Gründungszuschuss: ein Fall aus der Praxis



Bereits seit dem letzten Jahr dokumentieren wir die Entwicklung des Gründungszuschusses. Mit den im Vorjahr beschlossenen Änderungen mussten wir nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit im Juni einen weiteren Tiefststand vermelden. Wir haben die restriktive Haltung der Arbeitsämter zum Anlass für ein Interview mit einer Gründerin aus Köln genommen, die auf dem Weg in die Selbstständigkeit den Gründungszuschuss in Anspruch nehmen möchte.

Für-Gründer.de: Frau Rothgänger, Sie möchten aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen, womit wollen Sie sich selbstständig machen?
Karin Rothgänger: Ich werde mich in Köln mit der Kommunikationsagentur www.wort-arbeiter.de selbständig machen. Ich berate und unterstütze kleine und mittlere  Unternehmen bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie bei allen Themen rund um Text und Redaktion.

Karin Rothgänger

Nachdem ich im letzten Jahr meinen Job gekündigt habe, war ich erst einmal für neun Monate auf Weltreise. Ich bin zurückgekommen mit dem Wunsch zu gründen. Einziges Hindernis: die finanzielle Unsicherheit, gerade beim Start in die Selbständigkeit. Ein Gründungszuschuss – der nachgewiesen eines der erfolgreichsten arbeitsmarktpolitischen Instrumente ist – würde mir einige Sorgen der ersten Monate nehmen.

Weil ich nicht alles auf eine Karte setzen wollte, habe ich mich nach meiner Rückkehr auch intensiv nach einem Job umgeschaut.

Für-Gründer.de: Wie hat Ihr Sachbearbeiter bei der Bundesagentur für Arbeit reagiert, als Sie ihm Ihre Pläne darlegten? Konnte das Arbeitsamt Ihnen konkrete Stellen anbieten?
Karin Rothgänger: Bislang wurde mir keine konkrete Stelle angeboten. Es wurde mir gegenüber argumentiert, dass Stellen in meinem Bereich – PR mit Personalverantwortung – in den meisten Fällen überhaupt nicht über die Arbeitsagentur ausgeschrieben würden.

Ich hatte bislang zwei Gespräche bei der Agentur für Arbeit. Im Vorfeld des ersten Gespräches hatte ich mit einem Gründercoach besprochen, das Thema Selbständigkeit zunächst nur am Rande zu erwähnen. Auf meine zurückhaltende Aussage hin, dass ich über das Thema Selbständigkeit nachdenke, folgte eine direkte Absage. Einen Gründungszuschuss würde ich nicht bekommen.

Interessant fand ich dabei, dass mein Arbeitsvermittler zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nicht wusste, womit ich mich denn überhaupt selbständig machen möchte. Er fügte auch noch hinzu, mit meinem Lebenslauf, also Akademikerin + Berufserfahrung, würde ich sicher eine Anstellung finden. Ich konnte im Gespräch noch sicherstellen, dass ich den Antrag auf Gründungszuschuss trotzdem abholen kann. Im Internet hatte ich Schauermärchen gelesen von Anträgen, die überhaupt nicht mehr ausgehändigt werden. Obwohl der Antrag sowieso abgelehnt würde, könnte ich mir ihn abholen, wurde mir geantwortet.

Um mich wohl noch ein wenig einzuschüchtern folgte der Zusatz, dass ich bei Abholung den Termin nennen müsste, zu dem ich mich selbstständig machen möchte. Damit würde ich dann auch direkt festlegen, wann meine Bezüge enden. Ich habe später gelernt, dass ich zwar einen Termin angeben muss, den aber jederzeit auch wieder zurückziehen oder ändern kann.

Für-Gründer.de: Sie haben ja auch einen Gründercoach an Ihrer Seite, wie unterstützt er Sie konkret? Gab es nach dem ersten Gespräch bei der Arbeitsagentur noch Folgegespräche und falls ja mit welchem Ausgang?
Karin Rothgänger: Das zweite Gespräch mit der Arbeitsagentur, war dazu gedacht, den Antrag auf Gründungszuschuss persönlich abzuholen. Dazu habe ich einen Gründercoach als Zeugen mitgenommen. Ich war dieses Mal bei einem anderen Vermittler, der ein wenig überrumpelt vom Fachmann an meiner Seite war. Zunächst war es wieder eine sehr ausgeprägte Blockadehaltung, die mir entgegen gebracht wurde. Ich müsste mich als Akademikerin deutschlandweit und nicht nur im Großraum Köln bewerben und einen Gründungszuschuss würde es nur noch für Mangelberufe geben, zu denen meiner nicht gehöre.

Irgendwann ist das Gespräch dann gekippt, weil mein Berater aktiv eingegriffen hat. Die Stimmung hat sich verändert und mein Arbeitsvermittler war etwas zugänglicher. Aus meiner Sicht hat es sich auf jeden Fall gelohnt, den Berater mit zum Gespräch zu nehmen.

Die neuesten Zahlen belegen übrigens, dass der Gründungszuschuss in Köln eigentlich nicht mehr existiert. Im Juni haben bislang noch vorläufig und hochgerechnet 5 Personen einen Gründungszuschuss bekommen. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Rückgang von 97,5 Prozent.

Für-Gründer.de: Wie bewerten Sie persönlich das Verhalten Ihrer Kontaktpersonen bei der Bundesagentur für Arbeit?
Karin Rothgänger: In meinem Fall waren es zwei Kontaktpersonen. Beide haben beim Thema Gründungszuschuss blockiert. Ich glaube allerdings auch, dass sie nur nach den Vorgaben handeln, die sie von Ihren Vorgesetzten bekommen. Die Probleme sind also in der Kölner Arbeitsagentur weiter oben angesiedelt. Von dort werden die Restriktionen vorgegeben.

Hängen geblieben ist bei mir auch eine Aussage, die auf einem Podium einer öffentlichen Veranstaltung der Kölner Arbeitsagentur zum Thema Gründungszuschuss getroffen wurde: Die Agentur für Arbeit finanziere sich aus beitragspflichtigen Beschäftigungen und deshalb sei es ihr Ziel in beitragspflichtige Beschäftigungen zu vermitteln.

Das finde ich sehr schade in einem Land, in dem in diesem Jahr die niedrigsten Zahlen bei den Existenzgründungen seit der Wiedervereinigung erwartet werden. Ich habe meine Entscheidung in den letzten Wochen getroffen: Ich mache mich auf jeden Fall selbstständig – mit oder ohne Gründungszuschuss.

Für-Gründer.de: Bis wann wollen Sie Ihren Antrag auf den Gründungszuschuss abgeben und welche Dinge müssen Sie noch fertig stellen?
Karin Rothgänger: Ich werde meinen Antrag auf Gründungszuschuss Ende dieser Woche abgeben. Ich warte gerade auf die fachkundige Stellungnahme, d.h. Businessplan etc. sind fertig gestellt. Ich muss den Antrag, der ja sehr kurz ist, nur noch ausfüllen. Außerdem muss ich in einem Formular erläutern, wie sich die Stellensuche in den letzten Monaten bei mir entwickelt hat.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Sie können Frau Rothgänger unter Karin.Rothgaenger@wort-arbeiter.de kontaktieren oder ihre Website besuchen.