DIHK-Gründerreport 2012: Gründungsinteresse gesunken



Aus einem Gründerzuwachs, bedingt durch den Konjunktur-Aufschwung im vergangenen Jahr – ist nun das deutlich gesunkene Gründungsinteresse in Deutschland geworden. Der DIHK gibt jährlich – auf Basis von Erfahrungsberichten der IHK-Existenzgründungsberater sowie einer statistischen Auswertung – eine Einschätzung zum Gründungsgeschehen in den Branchen Industrie, Handel und Dienstleistungen in Deutschland im DIHK-Gründerreport ab. Wir wollen Ihnen die aktuellen Ergebnisse kurz vorstellen.

Im Jahr 2011 erkundigten sich mit 329.591 Gründungsinteressierten 8,7 % Personen weniger als im Vorjahr zum Thema Existenzgründung. Nur im Jahr 2008 haben weniger Personen Einstiegsgespräche geführt und Beratungen zum Geschäftskonzept in Anspruch genommen. Als Gründe dafür benennt der DIHK die sinkende Arbeitslosigkeit, den zunehmenden Fachkräftemangel und die demografischen Entwicklung im Land. Allerdings vermelden die IHKs in Bezug auf die stattgefundenen Gespräche auch weniger Defizite in den Geschäftskonzepten.

(Quelle: DIHK-Gründerreport 2012, S.2)

Weiterhin ist zu betonen, dass auch die Umwandlung des Gründungszuschusses – als Förderinstrument für die Gründung aus der Arbeitslosigkeit – von einem Zuschuss mit Rechtsanspruch in eine Ermessensleistung seitens der Bundesagentur für Arbeit, ein Grund für die sinkende Gründerzahl ist. Seit dem Inkrafttreten am 28. Dezember 2011 fallen die Zahlen jener Personen, die mit dem Gründungszuschuss gefördert werden rapide in den Keller. Für-Gründer.de hält Sie zu diesem Thema monatlich auf dem neuesten Stand.

Da 70 % aller IHK-Existenzgründungsberater ein weiterhin sinkendes Gründungsinteresse erwarten, rechnet der DIHK mit weniger als 400.000 Existenzgründungen im Jahr 2012. Dies sei dann ein sattes Rekordtief seit der Wiedervereinigung.

Interesse an Gründercoachings schwimmt gegen den Strom

Im Hinblick auf den Rückgang des Gründungsinteresses insgesamt, melden die IHKs allerdings ein Anstieg beim Interesse an Gründercoachings seitens der potenziellen Gründer. Im Jahr 2011 kamen mithilfe der IHKs 4 % mehr Gründer mit Unternehmensberatern (21.766) – für eine Begleitung während der ersten Zeit nach der Gründung – zusammen. IHK-Partner für Gründercoachings sind die KfW-Bankengruppe, Landesförderungsbanken, Handwerkskammern und Wirtschaftsförderungsgesellschaften.

Aus dem DIHK-Gründerreport 2012 geht hervor, dass das steigende Interesse an Gründercoachings von großer Bedeutung ist, da die Qualität der meisten Gründungsvorbereitungen immer noch nicht den nötigen Standards entspreche.

Gründungsinteressierte Frauen holen auf

Erfreulicherweise resümiert der DIHK-Gründerreport, dass seit 2004 mit 31 % mittlerweile 41 % der Teilnehmer an Gründerseminaren und IHK-Gründungsberatungen weiblich sind. In Zahlen ausgedrückt, führten die IHKs 2011 mit 132.117 gründungsinteressierten Frauen Einstiegsgespräche. Gründe für den weiblichen Anstieg in der Gründerszene sind einerseits die sich wandelnden und aufbrechenden Rollenverhältnisse sowie der Wunsch nach mehr Flexibilität, um ein persönliches Gleichgewicht zwischen Familie und Beruf zu schaffen. Im Hinblick auf die Vorbereitung ist deutlich geworden, dass Frauen sich ihre Gründungsprojekte besonders reiflich überlegen und im späteren Verlauf eher Abstand von einer Gründung nehmen als vergleichsweise Männer.

Empfehlung der IHK für mehr Gründungen

Einerseits spricht nichts gegen sinkende Arbeitslosigkeit und gute Verhandlungsposition von Fachkräften aufgrund eines Mangels, andererseits darf deshalb die Attraktivität der Existenzgründung im Sinne von Deutschland als Gründerland dadurch nicht abnehmen.

Um den weiteren Rückgang beim Gründungsgeschehen in Deutschland zu vermeiden und im Gegensatz dazu sogar den Mut zur Selbstständigkeit zu fördern, ist ein Umdenken und Umstrukturieren seitens der Politik notwendig. So empfiehlt die IHK-Organisation sieben Handlungsvorschläge für mehr erfolgreiche Unternehmensgründungen im eigenen Land.

  1. Verankerung des Themas „Selbstständigkeit“ im Bildungssystem
  2. Verbesserung der Gründungsfinanzierung
  3. Abschaffung der Kostenbesteuerung
  4. Weiterentwicklung der Förderung von Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit
  5. Abbau der Bürokratie für Existenzgründer
  6. Befreiung der kommunalen Satzungen von unverhältnismäßigen Belastungen
  7. Erleichterung der Selbstständigkeit durch bessere Kinderbetreuungsangebote für Eltern

Es bleibt abzuwarten, ob die Politik das Thema Deutschland als Gründerland durch Förderung von Existenzgründungen wieder stärker aufgreift und in Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem DIHK den Mut zur Selbstständigkeit belohnt. Bis dahin sollten Gründungsinteressierte sich selbst zu helfen wissen und mithilfe von Gründerseminaren, Gründercoachings und anderen Beratungsstellen den Weg in die Selbstständigkeit gehen. Die passende Unterstützung durch Berater und Dienstleister finden Sie in unserer Dienstleister- und Beraterbörse.

Den vollständigen DIHK Gründerreport 2012 finden Sie hier.