Crowd investing mit BERGFÜRST – Gründer Dr. Guido Sandler im Interview



Beim Crowd investing sammeln Start-ups Kapital bei vielen kleinen Investoren. Verschiedene Plattformen bieten das Finanzierungsinstrument Crowd investing an. BERGFÜRST ist eine neue Plattform, die Crowd investing in Form einer Börse mit Handelsplatz anbietet. In diesem Jahr will BERGFÜRST durchstarten. Mitgründer Dr. Guido Sandler stellt uns die Crowd investing Plattform vor.

Für-Gründer.de: Guten Tag Herr Dr. Sandler, BERGFÜRST möchte einiges anders machen als die bereits aktiven Crowd investing-Plattformen wie Seedmatch, Innovestment oder Companisto – erklären Sie uns doch bitte kurz die Besonderheiten von BERGFÜRST?

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass wir unseren Investoren Eigenkapitalbeteiligungen und keine Fremdkapitalbeteiligungen anbieten. Stille Gesellschaften und partiarische Darlehen sind de facto Kredite, die genau wie Eigenkapital das unternehmerische Risiko in vollem Umfang tragen, aber keine Mitspracherechte in der Gesellschafterversammlung und nur eine begrenzte Gewinnbeteiligung haben. Im Gegensatz dazu verfolgen wir den Ansatz „one share one vote“: Unsere Investoren stehen auf Augenhöhe mit den Gründern und Altgesellschaftern, geben ihre Stimme in der Hauptversammlung ab und profitieren wie die Altgesellschafter 1:1 an der Wertsteigerung eines Unternehmens.

Die Nachrangdarlehen haben in der Regel eine Laufzeit von fünf und mehr Jahren. Da sitzt der Investor auf der Rückbank und kann bei der Fahrt zusehen, ohne selbst agieren zu können. BERGFÜRST bietet unmittelbar nach der Aktienplatzierung einen Handelsplatz für die Aktien an, der ähnlich wie eine Börse funktioniert. Damit ist der Investor jederzeit handlungsfähig: Verändert sich seine Einschätzung zum relevanten Markt, zum Wettbewerb oder zum Unternehmen selbst, kann er sowohl weitere Aktien kaufen als auch verkaufen.

So funktioniert Crowd investing auf BERGFÜRST (Quelle: Screenshot Website www.bergfuerst.com)

Neben der Handelbarkeit der Beteiligungen ist auch eine transparente und regelmäßige Information wichtig. Gerade bei jungen und dynamischen Unternehmen ändert sich ständig etwas. Das muss der Aktionär wissen, um handlungsfähig zu sein. Wir stellen die Informationen der Unternehmen öffentlich zur Verfügung: Quartalsberichte und ad hoc Mitteilungen, so wie Sie das von der klassischen Börse kennen. Darüber hinaus betreiben wir ein Info-Forum, wo Investoren untereinander und mit dem Unternehmen diskutieren können.

Für-Gründer.de: Wie wir ja auch unseren Lesern berichtet haben, wollten Sie bereits im Herbst 2012 starten – die Lizenz durch die Bafin hat sich allerdings verzögert. Was waren die Gründe hierfür und was prüft die Bafin eigentlich?

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Das Antragsverfahren ist komplex und langwierig. Unser Geschäftsmodell ist neu und da gab es eine Reihe von Fragen, die von beiden Seiten zu klären waren. Wir arbeiten mit der BaFin und der Bundesbank sehr konstruktiv zusammen. Die konstruktiven Anregungen der Aufsichtsbehörden wurden in unserem Konzept berücksichtigt und umgesetzt. Das hat etwas länger gedauert als geplant. Am Ende haben wir alles so gestalten können, wie wir es uns vorgenommen haben.

Die BaFin prüft im Wesentlichen die Qualifikation und Zuverlässigkeit der Organe, also der Vorstände und der Aufsichtsräte. Dann wird der Geschäftsplan auf Tragfähigkeit geprüft. Die angebotenen Dienstleistungen werden im Einzelnen dahingehend geprüft, ob und in welcher Weise diese erlaubnispflichtig sind und welche Auflagen/Anforderungen mit der Erlaubnis verbunden sind. Dann ist eine umfassende Unternehmensplanung, nicht nach Handelsgesetzbuch (HGB) sondern nach Kreditinstituts-Rechnungslegungsverordnung (RechKredV), zu erstellen. Die Anforderungen sind noch deutlich strenger als im HGB. Schließlich muss ein Wirtschaftsprüfer die freie Verfügbarkeit des Anfangskapitals bestätigen. Insgesamt ist der Antrag am Ende so dick wie das Berliner Telefonbuch.

