Crowd funding startet 2012 mit Rekordquartal



Die Ergebnisse des aktuellen Crowd funding-Monitors 2012 zum 1. Quartal 2012 zeigen die dynamische Entwicklung von Crowd funding und Crowd investing in Deutschland. Nachdem 2011 170 Projekte gut 458.000 € per Crowd funding vereinnahmen konnten, waren es in den ersten drei Monaten 2012 bereits 240.000 €, die auf 83 Projekte entfielen. Damit ist das 1. Quartal 2012 das bisher beste Quartal für Crowd funding in Deutschland. Nach dem fulminanten Jahresauftakt gehen wir von einem Finanzierungsvolumen in Höhe von 0,8 bis 1,0 Mio. € für 2012 aus. In der Start-up-Finanzierung per Crowd investing haben sechs Start-ups ihre Finanzierungsvorhaben im Q1 2012 abgeschlossen und 520.000 € aufgenommen. Für 2012 sehen wir hier ein Marktvolumen von 4 bis 5 Mio. € für die bestehenden Plattformen.

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Crowd funding im Detail
Insgesamt hatten in den ersten drei Monaten 186 Projekte eine Finanzierung per Crowd funding angestrebt, von denen 83 Projekte erfolgreich waren. Damit konnte im 1. Quartal 2012 bereits über 50 % des Finanzierungsvolumens aus 2011 erreicht werden. Im Vergleich zum Vorjahresquartal wurde der Wert mehr als verdreifacht. Zum Stichtag 31. März 2012 gab es auf den fünf Plattformen inkubato, mySherpas, pling, Startnext und VisionBakery insgesamt 628 beendete Projekte. 255 Projekte wurden davon erfolgreich finanziert, was einer Erfolgsquote von 41 % entspricht.

Die Vielfalt unter den erfolgreich finanzierten Projekten ist groß. So waren in den ersten drei Monaten 2012 bspw. Projekte für die Finanzierung des Magazins Päng!Magazin oder Filme wie bspw. 1 Minus 1 Gleich 0 – Der Kinofilm, Das Schokoladenmädchen oder Geschichten hinter vergessenen Mauern – Lost Place Storys aus Leipzig zu finden. Aber auch die Finanzierung für die limitierte Auflage einer Designer-Lampe sowie CD-Produktionen von Bands wie Annuluk, PROPELLER IN PANIK oder Die Spams waren erfolgreich. Zudem konnten zahlreiche Buchprojekte die Gunst der Geldgeber erringen. Dazu zählten u.a. Von Berlin nach Shanghai mit dem Rad – ein multimediales Roadtrip-Buch, Dritte Generation Ostdeutschland: Das Buch oder das Hartz IV Möbel – Buch.

Erfolgreiche Projekte konnten im Durchschnitt 45 Unterstützer für sich begeistern. Dabei gab jeder Unterstützer im Schnitt 64 € für die Projekte. Das angestrebte Finanzierungsvolumen konnte im 1. Quartal 2012 durchschnittlich um 15 % übertroffen werden.

Die Crowd funding-Plattform Startnext konnte im 1. Quartal 2012 einen weiteren Anstieg der Projektaktivitäten verzeichnen. Nachdem der Anteil von Startnext am vermittelten Kapital 2011 bei über 50 % lag, waren es von Januar bis März 2012 schon drei Viertel des Kapitals. Zudem zeichnete das Portal in diesem Zeitraum für über 70 % der erfolgreichen Projekte verantwortlich. Bei den aktiven Projekten zum Stichtag erreichte Startnext knapp 50 %. Es bleibt abzuwarten ob die anderen Plattformen in den nächsten Monaten dadurch etwas aufholen können. Insgesamt liegt die Plattform mySherpas in Bezug auf das vermittelte Kapital auf Platz 2 (14 %) – obwohl im Q1 2012 nur ein Projekt erfolgreich finanziert werden konnte. Platz 3 geht an pling (10 %), gefolgt von VisionBakery (9 %) und Inkubato (6%).

Crowd funding-Konferenz in Berlin
Aktuelle Entwicklungen von Crowd funding sind das Thema der kommenden co:funding am 4. Mai 2012 in Berlin. Die co:funding ist Teil der re:publica, die vom 2. bis 4. Mai stattfindet. Themen der co:funding werden u.a. sein: Forschungsergebnisse zu Crowd funding, Crowd funding in Europa sowie neue Finanzierungsmodelle und Finanzierungsstrategien.

Crowd investing im Detail
Im Vergleich zu Crowd funding stellt Crowd investing eine Möglichkeit zur Mittelaufnahme für kapitalintensive Start-ups da. Die Geldgeber erwerben dabei Unternehmensanteile, die einen Anspruch auf einen Anteil am Unternehmensgewinn ermöglichen oder zu einem späteren Zeitpunkt weiterverkauft werden können. Zu den Crowd investing-Plattformen zählen in Deutschland Gründer+, Innovestment, Mashup Finance und Seedmatch. Erfolgreiche Finanzierungen konnten bisher Seedmatch und Innovestment verzeichnen. Nach rund 450.000 € in den letzten 5 Monaten 2011, erzielten sechs weitere Start-ups im Q1 2012 519.634 €. Der Durchschnitt lag damit bei 86.000 €, wobei drei Start-ups die Maximalsumme von je 100.000 erreicht haben. Zu den finanzierten Start-ups gehören bspw. Ludufactur – ein Hersteller personalisierter Brettspiele, Fine Cotton – ein Onlineshop für maßgeschneiderte Hemden oder lingoking – ein Online-Übersetzungsbüro und Dolmetscher-Call-Service. Das Start-up easycard konnte sich ebenfalls erfolgreich finanzieren und schaffte die 100.000 € in einer Rekordzeit von 87 Minuten. Für 2012 gehen wir von einem Finanzierungsvolumen in Höhe von 4 bis 5 Mio. € auf den Crowd investing-Plattformen aus. Das wären dann gute 10 % dessen, was der BVK für 2011 an Venture-Capital-Finanzierungen in Deutschland für die Seed-Phase ermittelt hat. Derzeit besteht für Crowd investing aufgrund des Verkaufsprospektgesetzes die Obergrenze von 100.000 € für die Finanzierung.

Vorfahrt für Crowd investing: Aufgaben für die Politik
In den USA wurde die Anhebung der Finanzierungsschwelle durch den JOBS Act jüngst erreicht. Damit auch in Deutschland höhere Finanzierungen durch Crowd investing möglich werden, hat sich Jens-Uwe Sauer von Seedmatch in einem offenen Brief an die Bundesregierung gewandt. Für-Gründer.de unterstützt diesen Vorstoß. Durch höhere Finanzierungssummen für Crowd investing können die in Deutschland noch immer bestehenden Finanzierungslücken in der Seed-Phase zudem besser geschlossen werden als durch die von der Regierung geplante Investitionszulage für Business Angel, die überaus unscharf formuliert ist. Natürlich darf bei der Ausweitung von Crowd investing nicht der Schutz der Anleger und Start-ups aus dem Blick geraten, wie auch Herr Sauer in seinem Brief aufführt.

Weitere Details finden Sie in der Pressemitteilung und in einer ausführlichen Präsentation auf Für-Gründer.de.