Die Unternehmenskrise meistern: Joachim Reinhart von SimmCon



Eine Unternehmenskrise kann jeden treffen. Ob etablierter Unternehmer oder junger Existenzgründer, keiner ist vor den Gefahren einer Unternehmenskrise gefeit. Welche Auswege es aus der Unternehmenskrise gibt und wie einer Krise strategisch vorgebeugt werden kann, darüber sprechen wir heute im Interview mit Unternehmensberater Joachim Reinhart.

Für-Gründer.de: Herr Reinhart, was sind erste Zeichen für eine Krise im Zuge der Selbstständigkeit?

Joachim Reinhart von SimmCon Consulting

Joachim Reinhart von SimmCon: Die ersten Zeichen sind leicht zu übersehen:  Der Umsatz liegt unter Plan, der Warenbestand steigt, die Kunden werden „schwieriger“.  Weiter geht es dann mit rückläufiger Rendite, das Geld wird knapper und knapper. Zahlungsschwierigkeiten treten auf, verzögerte Auszahlungen. Richtig ernst wird es mit den ersten Mahnbescheiden, die Bilanzkennzahlen verschlechtern sich bis hin zur drohenden Überschuldung. Spätestens dann sollte jeder die Zeichen der Zeit erkennen! Wer dann immer noch den Kopf in den Sand steckt  die – „Vogel-Strauss-Politik“ – , der wird bald zahlungsunfähig sein mit allen Konsequenzen bis hin zur Geschäftsführerhaftung.

Für-Gründer.de: Nach welchem Zeitraum sind Gründer Ihrer Erfahrung nach besonders häufig von einer Unternehmenskrise betroffen und was sind die häufigsten Ursachen?

Joachim Reinhart von SimmCon: Besonders kritisch sind für Gründer, zu denen wir auch Unternehmensnachfolger zählen, die ersten zwei, drei Jahre. Aber eine Unternehmenskrise kann jeden jederzeit treffen, die Ursachen für Krisen sind vielfältig. Auch ein guter Unternehmer erkennt nicht immer die kritische Situation. Die häufigsten Ursachen sind einerseits interne Gründe wie unzureichende Finanzierung oder eine falsche Markteinschätzung. Oft werden Fehlentwicklungen auch nicht rechtzeitig erkannt, weil etwa kein ausreichendes Controlling vorhanden ist. Gerade kleinere Unternehmen arbeiten hier oft unnötig unprofessionell. Andererseits können auch externe Faktoren eine Krise herbeiführen, wie etwa die Insolvenz eines großen Kunden, neue Wettbewerber oder Innovationen.

Für-Gründer.de: Eine Krise muss nicht das Aus bedeuten – was ist wichtig, damit das Unternehmen rechtzeitig wieder auf Kurs gebracht werden kann?

Joachim Reinhart von SimmCon: Als erstes die Krise und den Bedarf an Unterstützung erkennen. Eine Sanierung bedeutet sehr viel harte, konzentrierte Arbeit! Und je weiter fortgeschritten sie ist, umso mehr. Ist die Krise trotz aller Umsicht da, stehen kurzfristig wirkende Maßnahmen im Vordergrund wie Stabilisierung der Liquidität, wenn möglich Umsatzsteigerung und Kostensenkung bis hin zu Vergleichsverhandlungen sowie Quotenvereinbarungen.

Parallel dazu sind die Weichen für eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens zu stellen. Unternehmen sollten eine nachhaltige Wettbewerbspositionierung entwickeln und immer die Finanzierung sowie Mitarbeiterentwicklung im Blick haben, um nur einige Punkte zu nennen. Dazu sind neue Geschäftspotentiale wie neue Kunden, neue Produkte oder Dienstleistungen anzugehen und eine passende Unternehmenssteuerung aufzubauen, die dauerhaft das Risiko des erneuten Eintretens einer Unternehmenskrise minimiert.

Generell gilt: Je akuter die Krise, desto der stärker liegt der Fokus zu Beginn der Sanierungsarbeit auf kurzfristig wirkenden Maßnahmen zur Stabilisierung der Liquidität, zur Kostensenkung und zur Umsatzsteigerung. Zu diesen Maßnahmen kann auch die Beschaffung von frischem Beteiligungskapital zählen.

Für-Gründer.de: Oft zeigen die Unternehmer das von Ihnen erwähnte „Vogel Strauß Syndrom“. Gerade mit der Hausbank wird oft nicht frühzeitig und transparent kommuniziert. Wie sollte der Gründer Ihrer Meinung nach auf die Hausbank zu gehen?

Joachim Reinhart von SimmCon: Aktive Kommunikation nach innen und außen ist in der Krise extrem wichtig, insbesondere auch gegenüber Kapitalgebern wie der Hausbank. Ist das Vertrauen erst weg, ist auch der Kredit weg, genauso wie die Mitarbeiter, die Kunden und die Lieferanten. Vertrauen ist Geld! Gespräche sind unbedingt aktiv von Seiten des Unternehmers aufzunehmen. Man sollte nicht damit warten, bis die Bank einen her zitiert. Allerdings ist eine gute Vorbereitung notwendig. Glaubhafte Wege aus der Krise aufzuzeigen ist wesentlicher Bestandteil von rechtzeitiger und transparenter Kommunikation. Also ganz klar: kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren.

