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Absicherung für Selbstständige durch die Künstlersozialkasse – Rechtsanwalt Andri Jürgensen



Die Künstlersozialkasse (KSK) ist für die soziale Absicherung eines Selbstständigen aus dem Kultur- und Kreativbereich ein unerlässliches Thema. Um ein wenig mehr über die Vor- und Nachteile der Künstlersozialkasse für Selbstständige aus dem Kultur- und Kreativbereich zu erfahren, sprechen wir heute mit dem Rechtsanwalt Andri Jürgensen, einer der Experten zum Thema Künstlersozialkasse.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Jürgensen, schön dass Sie sich Zeit nehmen, um mit uns über die Künstlersozialkasse zu sprechen.  Können Sie uns bitte kurz das System der Künstlersozialkasse erörtern?

Andri Jürgensen: Aber gerne. Das Thema Künstlersozialkasse wird oft unterschätzt, dabei bietet die KSK den selbstständigen Künstlern und Publizisten einen großen Vorteil: Die Künstlersozialkasse trägt die Hälfte der Beiträge für die gesetzliche Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Das ist für Selbstständige unschlagbar günstig. Finanziert werden diese Zuschüsse durch den Staat und diejenigen Unternehmen, die selbstständige Künstler und Publizisten zumindest ab und an beauftragen, etwa im Rahmen der eigenen Werbung.

Andri Jürgensen ist Experte zum Thema Künstlersozialkasse

Für-Gründer.de: Gibt es so etwas wie eine Versicherungspflicht für bestimmte künstlerische Tätigkeiten?

Andri Jürgensen: Es handelt sich tatsächlich um eine Versicherungspflicht. Mit anderen Worten: Ein freier Grafiker oder eine freie Regisseurin kann sich eigentlich nicht überlegen, ob sie in die Künstlersozialkasse möchte oder nicht – es ist von Gesetzes wegen verpflichtend, sich bei der Künstlersozialkasse zu melden.

Für-Gründer.de: Ab wann gilt man als Künstler im Sinne der Künstlersozialkasse, bzw. ab wann wird eine Tätigkeit als Kunst eingestuft?

Andri Jürgensen: Das ist die spannendste Frage im ganzen KSK-Recht. Das Gesetz hält sich mit einer Definition wohlweislich zurück. Das Bundessozialgericht verweist auf die Gesetzgebungsmaterialien und fordert nur ein „Mindestmaß an freier schöpferischer Gestaltung“. Damit ist jede Werbegrafik Kunst im Sinne der Künstlersozialkasse, aber auch die Jurytätigkeit von Dieter Bohlen bei DSDS. Einen arabischen Kalligrafen wollte die Künstlersozialkasse nicht aufnehmen, das hat das Bundessozialgericht dann korrigiert.

Für-Gründer.de: Welche Selbstständige in der Kunst- und Kreativwirtschaft haben eigentlich Anspruch  auf Leistungen von der Künstlersozialkasse? Und wie sehen die Leistungen im Detail aus?

Andri Jürgensen: Künstler und Publizisten sind pflichtversichert in der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung als auch in der sozialen Pflegeversicherung. Die Künstlersozialkasse zahlt die Hälfte der Versicherungsbeiträge. In bestimmten Fällen kann auch eine private Krankenversicherung bezuschusst werden, wovor ich aber meist warne.

Für-Gründer.de: Welche Stolpersteine und Reglementierungen bestehen bei der Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse?

Andri Jürgensen: Die Stolpersteine werden in der Praxis vor allem durch die Künstlersozialkasse selbst in den Weg gelegt. Sie legt das Gesetz teilweise sehr restriktiv aus und nach meiner Meinung teilweise auch gesetzeswidrig. So sind Berufsanfänger beispielweise eigentlich privilegiert, denn sie müssen den sonst erforderlichen Mindestgewinn von mehr als 3.900 € pro Jahr nicht erreichen. Die Künstlersozialkasse fordert aber von Berufsanfänger regelmäßg einige Tausend Euro an Einnahmen. Das hat im Gesetzeswortlaut jedoch keine zwingende Grundlage, macht die Tür für die meisten Berufsanfänger aber erst einmal zu und zwar in einer Phase, in der die Zuschüsse dringend gebraucht würden.

Andri Jürgensen hat einen Ratgeber zum Thema Künstersozialkasse geschrieben. (Quelle: Screenshot Website www.kunstrecht.de)

Für-Gründer.de: Ist die Höhe der Abgaben eigentlich immer gerechtfertigt? Kann man sich auch von den Pflichtbeiträgen der Künstlersozialkasse befreien lassen?

Andri Jürgensen: Eine Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung ist nicht möglich. Berufsanfänger und Höherverdienende können sich zugunsten einer privaten Krankenkasse befreien lassen und dann bis zur Hälfte der privaten Beiträge von der Künstlersozialkasse erhalten. Aber wegen der schwankenden Einkünfte und der stetig steigenden Beiträge zur privaten Krankenversicherung rate ich hiervon in den meisten Fällen ab.

Für-Gründer.de: Kann ein freischaffender Künstler mit einem sehr geringen Einkommen sich auch anderweitig absichern?

Andri Jürgensen: Sicher. Er muss es nur privat und ohne Zuschuss finanzieren.

Für-Gründer.de: Und zum Abschluss nochmals auf einen Blick: wie sollte ein Kunstschaffender beim Thema Versicherung und Künstlersozialkasse vorgehen, wenn er sich mit seiner Kunst selbstständig macht?

Andri Jürgensen: Zuerst sollte er sich genau informieren und auf die Seriösität seiner Quellen achten: Im Internet findet sich viel Unsinn, und auch Versicherungsmakler sind mit ihrer vermeintlichen Hilfestellung in Fragen der Künstlersozialkasse nicht immer neutrale und gute Ratgeber.

Bei Tätigkeiten, die nicht klar im Sinne des Gesetzes künstlerisch sind, sollte man auch große Sorgfalt auf die Darstellung der eigenen Arbeit legen, weil die KSK jede Möglichkeit nutzt, die Versicherungspflicht abzulehnen. Ich biete eine telefonische Beratung zur Künstlersozialkasse, das ist eine günstige Möglichkeit, die wichtigsten Fragen zuverlässig zu klären.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr über die soziale Absicherung durch die Künstlersozialkasse sowie zum Thema Versicherung für Selbstständige und Existenzgründer finden Sie auf Für-Gründer.de.

Kontakt

Andi Jürgensen Rechtsanwälte
Kanzlei für Kunst Kultur & Medien
Herderstraße 8-10
24116 Kiel
Telefon: 0431.69 67 50 1
E-Mail: kiel@kunstrecht.de