Gründer stellen sich vor… heute mit Holger Rupp von Get-neutral



Auf der Gründerzeit in Stuttgart ist uns auch das Unternehmen Get-neutral mit seiner Geschäftsidee aufgefallen. Somit sprechen wir heute mit Holger Rupp von Get-neutral über das Geschäftsmodell und die Entwicklung des Unternehmens.

Für-Gründer.de: Herr Rupp, Get-neutral greift das Thema CO2-Reduzierung auf, wie funktioniert Get-neutral im Detail?

Holger Rupp, CEO von Get-neutral

Holger Rupp von Get-neutral: Get-neutral bietet Verbrauchern die Möglichkeit, sich über die CO2-Bilanz von Produkten des täglichen Bedarfs zu informieren. Dies geschieht einerseits über unsere iPhone und Android App, mit der Produkt-Barodes gescannt werden können, oder über die manuelle Eingabe der Barcodes auf unserer Website www.get-neutral.com.

Nachdem man die CO2-Bilanz des Produktes angezeigt bekommt, hat man die Möglichkeit dieses CO2 kostenlos zu neutralisieren bzw. auszugleichen. Kostenlos deshalb, weil wir Sponsoren haben, die für die Neutralisierung bezahlen. CO2-Reduzierung mit Get-neutral verfolgt daher zwei Hauptansatzpunkte. Zum einen erzeugen wir erstmalig für Konsumenten Transparenz, wie viel CO2 in einem bestimmten Produkt ihres täglichen Bedarfs enthalten ist. Zum anderen beschäftigt sich jeder Mensch mehrfach täglich mit Konsumgütern, das heißt, wir haben täglich sehr viele Möglichkeiten beim Verbrauch auf Klimaschutz zu achten und nicht nur einmal im Jahr zum Beispiel bei der Wahl eines Stromanbieters.

Für-Gründer.de: Wie ist die Idee zu Get-neutral entstanden und in welchen Meilensteinen erfolgte die Umsetzung?

Holger Rupp von Get-neutral: In der Diskussion um CO2-Emissionen gilt grundsätzlich der Leitsatz „Emissionen vermeiden“. Nur falls sich Emissionen nicht vermeiden lassen, sollte versucht werden sie zu reduzieren. Falls ein weiteres Reduzieren nicht möglich ist, sollten die restlichen Emissionen kompensiert werden. Unsere Idee entstand aus der Überlegung, dass wir als Verbraucher bestimmte Dinge konsumieren müssen, wir müssen essen, wir müssen trinken und so weiter. Diese Dinge lassen sich kaum vermeiden und nur schlecht reduzieren. Beim täglichen Konsum entstehen daher Emissionen, die wir als Verbraucher nicht vermeiden können, Hersteller der Produkte jedoch schon. Da wären wir schon bei dem Business Model von Get-neutral. Konsumenten geben den Impuls, sie führen die „Neutralisierung“ durch, bezahlt wird der Klimaschutz von Sponsoren, denen Klimaschutz wichtig ist und als Unterscheidungsmerkmal dienen kann.

Das Unternehmen wurde im Mai gegründet. Im November haben wir den ersten großen Meilenstein erreicht: Unsere Internetplattform und die iPhone App sind „live“ gegangen. Seit Februar sind wir neben unserem Reutlinger Büro auch mit einem Büro in Stuttgart vertreten. Seit einigen Wochen sind wir nun auch mit der Android Version unserer App live.

Für-Gründer.de: Haben Sie ein paar Beispiele für CO2-Zahlen verschiedener Produkte? Was muss der User von Get-neutral tun, um seinen CO2-Fußabdruck zu verringern?

Holger Rupp von Get-neutral: Zu den CO2 Produktzahlen ist zu sagen, dass es sich dabei um so genannte generische CO2-Fußabdrücke, Product Carbon Footprints handelt. Generisch bedeutet in unserem Fall, dass wir nicht den exakten Product Carbon Footprint jedes einzelnen Produkts berechnet haben, sondern eine Art Richtwert für die jeweilige Kategorie eines Produktes, z.B. Schokolade. Da wir als Außenstehende die genauen Produktionsprozesse eines einzelnen Produkts nicht kennen, beinhaltet der generische PCF einen bestimmten „Sicherheitsaufschlag“, das heißt, der generische PCF wird in der Regel höher sein, als ein genau berechneter spezifischer PCF. Erst wenn wir für Hersteller spezifische PCFs berechnet haben, nehmen wir diese als spezifische PCFs in unser System auf und weisen diese auch entsprechend aus.

Einige Produktbeispiele sind zum Beispiel 100 g Schokolade, die ca. 655g CO2 enthält. Das entspricht ca. sieben Mal Nudeln kochen. 200 g Butter enthalten ca. 5,5 kg CO2, was ca. neun Mal Wäsche waschen entspricht. Und 500 g Rindfleisch enthalten ca. 6,7 kg CO2, was einer zurückgelegten Strecke von ca. 33 km mit einem Mittelklassewagen gleichkommt. Weitere Produktbeispiele sind auf dem Foto zu sehen.

