuer Name – möchte auf companisto für seinen webbasierten Enterprise-Microblogging-Dienst weiteres Kapital einsammeln. Noch sind 49 Tage Zeit – mehr zu swabr.com findet sich im Verlauf des Artikels.
  • In der Vorschau-Phase für den Start morgen ist Front Row Society auf Seedmatch. Wer sich im Mode- und Designbereich zu Hause fühlt, ist hier genau richtig.
  • Auf United Equity ist mit Kaminbau Rieder ein weiteres mittelständisches Unternehmen präsent und wie der Name unschwer erkennen läßt, geht es dabei um den Bau von Kaminen in jeder Form

1. Trend: größere Finanzierungsrunden beim Crowd investing

Bis zum Ende des letzten Jahres galten die 100.000 € als magische Schwelle beim Crowd investing.  In der Praxis hat Seedmatch dann als erste Plattform diese Fundingschwelle nach oben durchbrochen. Als rechtliches Konstrukt wurde das partiarische Darlehen gewählt. Und nachdem dann zunächst protonet mit 200.000 € den Anfang gemacht hatte, folgten LeaseRad mit 220.000 € und miBaby mit 250.000 € bis zum Jahresende 2012. Im Jahr 2013 hat dann auch Companisto die erste Finanzierungsrunde jenseits der 100.000 € eingeläutet. Swabr.com möchte dort aktuell bis zu 150.000 € einsammeln.

Den nächsten Meilenstein bei dieser Entwicklung wird das Start-up Honestly versuchen zu markieren. Am Donnerstag in einer Woche sollen hier der Kurs Richtung 500.000 € auf Seedmatch gesetzt werden. Richtig – auch Honestly war bereits 2012 auf Seedmatch erfolgreich – damals in 172 Minuten. Honestly bietet eine Software-as-a-Service-Lösung, mit der Unternehmen direktes Kundenfeedback über eine mobile Applikation erhalten. Und der Gründer von Honestly Mateo Freudenthal führt aus „Natürlich sind 500.000 Euro noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Aufgrund des vergangenen Geschäftsjahres sind wir allerdings sehr optimistisch“. Man darf gespannt sein, ob die Investorenszene die nächste Finanzierungsrunde ähnlich euphorisch honorieren wird und ob der Investorenpool schon groß genug für diese Summe ist.

Honestly
Honestly: auf zu 500.000 € – das bisher größte Crowd investing-Vorhaben

2. Trend: Crowd investing die 2.

Oft wurde geargwöhnt, dass sich Start-ups mit einem Crowd investing durch die Vielzahl der kleinen Investoren die Chance auf ein Folgeinvestment verbauen. Dies haben Smarchive oder Bluepatent bereits mit größeren Folgefinanzierungen durch VC-Geber oder foodiesquare durch verschiedene Business Angels wiederlegen können. Zudem verstetigt sich ein weiterer Trend: nämlich die zweite Finanzierungsrunde ebenfalls über die Crowd zu machen. Jüngstes Beispiel ist das Start-up Front Row Society, das morgen ab 12 Uhr auf Seedmatch in die zweite Runde geht. Nachdem es im September 2012 bereits 100.000 € waren, können es nun bis zu 250.000 € werden. Folgende Start-ups haben sich ebenfalls bereits zwei Mal zur Finanzierung auf eine Crowd investing-Plattform gewagt:

  • LeaseRad: auch hier standen zunächst 100.000 € im August 2012 zu Buche, bevor dann im Dezember 2012 für 220.000 € Schwung geholt wurde.
  • Ludufactur: das Start-up Ludufactur hat sich als erstes Start-up sogar auf 2 Plattformen jeweils erfolgreich finanziert. Zunächst gab es einen erfolgreichen Investmentprozess auf Innovestment, bevor die Gründer dann im Herbst 2012 ihren Hut für ein Gesamtinvestment von 100.000 € auf Companisto in den Ring geworfen haben.
  • Swabr.com: und nochmal gab es jüngst das gleiche Beispiel wie bei Ludufactur. Zunächst erfolgreich auf Innovestment, nutzt das Start-up aktuell Companisto für eine weitere Finanzierungsrunde. Gestern Abend waren bereits knapp über 38.000 € eingesammelt.
  • Und auch das oben erwähnte Honestly wird dann nächste Woche in die 2. Finanzierungsrunde auf Seedmatch gehen.

Die Ursachen hierfür können vielfältig sein. Gehen wir aber mal davon aus, dass eine 2. Crowd investing-Runde nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Unternehmensentwicklung nach der ersten Runde nach Plan verlief, dann zeigt sich, dass Anschlussfinanzierungen auf der einen Seite auch für „Crowd-finanzierte Start-ups“ möglich sind und Crowd investing nicht nur für die Anschubfinanzierung ein valides Instrument ist. Zusammen mit der Ausweitung der Finanzierungssumme sind damit durchaus Summen denkbar, die einer klassischen A-Runde in der Venture Capital-Finanzierung entsprechen.