Für-Gründer.de: Welche Anforderungen müssen Sie und die Start-ups für die BaFin erfüllen?

Dr. Guido Sandler, CEO BERGFÜRST

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Wir müssen regelmäßig Bericht erstatten. Der Katalog der meldepflichtigen Vorfälle ist umfassend und im Gesetz geregelt. Dafür haben wir lange Checklisten erstellt, die wir jeden Monat durchgehen. So prüfen wir, ob sich ein meldepflichtiger Vorgang ereignet hat, den wir nicht sowieso routinemäßig melden. Die Meldungen gehen dann an die Bundesbank und die BaFin.

Wir werden keine Finanzierung für Start-ups durchführen. Vielmehr werden wir junge Wachstumsunternehmen finanzieren, die bereits den Proof of Principal erbracht haben und jetzt Kapital für die Markterschließung / Marktdurchdringung benötigen. Das ist auch der richtige Zeitpunkt, um die Crowd einzubinden, da diese im Rahmen von Social Marketing die Bekanntheit „ihres“ Unternehmens steigern kann. Die von uns betreuten Unternehmen müssen sich an die Regeln unserer Plattform halten: Altgesellschafter müssen eine Haltevereinbarung akzeptieren und dürfen zunächst keine Aktien verkaufen, damit sie die gleichen Interessen haben wie die neu hinzutretenden Aktionäre.

Daneben müssen die Unternehmen sich verpflichten, Quartalsberichte, Halbjahresberichte und Geschäftsberichte zeitnah zu veröffentlichen. Hinzu kommen, wie an der Börse, ad hoc Mitteilungen. Die Emittenten verpflichten sich, Fragen von in den Info-Foren zu beantworten und den Dialog mit ihren Aktionären zu pflegen.

Für-Gründer.de: Für wann ist der Start von BERGFÜRST nun geplant und können Sie uns schon ein paar Hinweise auf das erste Start-up geben? Wie viele Start-ups planen Sie insgesamt für 2013?

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Wir wollen die Vorbereitungen zügig nach der Weihnachtspause abschließen und werden dann das erste Unternehmen vorstellen und die Platzierung durchführen. Wir führen immer nur eine Platzierung zu einem Zeitpunkt auf der Plattform durch, damit die jeweiligen Unternehmen die volle Aufmerksamkeit der Investoren erhalten. Entsprechend planen wir eine gute Hand voll an Emissionen für das kommende Jahr.

Für-Gründer.de: Welche Unternehmen haben eine Chance bei BERGFÜRST Kapital einzusammeln und wie sollten sich diese bei Ihnen bewerben?

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Die Unternehmen haben den Proof of Principal erbracht. Sie haben bewiesen, dass Kunden bereit sind, für ihr Produkt oder ihre Dienstleistung Geld zu bezahlen. Ist es dann plausibel, dass mit weiterem Geld die Markterschließung und Marktdurchdringung finanziert werden kann, ist das Unternehmen ein guter Kandidat für unsere Plattform. Bewerben kann sich jedes Wachstumsunternehmen. Wir tauschen eine Vertraulichkeitsvereinbarung aus, schauen uns den Businessplan an und steigen in die Diskussion mit dem Management ein, ob und wann eine Platzierung bei uns sinnvoll ist. Bewerbungen sind jederzeit über die Kontaktadresse info@bergfuerst.com willkommen!

Für-Gründer.de: Wie läuft eine Emission im Detail auf BERGFÜRST ab?

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Nachdem der Emittent sich entschlossen hat, eine Eigenkapitalplatzierung auf BERGFÜRST durchzuführen, beginnen wir mit der gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierung in die AG und der Erstellung des Wertpapierverkaufsprospekts. Diese beiden Aufgagen werden durch mandatierte Anwälte federführend begleitet. Das Management arbeitet zu und trägt die inhaltliche Gesamtverantwortung. Die Equity Story erstellt der Emittent selbst aus seinem Businessplan heraus. Das Image Video, das der Emittent erstellt, sofern es noch nicht vorhanden ist, vermittelt einen ersten Eindruck von Management und Unternehmen.