Das Verringern des persönlichen CO2-Fußabdrucks ist ein komplexes Thema. Einerseits können User von Get-neutral natürlich die gescannten Produkte neutralisieren, was bereits einen positiven Effekt hat. Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, dass Produkte, die viel CO2 verursachen, weniger häufig konsumiert werden, dazu zählt zum Beispiel die Reduzierung des eigenen Fleischkonsums. Bei anderen Produkten wird nicht durch das Produkt selbst, sondern hauptsächlich durch seine Nutzung CO2 erzeugt.  So verursachen zum Beispiel 250 ml Duschgel etwa 196 g CO2. Langes Duschen mit heißem Wasser verursacht jedoch wesentlich mehr CO2, weil viel Energie für die Erhitzung von Wasser benötigt wird.

Wenn man seinen persönlichen CO2 Fußabdruck vermindern möchte, ist die Get-neutral App und die Möglichkeit zur Neutralisierung ein guter Startpunkt. Einerseits kann man dadurch die Produkte selbst CO2 neutral stellen und andererseits ein Bewusstsein für die CO2 Bilanz von Produkten des täglichen Bedarfs entwickeln. Dieses Bewusstsein kann man in vielen Bereichen seines täglichen Lebens anwenden, indem man Produkte, die viel CO2 verursachen, bewusster konsumiert, indem man beispielsweise seinen eigenen Fleischkonsums reduziert oder bewusster und sparsamer mit Energie umgeht.

Für-Gründer.de: Wie erfolgt die Zusammenarbeit mit den Unternehmen, die dann die CO2-Reduktion übernehmen?

Holger Rupp von Get-neutral: Einerseits können Unternehmen bei uns als Sponsoren agieren. Als Sponsoren stellen Unternehmen unseren Usern CO2-Guthaben zur Verfügung, welches unsere User wiederum zur Neutralisierung verwenden können. Andererseits haben Unternehmen ein Interesse daran, dass Ihre Produkte nicht nur mit einem generischen, sondern mit einem spezifischen Product Carbon Footprint ausgewiesen werden. Um einen spezifischen Product Carbon Footprint zu berechnen, muss die Wertschöpfungskette der jeweiligen Produkte genau analysiert werden.

Zusammenfassend ist unser Service besonders interessant für Unternehmen aus der Konsumgüterindustrie und dem Einzelhandel. Get-neutral bietet diesen Unternehmen eine herstellerunabhängige Plattform, die es ihnen ermöglicht, Verbrauchern klimafreundliche Angebote zu machen. Die Neutralisierungen, die unsere User durchgeführt haben, werden von Get-neutral gesammelt und dann durch Investitionen in Klimaschutzprojekte realisiert. Dies lassen wir unabhängig und freiwillig vom TÜV Rheinland überprüfen und zertifizieren.

Für-Gründer.de: Können Sie uns bereits ein paar Leistungskennzahlen von Get-neutral nennen?

Holger Rupp von Get-neutral:  Da wir aktuell in Gesprächen mit Kunden und Investoren sind, kann ich an dieser Stelle leider keine Auskunft über Leistungskennzahlen geben.

Nur so viel: Mit dem Angebot von Get-neutral wird erstmals systematisch das große CO2-Einsparpotential beim privaten Konsum erschlossen. Je mehr Menschen mitmachen, desto mehr wird durch Sponsoren in den Klimaschutz investiert. Jeder kann einfach und kostenlos etwas für den Klimaschutz tun, das Potential ist dementsprechend sehr groß.

Für-Gründer.de: Wo lagen bisher die größten Hürden beim Start von Get-neutral?

Holger Rupp von Get-neutral: Get-neutral ist ein völlig neues Modell. Die User-Kommunikation ist daher extrem wichtig. Die Kommunikation zum Thema Klimaschutz ist jedoch nicht immer einfach, weil es in der Vergangenheit leider auch schwarze Schafe gab. Dadurch, dass wir unsere Prozesse freiwillig vom TÜV Rheinland überprüfen lassen, können sowohl alle Nutzer unserer Plattform als auch unsere Sponsoren sicher sein, dass wirklich etwas für den Klimaschutz getan wird. Diese freiwillige Überprüfung kommt bei den Usern gut an.

Für-Gründer.de: Was sind die nächsten Schritte in der Entwicklung von Get-neutral?

Holger Rupp von Get-neutral: Die Idee wird sehr gut angenommen, auch wenn es sich um ein neues und damit erklärungsbedürftiges Thema handelt. Unsere Nutzerzahlen steigen täglich, jedoch noch nicht schnell genug, um spürbar etwas zum Klimaschutz beitragen zu können. Unser Ziel der nächsten Monate ist, zwei bis drei große Partner an Bord zu holen, um das Wachstum des Unternehmens zu beschleunigen und eine messbare Größe für den Klimaschutz zu erreichen. Dazu bauen wir außerdem aktiv unsere Kooperationen mit Umweltschutzorganisationen aus.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt

Get-neutral
Kriegsbergstraße 28
70174 Stuttgart
E-Mail: Holger.rupp@get-neutral.com
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