 3. Trend: die Grenzen zwischen Crowd funding und Crowd investing verschwimmen

Bisher liefen Crowd funding und Crowd investing weitestgehend getrennt voneinander ab. Plattformen wie Startnext, VisionBakery oder pling boten also entweder eine Finanzierung für ein (kreatives) Dankeschön während Plattformen wie Companisto, Innovestment oder Seedmatch Beteiligungen am Unternehmen bzw. Unternehmensgewinn ermöglichten. Nun wurden diese Grenzen auf einigen Plattformen kontinuierlich durchbrochen:

  • Startnext: Gestartet als Crowd funding-Plattform konnte sich Startnext eine marktführende Position in Deutschland erarbeiten. Mit Fairnopoly, das wir später noch vorstellen, ist 2013 jedoch auch das erste Crowd investing auf Startnext erfolgreich gewesen. Die Schwelle von 50.000 € wurde durchschritten und noch können sich Investoren beteiligen. Dabei geht es auch um eine Gewinnbeteiligung, wobei auch Stimmrechte mit dem Anteilserwerb verbunden sind.
  • Berlin Crowd: Berlin Crowd ist als Plattform noch nicht lange am Start. Dennoch konnte mit der Veranstaltung Spätschicht auf der einen Seite ein erstes „Sponsoring Projekt“ und Capsuling.me ein erstes Start-up finanziert werden. Aktuell läuft mit der Berlin-Startup-Map ein weiteres Crowd funding-Projekt.
  • Fundsters: So genannte Beitragskampagnen und Investmentkampagnen finden sich auf der Plattform Fundsters. Auch hier wurde von Anfang entschieden „zweigleisig“ zu fahren.

Natürlich gibt es weiterhin die Pure Player in jedem Bereich und diese sind auch noch in der Mehrzahl. Es wird sich zeigen, welche Vorteile aus der Verbindung der beiden Finanzierungsformen für die Plattformen entstehen können oder ob dies nicht zu Lasten eines klaren Profils gehen wird.


Crowd funding Projekte in Deutschland

Wie gewohnt, stellen wir Ihnen an dieser Stelle interessante Crowd funding-Projekte der Plattformen Startnext und SellaBand vor.

Projekte auf Startnext

Aktuelle Projekte auf Startnext
Aktuelle Projekte auf Startnext
  • Informationsangebot: Fairnopoly
    Mit dem Berliner Start-Up „Fairnopoly“ ist dieses Jahr das erste Crowd investing-Projekt auf Startnext gestartet. Ziel ist es, einen fairen Online-Marktplatz als Alternative zu Ebay und Amazon zu entwickeln. Die Besonderheit von Fairnopoly: Beim Crowdinvesting kann man Genossenschaftsanteile erwerben, mit denen einem auch eine Beteiligung am Gewinn und den Unternehmensentscheidungen zustehen.
  • Film/Video: YANGON CALLING
    Myanmar und Punk – wie passt das zusammen? Der Dokumentarfilm „Yangon Calling – Punk in Myanmar“ zeigt, wie sich in dem südostasiatischen Land trotz jahrzehntelanger Herrschaft einer Militärregierung eine Subkultur entwickeln konnte. Neben der DVD des Dokumentarfilms entsteht außerdem ein Buch mit Texten über Hip Hop, Street Art und die Metal-Szene in Myanmar. Mit einer Unterstützung des Projekts erhält man Einblicke in den gesamten burmesischen Underground!
  • Erfindung: Virtuelles Konzert im Denkmal
    Beim „Virtuellen Konzert im Denkmal“ soll eine App entstehen, die ein klassisches Konzert aus dem Jahr 2008 dauerhaft für andere Besucher erlebbar macht: Damals spielten 24 Orchestermusiker verteilt im Stelenfeld des Holocaust-Denkmal in Berlin – ohne die anderen Musiker dabei sehen zu können. Klingt spannend? Wie die App genau funktioniert, erklärt die Moderatorin Anne Will im Pitch-Video!

Projekte auf SellaBand

Chabliz

  • Chabliz
    Chabliz ist eine niederländische Pop-Noir und Gothic Jazz Band mit einer bezaubernden Sängerin, die eine vier Oktaven-Stimme hat und über eine breite Palette von Vokalen und Techniken verfügt. Zwei Alben haben sie bereits veröffentlicht für die sie eine Menge positiver Presse und begeisterte Kritiken von niederländischen und belgischen Medien bekamen. Die Band will eine Hommage an den vor 14 Jahren verstorbenen Screamin’Jay Hawkins ins Leben rufen. Sein Hit „I put a spell on you“ soll in 14 verschiedenen Versionen aufgenommen werden, von einer klassischen Version bis hin zu einer Country Version und abschließend in einer Kirche in Den Haag aufgeführt werden. Dabei wird es u.a. eine Video-Art Performance geben. Für dieses Tribute starteten sie im Dezember ihr € 3.000 Funding auf SellaBand.
  • Steorrah
    Elemente aus Progressive Rock und Jazz verfeinern den komplexen und anspruchsvollen Death Metal Stil von Steorrah. 2010 veröffentlichten sie ihr Debut Album „An Eroticism In Murder – A Stream Of Consciousness In D Minor“, einige Songs vom Album wurden von Radiosendern aus Deutschland, den USA und aus Argentinien auf Rotation genommen.  Jetzt wollen Steorrah an diesen Erfolg anknüpfen und ihr zweites Album herausbringen. Letzten November starteten sie ihr Funding auf SellaBand und haben bereits 29% ihres Funding Ziels in der Höhe von € 3.000 erreicht. Sie wollen jedoch nicht nur das Geld für ihr zweites Album zusammen bekommen, sondern auch einen direkteren Kontakt zu ihren Fans aufbauen.

Erfahren Sie mehr über Crowd funding und Crowd investing auf Für-Gründer.de.