Auf BERGFÜRST TV präsentiert das Managementteam sich und sein Unternehmen. Unmittelbar nach der Live-Präsentation im Web, die jeder Interessierte ansehen kann, beginnt das Bookbuilding. Zum Abschluss erfolgt die Zuteilung der Zeichner und die Kapitalerhöhung wird durchgeführt. Dann werden die Aktien in den Depots der Käufer auf unserer Plattform eingebucht und es beginnt der Handel. Im besten Fall und wenn alles glatt läuft, kann das Projekt in gut drei Monaten abgewickelt werden, bis das Geld in der Kasse ist.

Für-Gründer.de: Eine AG muss ja bekanntlich Zwischenberichte und Geschäftsberichte erstellen sowie jährlich eine Hauptversammlung durchführen. Welche weiteren Folgepflichten entstehen im Verhältnis mit den künftigen Aktionären? Sehen Sie nicht die Gefahr, dass junge Unternehmen damit überfordert sein könnten?

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Nein, in keiner Weise! Die Crowd benötigt die gleichen Informationen wie Angel oder Seed Investoren auch. Die jährliche Gesellschafterversammlung heißt jetzt Hauptversammlung. Da ändert sich nicht viel. Die Quartalsberichte, die wir fordern, bestehen aus GuV und Cash Flow sowie einer kurzen Stellungnahme des Managements zum Geschäftsverlauf. Unterjährige Bilanzen werden nicht gefordert. Bei Ereignissen, die von erheblicher Bedeutung für das Unternehmen sind, muss eine Ad hoc Mitteilung gemacht werden, damit alle Aktionäre auf dem gleichen Informationsstand sind. Das Info-Forum wird von unseren Community Managern laufend betreut. Für das Management der Emittenten bedeutet das nur minimalen Aufwand bei der Betreuung dieser Foren.

Für-Gründer.de: Eine Exitvariante bei Wachstumsunternehmen ist ja oft auch eine Komplettübernahme – welche Regelungen bestehen dabei auf Ihrem Handelsplatz?

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Die des Aktiengesetzes. Ein Erwerber kann ab einer Beteiligung von 30% ein freiwilliges Übernahmeangebot abgeben. Ab 90% ist dann ein Squeez out möglich. Das ist ein technisch feststehender und gut planbarer Prozess. Zum Glück wurde in den vergangenen Jahren das Aktiengesetz geändert, so dass es heute keine Lästigkeitsprämien für die letzten verbleibenden Aktionäre mehr gibt. Aktuell kann man den Prozess bei der Douglas Holding, die von Advent übernommen wird, beobachten.

Für-Gründer.de: Für Emissionen ab 2 Mio. € sowie den anschließenden Handel brauchen Sie eine ganze Reihe an Investoren, um auch ausreichend Liquidität sicher zu stellen. Wie viele registrierte potenzielle Investoren haben Sie denn bereit uns welche Zahl peilen Sie an?

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Wir haben bereits jetzt und damit noch vor der Vorstellung des ersten Emittenten über 5.000 registrierte Nutzer. Die Zahl wächst täglich. Wir sind sicher, dass die Zahl mit der Vorstellung der ersten Emissionen schnell weiter wachsen wird. Mein Partner Dennis Bemmann hat eine voll skalierbare Plattform gebaut. Die von ihm gebaute Plattform StudiVZ hat ohne weiteres mehr als 17 Millionen Nutzer verkraftet.

Für-Gründer.de: Und zum Abschluss: Was möchten Sie Gründern und Start-ups generell mit auf den Weg geben?

Dr. Guido Sandler von BERGFÜRST: Jeder Gründer und jede Gründerin ist mutig und verdient unsere Unterstützung. Ein Gründer sollte nur das Geschäftsmodell verfolgen, für das er wirklich leidenschaftlich brennt. Nur dann kann er wirklich erfolgreich sein. Copy Cats sind zwar nett, aber nicht wirklich innovativ. Besser ist es, disruptive Geschäftsmodelle zu verfolgen: Verändert die Spielregeln des Marktes, damit bewegt ihr etwas!

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch!

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Kontakt

BERGFÜRST AG
Schumannstrasse 18
10117 Berlin
Telefon: 030.60 98 51 66
E-Mail: service@bergfuerst.com
Website: www.bergfuerst.com

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