Für-Gründer.de: Beratung im Krisenfall kann durch Zuschüsse gefördert werden, welche Programme gibt es hier und wie muss der Unternehmer vorgehen?

Joachim Reinhart von SimmCon: Für kleine und mittlere Unternehmen in Schwierigkeiten gibt es zwei Angebote der KfW-Bank: Der Runde Tisch und die Turn-Around-Beratung. Zum Runden Tisch: Die Unterstützung im Rahmen dieses Förderprogramms hat das Ziel, Schwachstellen des Unternehmens zu identifizieren, Maßnahmenvorschläge zur Überwindung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu entwickeln und eine erste Fortführungsprognose abzugeben.

Die Turn-Around-Beratung ist praktisch die Fortführung des Runden Tisches. Sie hat das Ziel,  die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit eines Unternehmens in einer wirtschaftlich schwierigen Situation wiederherzustellen und seinen Bestand nachhaltig zu sichern. Und natürlich Arbeitsplätze zu erhalten. Anträge sollten die Unternehmer über die Regionalpartner der KfW,  zum Beispiel die Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern stellen. Merkblätter und Richtlinien zu beiden Programmen finden sich auch auf der Homepage der KfW. Die Höhe der Zuschüsse reichen von 50% bis fast 100%, je nach Programm und Bundesland.

Existenzgründer können in den ersten Jahren nach der Gründung, wenn noch keine akute Liquiditätskrise oder Überschuldung vorliegt,  auch durch das „Gründungscoaching Deutschland“ gefördert werden. Ziel dieses Programms sind Coachingmaßnahmen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Auch für dieses Förderprogramm sollten die Anträge über die Regionalpartner der KfW gestellt werden. Merkblatt und Richtlinien hierzu finden sich ebenfalls auf der Homepage der KfW oder natürlich hier auf Fuer-Gruender.de.

Für-Gründer.de: Durch die Krise mit einem erfahrenen Partner – was sollten die Unternehmer bei der Auswahl der Berater beachten?

Joachim Reinhart von SimmCon: Die Auswahl des Sanierers ist wichtig. So manche Beratung ist ein wahrer Insolvenzbeschleuniger! Eine Unternehmenssanierung erfordert Erfahrung, professionelles Vorgehen, Spezialisten, gute Kontakte und hohen zeitlichen Einsatz auch vom Sanierer. Der Unternehmer sollte also darauf achten, dass diese Grundanforderungen erfüllt sind. Erfahrungen und Referenzen kann man sich nachweisen lassen. Einzelkämpfer verfügen meist nicht über die notwendige zeitliche Kapazität und die umfassenden Fähigkeiten. Mit großen Beratungsunternehmen wiederum arbeitet man als kleines oder mittleres Unternehmen oft nicht auf Augenhöhe.

Zusätzlich müssen die Chemie und das Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmer und Sanierer stimmen. Und last but not least: Der Sanierer sollte bereit sein, gemeinsam mit dem Unternehmer ins Risiko zu gehen, d.h., ein spürbarer Teil des Beraterhonorars sollte erfolgsabhängig sein. Diese Bereitschaft macht den Berater praktisch zum Mit-Unternehmer, der nur gewinnen kann, wenn auch das Unternehmen gewinnt.

Für-Gründer.de: Was möchten Sie Gründern abschließend mitgeben, damit sich der Fall einer Unternehmenskrise möglichst gar nicht erst einstellt?

Joachim Reinhart von SimmCon: Die wichtigsten Fehler im Vorfeld der Unternehmensgründung wie zum Beispiel falsche Finanzierung vermeiden und insbesondere die Fixkosten möglichst niedrig halten. Dadurch können sie finanziell flexibel bleiben und auf Entwicklungen entsprechend reagieren! Kurz gesagt, die Betriebswirtschaft ernst nehmen und sich bei der Gründung coachen lassen.

Ausschließen kann man eine Krise später trotzdem nicht. Eingebaute Frühwarnsysteme erleichtern das rechtzeitige Erkennen von Risiken und Fehlentwicklungen. In diesem Sinn ist schlanke Strategieentwicklung mit klaren Unternehmenszielen und Maßnahmen zur Zielerreichung auch für kleine Unternehmen kein Luxus! Jedenfalls solange die Strategie nicht in der Schublade vermodert, sondern als Chance zum Lernen und konsequentem Gegensteuern bei Problemen ansieht. Und falls doch eine Krise eintritt: sich rechtzeitig professionell unterstützen lassen.

Für-Gründer.de. Vielen Dank für das Gespräch!

Joachim Reinhart ist mit seinem Unternehmen SIMMCON Consulting im Gründernetzwerk des Portals Für-Gründer.de vertreten.

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